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Politik Ausland
12/18/2019

Funk gegen Fisch: Wie China Druck auf die kleinen Färöer Inseln macht

Auf dem Nebenschauplatz im Nordatlantik zeigt sich, wie selbstbewusst China inzwischen als globaler Player auftritt.

von Jens Mattern

Die abgelegenen Färöer Inseln im Nordatlantik stehen derzeit unter dem Druck von USA, China und dem Königreich Dänemark, zu dem sie formal gehören.

Schlagzeilen macht gerade der Erpressungsversuch, den der chinesische Botschafter in Kopenhagen gegenüber Bárður á Steig Nielsen, dem Ministerpräsidenten von Färöer, unternommen haben soll: Entweder werde der chinesische Telekommunikationskonzern Huawei für das neue Mobilfunksystem 5G genommen, oder es gebe keine Handelsbeziehungen mit China. Der Inselstaat, der seine Außen- und Sicherheitspolitik mit Kopenhagen abspricht und nicht der EU angehört, versucht seit Jahren, ein Abkommen für den Lachsexport mit China zu erzielen.

Das Gespräch zwischen Botschafter und Premier fand bereits Mitte November statt. Über den Inhalt der Unterhaltung ließ sich der Ministerpräsident später gegenüber dem Wirtschaftsminister der Inseln aus, ohne zu wissen, dass ein Mikrofon des färöischen Senders KFV eingeschaltet war.

Per Gerichtsentscheid konnte die Regierung von Färöer eine Veröffentlichung verhindern, der Inhalt des Gesprächs liegt jedoch dänischen Medien vor. Die Berichterstattung löste Entrüstung in Dänemark aus, die Opposition in Kopenhagen will eine Protestnote an China verfassen. „Der Botschafter hat keine Drohung ausgesprochen“, erklärte die chinesische Botschaft in Kopenhagen. Auch von der Regierung in Färöer wird abgewiegelt.

Dort wurde bereits im Jahr 2015 von Huawei das Mobilfunksystem 4G eingeführt – das hiesige Telekommunikationsunternehmen Faroeya Tele lobt sich, durch die Kooperation „das beste Internet der Welt“ zu haben.

Durch das Embargo der USA gegen Huawei aufgrund möglicher Spionagetechnologie steht ein Upgrade auf 5G jetzt zur Debatte. Washington steht mitten in einem Handelskonflikt mit China – und der strahlt nun auf die Färöer-Inseln aus.

Zwickmühle

Die US-Botschafterin in Kopenhagen, Carla Sands, soll laut der dänischen Zeitung Berlingske die Färöer mehrfach bedrängt haben, keinen Vertrag mit Huawei abzuschließen, wie die USA die EU-Staaten allgemein von einem 5G-Vertrag mit dem Konzern abhalten wollen.

Dänemark, dass sich für den schwedischen Anbieter Ericsson für 5G entschieden hat, befindet sich in einer Zwickmühle. Formal können die Färöer selbst entscheiden. Doch wird bereits in der dänischen Presse kolportiert, dass Dänemarks Außenminister Jeppe Kofod dem Inselstaat angeraten habe, das Angebot von Huawei auszuschlagen – was das Außenministerium dementierte. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen rät der Regierung in Tórshavn dennoch dezent, man möge sich doch bitte beim Zentrum für Cybersicherheit in Kopenhagen kundig tun.

Dem NATO-Mitglied Dänemark ist an einer guten Kooperation mit Washington gelegen, Chinas Aktivitäten in der Arktis sieht es mit Misstrauen. Etwa den Versuch, Flughäfen in Grönland zu bauen. Die Insel untersteht ebenfalls Dänemark.

Für die Färöer, die für ihren rustikalen Walfang mit Speer, die Vogelwelt und ihre grasbedeckten Häuslein bekannt sind, ist die Perspektive jedoch eine andere: Dort denkt man an Norwegen. Als der Friedensnobelpreis, der traditionell in Oslo vergeben wird, 2010 an den chinesischen Systemkritiker Liu Xiaobo ging, brach durch die darauf folgenden Strafmaßnahmen fast der komplette Lachs-Export nach China zusammen. Und der Export der Färöer hat zu 95 Prozent mit Meeresbewohnern zu tun.

Fest steht: Huawei ist seine Einflussnahme auf dem Inselstaat bislang gut gelungen. Ein Abgeordneter der konservativen Regierungspartei, Johan Dahl, hatte lange Zeit als Berater für den Konzern gewirkt und soll den Deal für das 4G-Netz eingefädelt haben, so der färöische Sender KVF.

Bárður á Steig Nielsen erklärte am Donnerstag, die Regierung werde „sich nicht einmischen“, wie sich das Telekommunikationsunternehmen Faroeya Tele letztlich entscheiden werde. Bei diesem internationalen Druck ist das kaum glaubwürdig.

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