Im Pazifik braut sich das nächste Wetterextrem zusammen
Auch dem Pazifik ist derzeit zu heiß.
In Europa ist es heiß. Zu heiß. Doch nicht nur hier, sondern auch 15.000 Kilometer Luftlinie von Österreich entfernt, mitten im Pazifischen Ozean, zwischen Südostasien und Lateinamerika. Hier hat das Meer an der Oberfläche gerade zwischen 29 bis 31 Grad Celsius. Das sind etwa 2 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt. Wie heiß dieses Wasser hier ist, hat Auswirkungen auf die ganze Welt.
Im Pazifik braut sich gerade der „Super-El-Niño“ zusammen, der seinen Höhepunkt voraussichtlich zwischen September und Dezember 2026 erreichen wird. Seine Auswirkungen werden in den meisten Regionen jedoch erst im Jahr 2027 zu spüren sein.
Einer der stärksten El Niños seit Jahrzehnten
Die sogenannte Niño-3.4-Region im Pazifik dient zur Prognose der Stärke eines bevorstehenden El Niños. In einem El-Niño-Jahr strömt statt kaltem warmes Wasser vom westlichen Pazifik in Richtung Südamerika – ein wiederkehrendes Naturereignis, das durch den Klimawandel aber verstärkt wird. Die Wahrscheinlichkeit eines sehr starken El-Niño-Ereignisses liegt laut Weltmeteorologiebehörde (WMO) aktuell bei 81 Prozent.
Indonesiens Salzfelder blühen unter der Dürre, die durch die sengende Hitze des El Niño verursacht wird
Der stärkste El Niño der jüngsten Messgeschichte ereignete sich in den Jahren 2015/16. Damals lag die Temperatur im Pazifik rund 2,7 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt. Experten nennen den aktuellen El Niño bereits ein „überwältigendes“ Naturereignis, es könnte einer der stärksten El Niños der vergangenen Jahrzehnte werden.
Nässe in Europa prognostiziert
Für Europa bleiben die direkten Folgen eines „Super-El-Niños“ überschaubar, die aktuellen Rekord-Temperaturen lassen sich nicht direkt darauf zurückführen. Zwar wurde Europa auch während El Niño 2015/2016 von einer Hitzewelle überrollt, genauso gab es aber auch historische Hitzesommer, die nicht in einem El-Niño-Jahr stattfanden. Meteorologen halten aufgrund des Wetterphänomens jedoch mehr Regen und Stürme im Herbst, einen milderen Winter und einen zu feuchten und warmen Sommer 2027 für möglich.
Indirekt könnte Europa die Folgen spüren, wenn globale Lieferketten unwetterbedingt wegbrechen, es zu Ernteausfällen kommt, Fische aus zu heißen Wassergebieten abwandern und sich die Marktpreise global erhöhen.
Regionen, die bereits sehr vulnerabel sind, wo der Großteil der Landwirtschaft Subsistenzwirtschaft ist und die Bevölkerungen schon bei „normalen“ Wetterbedingungen mit Trockenheit oder massiven Regenfällen zu kämpfen haben, sind in einem El-Niño-Jahr vor allem während der Pflanz- und Erntezeiten noch stärker betroffen. Zum Beispiel Zentralamerika und die Karibik, wo ausbleibender Regen schon den Anbau von Grundnahrungsmitteln bedroht. Oder Süd- und Ostafrika, wo in der östlichen Sahel-Zone noch weniger Regen als sonst fällt, und überdurchschnittliche Temperaturen den Wasserstress der Nutzpflanzen verstärken. In Süd- und Südostasien wiederum verzögert sich die Monsun-Zeit, möglicherweise sogar bis Oktober.
Im Norden von Peru werden im Rahmen der Vorsorgemaßnahmen Notunterkünfte eingerichtet.
Rund 50 Millionen Menschen betroffen
Diese Entwicklungen lassen bei den Vereinten Nationen die Alarmglocken schrillen: Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) schätzt, dass bis Ende 2027 mindestens 49 Millionen Menschen zusätzlich in akute Ernährungsunsicherheit geraten könnten; das ist ein Plus von 21,6 Prozent im Vergleich zu aktuellen Zahlen in den betroffenen Regionen. „In Mittelamerika und im südlichen Afrika könnte die Zahl jener Menschen, die stark oder überdurchschnittlich unterernährt sind, um 75 bis 80 Prozent steigen“, sagt Jean-Martin Bauer, Leiter des Dienstes für Ernährungsanalyse des WFP, in einem Pressegespräch.
Auch wenn die Folgen von El Niño im Laufe des nächsten Jahres erst wirklich ersichtlich werden, brauche es jetzt Maßnahmen zur Vorbereitung: „Wir stellen gefährdeten Haushalten Bargeld oder andere Unterstützung zur Verfügung, um Lebensmittel zu kaufen oder in den Schutz ihrer Lebensgrundlagen zu investieren, bevor die Überschwemmung oder Dürren einsetzen“, sagt Richard Choularton, Leiter der Abteilung für Klima und Resilienz des WFP. Es gibt eigene Klimarisiko-Versicherungen der UN, damit Betroffene im Fall von Unwetterkatastrophen abgesichert sind.
Beobachter werden nicht müde zu wiederholen: Wetterereignisse sind schwer zu prognostizieren, ein gewisses Maß an Unvorhersehbarkeit bleibt immer. Sicher ist jedoch der Blick zurück: Der letzte, besonders starke El Niño 2015/2016 hat rund 60 Millionen Menschen betroffen. Und weisen Experten auch darauf hin, dass die Ausgangslage heute eine noch schlechtere sei als damals: mehr Konflikte wie um die Straße von Hormus, die die Lebenshaltungskosten global steigen lassen, und weniger globale, finanzielle Hilfe.
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