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Politik Ausland
05/14/2021

Entsetzen über weltweite antisemitische Übergriffe

Von New York bis Gelsenkirchen ertönten in den vergangenen Tagen antisemitische Parolen – auch in Wien können sich Juden wegen der Anti-Israel-Demonstrationen nicht mehr frei bewegen.

von Armin Arbeiter

„Oh Jude, die Armee Mohammeds wird zurückkehren“ – skandierten aufgebrachte Demonstranten am Mittwoch in den Straßen Wiens. An der Demonstration, die durch die Mariahilfer Straße zog, nahmen unter anderem die rechtsradikalen Grauen Wölfe teil, ebenso linke Gruppierungen. Ben (Name der Redaktion bekannt) ist froh darüber, rechtzeitig gewarnt worden zu sein.

Der 24 Jahre alte jüdische Bulgare arbeitet derzeit für ein österreichisches Unternehmen. Wenige Stunden vor der Demonstration läutete sein Telefon: „Es war die Jüdische Gemeinde – sie sagten mir, ich solle den Raum um die Mariahilfer Straße meiden. Vor allem aber würden gezielt jüdische Namen auf Websites von Unternehmen gesucht und im Netz veröffentlicht“, sagt Ben zum KURIER.

Weltweit Übergriffe

Er musste seinen Arbeitsplatz in der Nähe des Museumsquartiers vorzeitig verlassen. „Wenn man sich ansieht, was weltweit geschieht, war dieser Schritt notwendig“, sagt er. In New York etwa, wo die Polizei nur mit Mühe einen Juden davor bewahren konnte, von palästinensischen Demonstranten zusammengeschlagen zu werden. Oder in Deutschland, wo ein antisemitischer Demonstrationszug in Gelsenkirchen von der Polizei gestoppt wurde. „Scheißjuden“, brüllte die Menge.

Auf einem veröffentlichten Video ist zu sehen, dass Beamte trotz der Parolen nicht eingriffen. Das oberste Ziel sei der Schutz der Synagoge gewesen, erklärte der Polizeisprecher.

„So etwas habe ich in Bulgarien noch nie erlebt“, sagt Ben. Er ist schockiert darüber, „wie hart die Stimmung umschlägt, wie Juden auf der ganzen Welt für die Geschehnisse in Israel verantwortlich gemacht werden“.

„Vor allem, dass auch gebildete Menschen, die in Westeuropa sozialisiert und in Bezug auf Antisemitismus sensibilisiert wurden, so handeln, schockiert mich“, sagt er.

Indes wurde in Deutschland eine vor dem Düsseldorfer Rathaus gehisste israelische Flagge angezündet. Um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzten, ließ Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) am Freitag eine neue Israel-Fahne aufstellen.

Brennende Flaggen

Zuvor waren auch vor Synagogen in Münster, Bonn und anderen deutschen Städten israelische Flaggen angezündet worden. Auch in Hannover musste die Polizei bei einer Anti-Israel-Demonstration einschreiten. „Es kam zu konkreten Feindseligkeiten“, berichteten die Beamten über die Versammlung, an der über 500 Menschen teilgenommen haben sollen.

„Unter anderem gab es den Versuch, Israel-Flaggen zu verbrennen“. In deutschen Sicherheitskreisen fürchtet man eine weitere Eskalation, falls sich der Konflikt nicht beruhigt. Laut Spiegel rechnet die Polizei in diesem Fall mit Molotowcocktail-Attacken auf Synagogen und andere israelische Einrichtungen.

Ein weiterer Risikofaktor ist der morgen, Samstag, stattfindende „Nakba Day“, der palästinensische „Tag der Katastrophe“, an dem Palästinenser der „Vertreibung durch Israel“ gedenken. Ein Tag, der vor allem in Israel in den vergangenen Jahren für Zusammenstöße gesorgt hatte.

In Frankreich war für Samstag eine Großdemonstration gegen Israel geplant – Innenminister Gérald Darmanin schob dem einen Riegel vor. Zu stark haben sich die Erinnerungen an die Demonstrationen von 2014 ins öffentliche Gedächtnis eingebrannt, als Anti-Israel-Demonstranten eine Synagoge und jüdische Geschäfte attackierten.

Auch in Österreich will man mit „Null Toleranz“ bei Aufrufen zur Gewalt gegen Israel und antisemitischen Äußerungen“ vorgehen, betonte Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP).

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