Verständnisproblem? Was Österreicher in Deutschland nicht verstehen – und umgekehrt

Von Melanzani über Jänner bis "Geht sich nicht aus": Das österreichische Deutsch kann durchaus für Missverständnisse beim Nachbarn sorgen.
Zuschauer mit rot-weißem Hut und Deutschlandfahnen im Hintergrund.

Mit dem deutschen Nachbarn verbindet uns einiges – etwa die Vorliebe für Fußball, Schwarzbrot, Bier und Würstel. Trotzdem gibt es feine Unterschiede, zum Beispiel in der Sprache, die im Alltag durchaus zu kleinen Missverständnissen führen kann. Welche Sprachbarrieren Deutsche in Österreich und Österreicher in Deutschland erlebt haben.

Helga (64), Steirerin in Bayern: "Ich stand im Geschäft und fragte die Verkäuferin: Wo finde ich die Leintücher? "Was genau bitte? Für welchen Verwendungszweck sollen diese Tücher aus Leinen sein?", hat die geantwortet. "Na, für Betten!!" "Könnte es sein, dass sie Bettlaken meinen?", sagte dann die Verkäuferin verunsichert. Bei den Pölstern kommen sie schneller zusammen, die heißen in Deutschland Kissen. Und wenn ich mittlerweile meine Schwester frage, ob wir eine Runde um den See laufen, sagt die ganz verärgert: "Sicher nicht! Ich laufe doch nicht, ich gehe!"

Lenard (27), Hamburger in Wien: "Der Ausdruck "Grüß Gott" – was hat denn Gott mit der Begrüßung zu tun? Und warum heißen Auberginen Melanzani?"

Ab nach Köln: Laura Feiersinger.

Österreichs Stürmerin Viktoria Pinther und Deutschlands Verteidigerin Kathrin Hendrich kämpfen beim Euro2025-Qualifikationsspiel am 5. April 2024.

Unterwegs in Deutschland

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Jänner statt Januar und die unbekannte Leberkassemmel

Annabell (27), aus Hessen nach Wien gezogen: "Ich erinnere mich, als mich eine Person fragte, ob ich von da komme. Mein "von wo?" hat mich recht schnell als frisch Zugezogene enttarnt – dass ein österreichisches "Da" das deutsche "Hier" ist, und nicht etwa das deutsche "Da", was viel eher einem "Dort" entspricht, damit hatte ich nicht gerechnet. Oder, auch eine große Erkenntnis, dass angreifen nicht gleich einen Angriff bedeuten muss. Über die Zeit habe ich jedenfalls immer wieder gemerkt, dass die Menschen in Österreich tendenziell wissen, was wir in Deutschland anders sagen würden, während man aus dem deutschen Deutsch kommend noch ganz schön viel lernen kann."

Sandra (36), Oberösterreicherin in Berlin: "In meinem ersten Text stand Jänner statt Januar. Der Aufschrei war groß, aber danach bekam ich einen Ösi-Fahnen-Lovestorm."

Eine Hand hält eine Schale mit geschnittener Bratwurst, Senf und Ketchup.

Käsekrainer oder Frankfurter? Oder doch Wiener Würstchen und Currywurst?

Dorothea (64), 1988 aus Baden-Württemberg nach Graz gezogen: "In einer langen Schlange vor dem Amt in Graz. Bewaffnet mit allen Papieren und einem Antrag auf Aufenthaltsbewilligung, mit zahlreichen Stempelmarken versehen. Diese erhielt man damals exklusiv in "Stempelmarkenverscheißstellen". Allein für dieses Wort hatte es sich gelohnt, nach Österreich zu kommen. Ich wartete lange, bis ein Mann inklusive Dolmetscher die Amtsstube verließ und ich eintreten konnte. Der Beamte thronte hinter seinem Schreibtisch in Steirertracht und unter Hirschgeweihen und aß etwas, das ich mit heutigem Wissen als Leberkassemmel bezeichnen würde. Er schnauzte mich an: "Bauchn S´ a an Dolmätsch?" Ich verstand ihn wirklich nicht.

Oder: Ein Reifenplatzer auf der Autobahn. Am Pannenstreifen fragte ich meinen österreichischen Freund, was passiert sei. Dieser meint, es sei ein Trum auf der Straße gelegen. Die Polizei kam und fragte mich nach dem Tathergang. Ich: "Es lag ein Trum auf der Straße." Ich dachte, es handele sich um einen mir unbekannten technischen Spezialausdruck."

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Nur "Brötchen"

Sarah (27), Oberösterreicherin in Frankfurt am Main: "Immer wieder rutschen mir Austriazismen in meine Texte. Unser Schreibprogramm unterwellt die Wörter, die es nicht kennt. Anfangs habe ich akribisch nach einem Rechtschreibfehler gesucht, bis ich das Wort aus Verzweiflung auf der Website des Dudens eingegeben habe. Die Antwort des Wörterbuchs: "Gebrauch: österreichisch", gefolgt von einer Erklärung für Nicht-Österreicher. Ich wage es gar nicht mehr, nach einem Sackerl zu fragen. Dass ich hier nicht herumsudern kann, sondern nur jammern, ist mir auch klar. Ebenso, dass ich eine Tafel Schokolade nicht um zwei Euro, sondern für zwei Euro kaufe, und im Restaurant vergeblich nach einem Gastgarten fragen kann – es gibt bestenfalls einen Biergarten. Der Kellner dort wischt den Tisch mit einem Lappen und nicht mit einem Fetzerl ab. Nur beim Bäcker komme ich mit meinen sprachlichen Fähigkeiten immer noch meine Grenze, wenn ich in der Vitrine ein Semmerl, einen Kornspitz, ein Laugenstangerl und ein Kipferl sehe – und zu allem einfach nur Brötchen sagen kann. "

Marie (43), Steirerin in Berlin: "War zu spät, schrieb: "Geht sich nicht aus." Mein Gesprächspartner wartete vergeblich und war richtig angefressen."

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