Zuschauerinnen bei der Klub-WM

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Politik Ausland
12/15/2019

Der ultimative Kick: Die Schattenseiten der Fußball-WM in Katar

Das Emirat wird 2022 ein perfekter Gastgeber sein - eine willkommene Imagepolitur nach zahlreichen Menschenrechts-Vorwürfe.

von Florian Plavec

Die Fußballfans können aufatmen – und einen kräftigen Schluck nehmen. Bei der laufenden Klub-WM in Katar (Finale am 21. Dezember) wird in den Fanzonen nun doch Bier ausgeschenkt. Wein, Wodka, Whiskey und Gin gibt es ebenfalls.

Umgerechnet 6,20 Euro kostet ein Krügel Bier im Plastikbecher. Das ist noch immer günstiger, als das Bier, das in einigen ausgesuchten Hotels in Katar angeboten wird. In den Stadien des islamisch-konservativen Landes bleibt der Alkohol verboten. Trotzdem verspricht die FIFA eine „entspannte Party-Atmosphäre“.

Unerträglich heiß

Das Turnier ist ein weiterer Test für das ganz große Sport-Highlight im Emirat, die Fußball-WM 2022. Die Vorbereitungen laufen wie am Schnürchen, die Organisatoren sind voll im Zeitplan.

Die neue Metro in Doha ist teilweise bereits in Betrieb, acht spektakuläre Stadien werden für die WM errichtet. Drei Arenen sind bereits fertig, zweifellos werden die fünf anderen auch zeitgerecht eröffnet.

Geld spielt in Katar naturgemäß eine untergeordnete Rolle. So werden die meisten Stadien nach der WM wieder rückgebaut. Das modular aufgebaute Ras Abu Aboud Stadium für 40.000 Fans im Hafen von Doha soll danach sogar komplett abgebaut und verschifft werden.

Wegen der unerträglich hohen Temperaturen im Sommer wird die WM 2022 im Dezember ausgetragen. Statt 50 Grad Celsius wird es um die Mittagszeit nur zirka 25 Grad haben. Dennoch sind alle Stadien klimatisiert. Die kühle Luft wird durch mehr als 1.000 Düsen in die Stadien geblasen, wo sie über die Ränge zu Boden sinkt.

Längst hat Katar den Sport als Imagewerbung entdeckt und Milliarden in Großereignisse investiert. Schwimmer (2014), Handballer (2015), Radfahrer (2016), Turner (2018) und Leichtathleten (2019) haben ihre Weltmeisterschaften schon im Emirat ausgetragen. Die Fußball-WM wird der Höhepunkt der Imagepolitur sein, für die es sogar eine neue Wortkreation gibt: „Sportswashing.“

Dementsprechend wenig erfreut ist man in Katar über die Vorwürfe von Amnesty International. Das Land sei „ein Tummelplatz skrupelloser Arbeitgeber“, schrieb die Menschenrechtsorganisation. Zwei Millionen Gastarbeiter halten den Alltag im Land am Laufen. Ohne sie wäre das Leben für die nur 300.000 Einheimischen nicht möglich.

Doch immer wieder schockieren Meldungen über ausgebeutete, versklavte Arbeiter. Alleine 36.000 Männer aus 42 Nationen arbeiten auf den WM-Baustellen. Sie kommen vor allem aus Pakistan, Sri Lanka, Bangladesch und Indien.

Körperliche und sexuelle Gewalt

Männer übernehmen in Katar alle manuellen Arbeiten. Frauen arbeiten im Service und in den Haushalten. Dort sollen sie körperlicher und auch sexueller Gewalt machtlos ausgeliefert sein.

Die Veranstalter der WM sind sich der negativen Meldungen bewusst. Auf den Baustellen würden die höchstmöglichen Standards gelten, hieß es im Oktober bei einem Lokalaugenschein des KURIER. Und wenn sich Firmen nicht an die strengen Vorgaben halten, werden ihnen die Aufträge entzogen. 26-mal soll dies bisher schon geschehen sein.