Die Niederlande gehen wieder in einen harten Lockdown - gleich bis 14. Jänner

© APA/AFP/ANP/RAMON VAN FLYMEN

Politik Ausland
12/19/2021

Die Omikron-Welle überrollt Europa

Knapp vor den Weihnachtsfeiertagen explodieren die Infektionszahlen, mit potenziell dramatischen Auswirkungen. Regierungen greifen teils zu harten Maßnahmen.

von Walter Friedl

Delta war einmal – und im Vergleich zu Omikron war sie eine geradezu träge Variante des Coronavirus. Die neue Mutation sprengt alles bisher Gesehene und breitet sich in Europa mit atemberaubender Geschwindigkeit aus. Experten zeichnen bereits Horrorszenarien, Regierungen stehen mit dem Rücken zur Wand und greifen teilweise wieder zu harten Maßnahmen.

Großbritannien

In England und Schottland hat Omikron bereits die Herrschaft übernommen. 60 Prozent der Neuinfektionen gehen auf diese Variante zurück. Zur Veranschaulichung: Allein am Samstag wurden in Großbritannien mehr als 10.000 Omikron-Fälle registriert – drei Mal so viele wie am Tag zuvor, die Siebentage-Indzidenz liegt bei 750.

Simulationsforscher rechnen vor, dass sich die Zahl der Neuinfektionen ohne Gegenmaßnahmen bis Jahreswechsel auf zwei Millionen pro Tag steigern könnte, jetzt schon soll die Dunkelziffer bei mehreren Hunderttausend liegen. Das Gesundheitssystem stehe bald am Rand des Abgrunds. London hat den Katastrophenfall ausgerufen. Diskutiert wird ein „Wellenbrecher-Lockdown“ nach Weihnachten, berichten Medien.

Niederlande

Eine Verdoppelung der (Omikron-)Fälle in der Großstadt Amsterdam alle zwei bis drei Tage und eine Siebentage-Inzidenz von rund 620 ließen die Regierung von Premier Mark Rutte am Wochenende die Reißleine ziehen. Ein harter Lockdown wurde verhängt – gleich bis 14. Jänner. Lediglich Supermärkte und Apotheken bleiben offen. Jeder Haushalt darf nur noch zwei Gäste empfangen. Nur zu Weihnachten und zum Jahreswechsel sind bis zu vier Besucher erlaubt.

Dänemark

In dem kleinen Land mit seinen nicht einmal sechs Millionen Einwohnern, das noch im September alle Beschränkungen aufgehoben hat, werden derzeit 12.000 bis 15.500 Neuinfektionen pro Tag gezählt. Schon mehr als ein Fünftel geht auf die Omikron-Mutation zurück. Daher werden in Dänemark – die Siebentage-Inzidenz liegt bei mehr als 1.000 – Teile des öffentlichen Lebens wieder zurückgefahren: Theater, Kinos, Zoos und Sportstätten schließen. Restaurants müssen um 23 Uhr zusperren.

Norwegen

Das reiche Land im Norden, das bisher relativ gut durch die Pandemie kam, verzeichnet derzeit Siebentage-Inzidenzen von mehr als 600 – und strafft jetzt die Zügel massiv: In der Vorwoche wurde ein striktes Ausschankverbot für Alkohol erlassen. Und zwar für vier Wochen. Damit gibt es auch zu Weihnachten und Silvester weder Bier noch Wein oder Hochprozentiges in Restaurants, Bars und Hotels. Ziel ist es, soziale Zusammenkünfte zu reduzieren und so die Ausbreitung von Omikron einzudämmen.

Italien

Unser Nachbar im Süden hat während der ersten Corona-Welle mit vielen Covid-Toten seine Lektion in bitterer Weise gelernt. Jetzt hat Italien eine der höchsten Durchimpfungsraten in Europa (80 Prozent mit Erstimpfung) und eine Siebentage-Inzidenz von „nur“ rund 260. Doch die Regierung ist vorsichtig: Ab Jänner könnte die Impfpflicht für alle Arbeitnehmer kommen (derzeit gilt sie für Beschäftigte in Schulen und im Gesundheitswesen). Zudem wird überlegt, den Zugang zu stark frequentierten Orten (wie Discos oder Stadien) mit 2-G-plus zu regeln.

Frankreich

Hier stieg die Siebentage-Inzidenz auf knapp 540. Um die kritische Infrastruktur im Gesundheits- und Pflegebereich zu schützen, kommt die verpflichtende Drittimpfung für das dort beschäftige Personal – derzeit müssen diese Arbeitnehmer zwei Mal geimpft sein.

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