Politik | Ausland
18.09.2017

EuGH-Richter prüfen Schächtungsverbot

Muslime pochen auf Religionsfreiheit. Flandern will Ausbluten der Tiere ab 2019 verbieten.

Fast 40.000 Schafe haben Belgiens Muslime für das Anfang September gefeierte islamische Opferfest geschlachtet. Jede fromme Familie, die es sich leisten kann, opfert traditionell ein Tier. Die Schafe werden geschächtet – das heißt, ihnen wird die Kehle durchgeschnitten, sie bluten aus bis zum Tod. Erst dann gilt ihr Fleisch als "halal" ("koscher" im jüdischen Glauben). Im Durchschnitt dauert so ein Vorgang bis zu zwölf Minuten. Tierschützer in ganz Europa laufen gegen das Schächten von Tieren Sturm.

Ab 2019 ist damit Schluss, zumindest im Landesteil Flandern: Die flämische Regierung hat ein Schächtverbot für Schafe verabschiedet. Die Tiere müssen dann mit Elektroschocks betäubt werden, bevor sie geschlachtet werden. Zudem dürfen die rituellen Schlachtungen nur noch in offiziellen, kontrollierten Schlachthöfen stattfinden.

Muslimische Verbände in Belgien hatten dagegen geklagt: Die rituelle Schlachtung sei unerlässlicher Bestandteil ihrer Religionsausübung – wie auch jener der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Das Schächtungsverbot verstoße also gegen ihre Religionsfreiheit. Ein belgisches Gericht reichte die Klage an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg weiter. Der widmet sich heute, Montag, in einer mündlichen Verhandlung der Frage: Verstößt das Schächtungsverbot gegen die Religionsfreiheit von Muslimen?

Schon vor vier Jahren gab die EU-Kommission eine EU-weit zwingende Richtlinie vor: Tiere müssen vor der Schlachtung betäubt werden, um ihr Lied zu verringern. Ausnahme für religiöse Zeremonien gibt es – aber nur, wenn die Tötung in einem Schlachthaus stattfindet.

Ausnahme in Österreich

Diese Regelung gilt auch für Österreich: An sich ist Schächten verboten, darf aber mit behördlicher Genehmigung in einem Schlachthaus unter Anwesenheit eines Tierarztes durchgeführt werden. Sofort nach Öffnung der Blutgefäße muss das Tier betäubt werden.