Politik | Ausland
22.04.2018

Der mühsame Weg zur Selbstbestimmung

Die USA erlebten in Vietnam ein militärisches, vor allem aber ein moralisches Debakel

Zweiter Weltkrieg Paris ist von Deutschland besetzt, das an Deutschlands Seite kämpfende Japan besetzt die französische Kolonie Vietnam.

1945 Nach dem Atombombenabwurf kapituliert Japan. Ho Chi Minh, der lange in Europa gelebt hatte, ruft die Demokratische Republik Vietnam aus. Damit wäre alles paletti gewesen, wenn nicht

1946Frankreich gefunden hätte, es wolle seine Kolonie zurück. Die Franzosen kehren zurück, können aber die Befreiungsbewegung Vietminh nicht final besiegen.

1954 Bei Dien Bien Phu schlägt der Vietminh die Franzosen militärisch. Doch bei der anschließenden Konferenz in Genf beschließen die Großmächte fatalerweise eine Teilung Vietnams entlang dem 17. Breitegrad. Der Norden wird unabhängig (und streng kommunistisch). Im Süden sollen die Franzosen abziehen, tun es aber nicht und werden sukzessive von den USA substituiert. Deren Kalte Krieger wollen „den Vormarsch des Weltkommunismus“ stoppen. Die USA übernehmen auch die Kolonial-Gefängnisse der Franzosen. In den berüchtigten „Tigerkäfigen“ auf der Insel Con Dao werden Menschen in Erdlöchern unter Gittern eingesperrt. Truong My Hoa, später Vize-Präsidentin von Vietnam, war dort eingekerkert. Der KURIER traf sie beim Besuch in dem Gefängnismuseum (Foto oben).

Bis 1974Die USA schlittern immer weiter in den Krieg. Der Vietcong – die kommunistischen Kämpfer, die über den Ho Chi Minh-Pfad durch Laos in Südvietnam einsickern und Anschläge verüben – ist für die US-Soldaten nicht greifbar. So bombardieren und ermorden die Amerikaner wahllos Zivilisten. Bilder von Kindern, die aus brennenden Dörfern fliehen, sind der moralische Untergang der USA.

1975 Saigon fällt, die Amerikaner flüchten.