Politik | Ausland
17.08.2017

Steve Bannon hat einen Scaramucci-Moment

Der Chefstratege von Donald Trump sprach mit einem Journalisten über einen "Handelskrieg mit China", glaubte aber nicht daran, dass seine Kommentare veröffentlicht werden.

Was Steve Bannon getan hat, ist für viele wohl ein Rätsel. Der umstrittene Chefstratege im Weißen Haus und ehemalige Chef des rechten Internetportals Breitbart News gab ausgerechnet einem kleinen links-liberalen Magazin namens The American Prospect ein Interview. Überrascht sind aber nicht nur Kollegen und etablierten Medien, sondern auch Bannon selbst. Trumps Berater hätte den Journalisten lediglich kontaktiert, um über eine China-Geschichte zu plaudern. Bannon hätte nie gedacht, dass das Gespräch veröffentlicht wird.

Damit wandelt der Chefideologe von Donald Trump auf den Spuren von Anthony Scaramucci, Ex-Kommunikationsdirektor im Weißen Haus. Kurz nach seiner Ernennung sprach Scaramuccui mit einem Reporter des New Yorker und ging dabei nicht zimperlich mit Mitarbeitern von Donald Trump um. Er sei nicht wie Berater Steve Bannon, erzählte er, "ich versuche nicht meinen eigenen Schwanz zu lutschen". Stabschef Reince Priebus nannte er einen "paranoiden Schizophrenen" und kündigte an, dass der seinen Job sowieso bald los sei.

Scaramucci, der den Journalisten angerufen hatte, bat nicht darum, das Gespräch vertraulich zu behandeln, also "off the records". Wenige Tage später musste der Kommunikationsdirektor seinen Platz räumen - zehn Tage nachdem er eingestellt wurde. Auch Bannon soll seinen Anruf nicht als Hintergrundgespräch deklariert haben. Freilich ist das etwas ungewöhnlich für einen Medienprofi und ehemaligen Publizisten.

Aber was hat Bannon gesagt? So obszön wie Scaramucci äußerte sich Bannon nicht. Allerdings widersprach der Chefstratege seinem Chef.

So erklärte Bannon, dass es "keine militärische Lösung" in Konflikt mit Nordkorea gibt. US-Präsident Trump hatte Nordkorea zuletzt mit "Feuer und Wut" gedroht. Aber Bannon sieht in der Konfrontation "nur einen Nebenschauplatz". In Wahrheit drehe sich alles um den Handelskonflikt mit China. "Der Wirtschaftskrieg mit China ist alles. Und wir müssen uns wahnsinnig darauf konzentrieren", zitierte The American Prospect Bannon. Ansonsten würden die USA in spätestens zehn Jahren deutlich gegenüber Peking an Einfluss verlieren. Die USA sollten deswegen hart gegen die Volksrepublik im Handelsstreit vorgehen. "Wenn wir weiter verlieren, kommen wir in fünf, ich glaube maximal zehn Jahren an einen Wendepunkt, von dem wir uns niemals mehr erholen können."

In China reagierte man vorsichtig auf das Interview. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, betonte, die chinesisch-US-amerikanischen Handelsbeziehungen brächten beiden Seiten Vorteile. Ein Handelskrieg würde hingegen keine Gewinner hervorbringen.