Politik | Ausland 10.02.2017

Schäuble vergleicht Schulz mit Donald Trump

Wolfgang Schäuble © Bild: REUTERS/HANNIBAL HANSCHKE

Die Art, wie Schulz eine vermeintliche Spaltung der Gesellschaft beschwöre, folge der postfaktischen Methode des US-Wahlkampfs.

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU) sieht Gemeinsamkeiten zwischen SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und US-Präsident Donald Trump.

"Wenn Schulz seine Unterstützer "Make Europe great again" rufen lässt, dann ist das fast wortwörtlich Trump", sagte Schäuble dem Spiegel.

Die Art, wie Schulz eine vermeintliche Spaltung der Gesellschaft beschwöre, folge der postfaktischen Methode (Fakten zählen nicht mehr) des US-Wahlkampfs.

Schulz müsse "mal ein bisschen nachdenken"

Es würde Schulz gut tun, wenn er "mal ein bisschen nachdenken" würde statt auf "Dampfplauderei" zu setzen. "In einer Zeit, in der weltweit die Versuchung durch den Populismus zugenommen hat, dürfen Politiker nicht so reden wie Herr Schulz", meinte Schäuble.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz im Norddeutschla
ABD0227_20170207 - Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz blickt am 07.02.2017 im Bahn-Werk Neumünster (Schleswig-Hol… © Bild: APA/dpa/Carsten Rehder

Der SPD-Kanzlerkandidat sei auch kein glaubwürdiger Kämpfer gegen das Establishment. "Herr Schulz ist doch kein Underdog, der irgendwo aus dem Wald kommt", sagte Schäuble. "Der Mann saß jahrzehntelang im Europäischen Parlament, zuletzt als Präsident. Wenn das kein Establishment ist, was denn dann?"

SPD: In der CDU herrsche "Panik"

Führende SPD-Politiker griffen Schäuble daraufhin scharf an. In der CDU herrsche offensichtlich "Panik", weil Umfragen-Liebling Schulz den Nerv der Bürger treffe: "Schäuble sinkt auf Trump-Niveau: unsachlich und hysterisch. Peinlich!", schrieb SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann im Kurznachrichtendienst Twitter.

https://twitter.com/ThomasOppermann/status/830034920164753409
Thomas Oppermann (@ThomasOppermann

SPD-Parteivize Ralf Stegner meinte, wenn Schäuble Schulz "mit dem großmäuligen US-Präsidentendarsteller" Trump gleichsetze, "brennt es im Konrad-Adenauer-Haus lichterloh".

Seitdem die SPD vor knapp zwei Wochen Schulz als Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl ausgerufen hat, gehen die Umfragewerte steil nach oben. In einer Forsa-Umfrage für Stern und RTL legte die SPD auf 31 Prozent zu, die CDU/CSU kam auf 34 Prozent. In einer Insa-Umfrage im Auftrag der Bild-Zeitung hatte die SPD die Union zuletzt sogar überholt (31 zu 30 Prozent).

( Agenturen , jk ) Erstellt am 10.02.2017