Politik | Ausland
22.04.2017

Erschossener Polizist kämpfte für Gleichstellung der Homosexuellen

Das Terroropfer auf den Pariser Champs-Elysée engagierte sich auch privat gegen Intoleranz.

Es war zwar Zufall, dass der Attentäter am Donnerstag auf den Pariser Champs-Elysée, der „Polizisten töten“ wollte, ausgerechnet den 37-jährigen Xavier Jugelé ermordete. Aber wie sich jetzt herausstellte, trotzte Jugelé auch in seinem persönlichen Engagement der Intoleranz und dem religiösen Fanatismus.

Der Polizeibeamte stand ohne Scheu zu seiner Homosexualität und machte auch aus seiner offiziell eingegangenen Lebensgemeinschaft mit einem Diplomaten kein Geheimnis. Er gehörte zu einer Gruppe, die innerhalb der Polizei lesbische, schwule und transsexuelle Beamte unterstützte und nötigenfalls verteidigte.

Er war auch unter jenen Beamten, die als erstes im November 2015 herbeieilten, um den Opfern des Massakers in der Pariser Konzerthalle „Bataclan“ Beistand zu leisten. Er war ebenfalls beim Gedenkkonzert mit dem britischen Rockmusiker Sting ein Jahr später im „Bataclan“ zugegen und erklärte damals in einem Interview: „Wir sind hier, um für die Verteidigung unserer Prinzipien Zeugnis abzulegen. Dieses Konzert zelebriert das Leben, das von den Terroristen negiert wird“.

Der Mörder – vom Gewaltverbrecher zum Dschihadisten

Sein Mörder, der 39 jährige Karim Cheurfi, ein chronischer Gewaltverbrecher ursprünglich ohne religiösem Gehabe, hatte bereits 2001 zweimal versucht, Polizisten zu töten. Zu 15 Jahren verurteilt, kam er nach elf Jahren frei, wurde bei einem Einbruch geschnappt, wieder eingesperrt und 2015 endgültig auf freien Fuß gesetzt. Der verhärmte Einzelgänger wandte sich erst zuletzt dem Dschihadismus zu. In Moscheen vertraute er muslimischen Gläubigen an, er wolle „aus Rache für die Kinder in Syrien“ französische Polizisten töten.

Dabei hat gerade Frankreich, unter der Führung von Präsident Francois Hollande, seit Beginn des Volksaufstands gegen den Diktator Baschar Al-Assad alles unternommen, um die nicht-dschihadistischen Regime-Gegner zu unterstützen. Zuletzt zählte die französische Staatsführung wieder zu den heftigsten und unbeugsamsten Anklägern der Vernichtungsstrategie, die von Assad gegenüber der Zivilbevölkerung angewandt wurde. Wofür der sozialistische Staatspräsident Hollande übrigens von der Rechtspopulistin Marine Le Pen und dem konservativen Kandidaten Francois Fillon – beides Putin-Freunde – gescholten wurde.

Muslime alarmierten die Polizei

Mehrere Moscheen-Besucher, vor denen Cheurfi mit seinen irren Absichten geprahlt hatte, alarmierten die Polizei. Diese konnte aber bei einer Hausdurchsuchung bei Cheurfi kein Beweismaterial finden. Bei seiner Tat trug Cheurfi einen Zettel in einer Hosentasche, auf dem er geschrieben hatte, er wolle als „Märtyrer für Allah“ sterben.