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Politik Ausland
08/09/2021

Der Überflieger vor dem Absturz: Prozess gegen R. Kelly beginnt

Der R&B-Sänger kommt heute, Montag, unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und Kinderpornografie vor Gericht.

von Dirk Hautkapp

Mit der seifigen Ballade „I believe I can fly“ wurde Robert Sylvester Kelly 1996 zum Senkrechtstarter der Rhythm-and-Blues-Szene. 150 Millionen verkaufte Platten und 25 Jahre später droht dem als „R. Kelly“ weltweit bekannten Sänger der Total-Absturz.

Vor einem Gericht in New York muss sich der aus zerrütteten Verhältnissen in Chicago stammende 54-Jährige ab heute wegen Kinderpornografie, Entführung, Erpressung, Sex-Handel, Organisierter Kriminalität zum Zweck der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen und Behinderung der Justiz verantworten. Die Staatsanwaltschaft präsentiert den Geschworenen, die bis zu den Eröffnungsplädoyers am 18. August unter den Augen von Richterin Ann Donnelly akribisch ausgesucht werden, Kelly als Kopf einer kriminellen Vereinigung.

Kelly droht Lebenslang

Manager, Bodyguards und andere Angestellte sollen demnach dem Boss über Jahre junge Frauen und minderjährige Mädchen zugeführt haben, um dessen Gier nach Sex, Pornografie und Dominanz zu stillen. Vergleichbare Anklagen liegen auch in Chicago und Minnesota vor. Im Falle einer Verurteilung droht Kelly, der alle Vorwürfe abstreitet, Haft bis ans Lebensende. Ähnlichkeiten zu anderen Groß-Kalibern wie Harvey Weinstein oder Bill Cosby, die im Zeitalter der #MeToo-Bewegung für ihren verächtlichen Umgang mit Frauen im Gefängnis landeten, gibt es im Überfluss.

Der Unterschied: Kelly ist in der Schmuddel-Zone zwischen Star-Glamour und Missbrauchsverdacht sozusagen ein Veteran. Storys über pädophile Verdächtigungen und mutmaßliche Sexstraftaten gab es schon Mitte der 90er Jahre. Damals tauchte die Ehe-Urkunde mit der Musikerin Aaliyah auf. Kelly, seinerzeit 27, soll einen Standesbeamten bestochen haben, um das Alter der zukünftigen Braut in einem Dokument zu fälschen.

Die Sängerin, die im Jahr 2001 bei einem Flugzeugabsturz starb, war damals erst 15 Jahre alt. Dass Kelly vor der Ehe mit Aaliyah Sex hatte, haben seine Anwälte im Vorfeld des aktuellen Prozess bestätigt. Aber rechtskräftig verurteilt wurde Kelly über die Jahre nie. Mehrfach wurden Verfahren außergerichtlich durch Geldzahlungen „geregelt“. Auch ein Video, dass ihn laut Staatsanwaltschaft 2008 beim Sex mit einer 13-Jährigen zeigte, konnte ihm nichts anhaben.

Ähnlich wie bei Michael Jackson, dessen Hang zu kleinen Buben von vielen Fans ignoriert, abgestritten oder geduldet wurde, erlitt Kellys Karriere durch die Negativ-Schlagzeilen keinen irreparablen Schaden. Im Gegenteil: ausverkaufte Konzerte und Hits. Plattenfirma, Fangemeinde und Branchen-Kollegen wie Lady Gaga und Justin Bieber, die sich künstlerisch von dem Sänger-Komponisten-Arrangeur versorgen ließen (und später distanzierten), bildeten ein schützendes Bollwerk. Das ändert sich erst, als die Filmemacherin Dream Hampton für den US-Frauenkanal Lifetime Anfang 2019 die Dokumentation „Surviving R. Kelly“ auf den Sender brachte.

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