© dpa/Peter Kneffel

Analyse
02/21/2021

Merkel und Söder in der Pandemie - zwei in einem Boot

Früher konnte sich Bayerns Ministerpräsident nicht deutlich genug von der Kanzlerin abgrenzen, nun ist er ihr Fan und auf ihrem Kurs. Einen, den sie zunehmend verteidigen müssen.

von Sandra Lumetsberger

„Wer Merkel-Politik will, muss Söder wählen“ – nein, das ist noch kein Spruch für den Wahlkampf in diesem Herbst. Aber so ähnlich hat es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder formuliert. „Wer im Herbst auf Merkel-Stimmen hoffe, müsse wissen, dass es Merkel-Stimmen nur mit Merkel-Politik gebe“, sagte der gelernte Fernsehjournalist am digitalen Politischen Aschermittwoch in einem nachgebauten Wohnzimmer bei Brettljause und Brezeln in die Kamera. Also an jenem Tag, wo politischen Gegnern verbal eingeschenkt wird.

In diesem Fall galt Söders Botschaft dem Chef der Schwesterpartei CDU, Armin Laschet. Er will im September als Spitzenkandidat Angela Merkel beerben, schlägt in der Corona-Bekämpfung oft Haken. Zuletzt wetterte er, dass die Politik „nicht immer neue Grenzwerte erfinden“ dürfe. Dabei bezog er sich auf Beschlüsse zwischen Kanzlerin und Länderchefs, die er selbst mittrug. Doch CDU/CSU haben in Umfragen zuletzt an Zustimmung verloren und Laschet, eigentlich Merkelianer, grenzt sich nun von ihrem Kurs ab - könnte ja gut ankommen bei Pandemiemüden und jenen, die bald in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wählen.

Vom Gegenspieler zum Mitstreiter

Ein bisschen verkehrte Welt? Ja, ausgerechnet Söder und Merkel bilden mittlerweile ein Tandem. Für die Kanzlerin, die er 2018 nicht mal zum Wahlkampffinale in München einladen wollte, findet er heute nur mehr warme Worte („Sie ist diejenige, die uns Mut macht“). Beide fahren in der Pandemie auf Sicht, sind gegen vorschnelle Lockerungen. Und erreichten Spitzenwerte in puncto Popularität. Nun ist die Kanzlerin zwar weiter die beliebteste Politikerin, die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Regierung wächst unterdessen. Auch in Bayern steigt der Druck auf Söder, der wiederum die Strategie verteidigt.

Sein Bundesland war gerade zu Beginn der Pandemie stark betroffen, daher setzt er auf strenge Maßnahmen. Mal gibt er den umsichtigen, dann breitbeinig auftretenden Landesvater, der Grenzkontrollen einforderte („Ein zweites Ischgl wollen wir nicht noch einmal erleben) – zum Ärger der Tiroler. Dass ihm das manche als Profilierungsversuch auslegen, werden ihm doch Ambitionen als Kanzlerkandidat nachgesagt, ist etwas zu einfach, aber mit Blick auf die letzten Jahre schwer zu entkräften.

„A Hund is a scho“

„A Hund is a scho“, sagt man in Bayern über den Mittelfranken. Und das ist keineswegs eine Beleidigung. Söder hat einen Wandel vollzogen, der einen staunen lässt. Als Rivale von Horst Seehofer ließ er nichts unversucht, diesen vom Thron in der Staatskanzlei zu stoßen. Schreckte angeblich nicht vor „Schmutzeleien“ zurück, die ihm Seehofer unterstellte - jemand hatte der Bild-Zeitung von seiner unehelichen Tochter erzählt.

Merkel-Bashing zog nicht

Als Seehofer im Machtkampf nachgab, musste sich der Nachfolger in spe bei der Landtagswahl noch beweisen. Die Strategie: Söder mischte mit CSU-Mannen Berlin auf. Sie brachen mit der Kanzlerin einen Streit um die Flüchtlingspolitik vom Zaun, sprengten fast die Regierung und holten Sebastian Kurz als Wahlhelfer, um etwas von der Sonne abzubekommen. Doch der Plan ging schief: Die Umfragewerte sanken, die Grünen holten auf. Kritik kam aus der Kirche und von Wählern.  Noch während der Fahrt zog Söder die Bremse und kam am Wahlabend  mit einem Minus von zehn Prozentpunkten zum Stehen.

Aus dem Haudrauf wurde ein Landesvater, der die Losung ausgab, seine Partei grüner, jünger und weiblicher zu machen. Die Pläne des neuen Söder – mehr Klima- und Bienenschutz – wurden jäh von Corona gebremst. Was ihm nicht schadete. Er erhielt in der Krise nordkoreanisch anmutende Zustimmungswerte, die seit Kurzem etwas getrübt sind. In Umfragen zur Kanzlerkandidatur in der Union liegt er weiter vorne, obwohl er offiziell nicht antritt. Auf Nachfragen reagiert er kokett, hält sich so im Gespräch und gewinnt politisch an Gewicht.

Sein Satz über die Merkel-Stimmen, die man nur mit ihrem Kurs bekomme, lässt sich in zwei Richtungen lesen: Als Warnung an einen Kanzlerkandidaten Laschet und die Parteifreunde von CDU/CSU, das Ding nicht mit Abgrenzung und Lockerungspopulismus zu vermasseln, sonst regieren vielleicht andere. Oder als Angebot, mit dieser Strategie selber bereitzustehen, sollte ihn jemand fragen.

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