Serbia launches vaccination with Chinese COVID-19 vaccine

┬ę REUTERS / MARKO DJURICA

Politik Ausland
02/10/2021

Wie es Serbien schafft, schneller als die EU zu impfen

Das Land am Balkan impft deutlich rascher als EU-Staaten. Belgrads umstrittene Freunde China und Russland dienen dabei als Motor.

Serbien ist nicht in der Europ├Ąischen Union und kommt bei den Corona-Impfungen deutlich schneller voran als die EU-L├Ąnder. Das Nicht-EU-Land Gro├čbritannien ist das einzige Land in Europa, in dem der Anteil der Geimpften derzeit h├Âher liegt als in Serbien. (Allerdings nur, was die erste der beiden Teilimpfungen betrifft.)

Zum Rezept der Regierung in Belgrad geh├Ârt, dass sie sich auch aus China und Russland mit Corona-Impfdosen beliefern l├Ąsst.

Alte und Junge

In der gro├čen Messehalle in Belgrad haben dutzende Krankenschwestern in Schutzanz├╝gen schon zahlreiche Corona-Impfspritzen alten ebenso wie jungen Menschen injiziert. Seit dem 24. Dezember wurden landesweit bereits mehr als 544.000 Impfdosen verabreicht. Bis Sonntag wurde ein Anteil von 8,0 Impfdosen pro 100 Einwohner erreicht. In ├ľsterreich betrug diese Quote hingegen nur 3,14 Prozent, wie die wissenschaftliche Website "Our World in Data" auflistet.

W├Ąhrend die EU mit westlichen Firmen wie AstraZeneca wegen verz├Âgerter Vakzin-Lieferungen streitet, stehen f├╝r die Menschen in Serbien auch Impfdosen aus anderen Weltregionen bereit. Wer einen Impftermin vereinbart, kann derzeit zwischen dem Mittel von Biontech/Pfizer, dem russischen Vakzin Sputnik V und dem Impfstoff des chinesischen Herstellers Sinopharm w├Ąhlen.

"Ob sie aus China, den USA oder der EU kommen ist uns egal", sagte Premierministerin Ana Brnabic der BBC: "So lange sie sicher sind und wir sie so schnell wie m├Âglich kriegen."

Die Impfdosen aus der Volksrepublik China machen den L├Âwenanteil aus, nachdem Serbien Mitte J├Ąnner eine Million Dosen von Sinopharm erhalten hatte.

Freundschaften als Motor

Der populistische serbische Pr├Ąsident Aleksandar Vucic f├╝hrt die Erfolge beim Impfen auf seine kluge Diplomatie und politische Freundschaften zur├╝ck und inszeniert sich als Held in der Corona-Krise. "Ich habe Xi Jinping im Oktober geschrieben und der Preis wurde drastisch reduziert", sagte Vucic ├Ârtlichen Medien ├╝ber seine Verhandlungen mit dem chinesischen Staatschef ├╝ber die Sinopharm-Lieferungen.

"Wenn Sie den Preis erfahren, werden Sie eines Tages ein Denkmal zu meinen Ehren errichten", f├╝gte Serbiens Staatschef unbescheiden hinzu.

├ťberraschend schnell

In der Belgrader Messehalle dauert es bis zur Impfung oft nur 15 Minuten. Nach einem kurzen Gesundheits-Check-up folgen die Impflinge roten Pfeilen auf dem Boden zum Registrierungsbereich und von dort in die Impfkabinen.

In dem f├╝r seine zerm├╝rbende B├╝rokratie bekannten Serbien waren die z├╝gigen Impfungen f├╝r manchen eine ├ťberraschung. "Alle wussten genau, was sie taten, es gab genug Personal und alle waren nett", sagt die 38-j├Ąhrige Snezana Krivokapic nach Erhalt ihrer Spritze.

Neben den eine Million Impfdosen aus China hat Serbien 40.000 Dosen Sputnik V und 30.000 Dosen des deutschen Unternehmens Biontech erhalten. Vucic k├╝ndigte k├╝rzlich an, vor M├Ąrz bekomme Serbien eine Million weitere Impfdosen von "Freunden".

Vucic, Putin und Xi

"Vucic, Putin und Xi retten Serbien", fasste es eine regierungsfreundliche Boulevard-Zeitung mit Blick auf die Staatschefs von Serbien, Russland und China zusammen. Dieser Sichtweise folgen viele, nachdem Vorw├╝rfe gegen die EU laut geworden sind, sie lasse die Westbalkanl├Ąnder im Ringen um Corona-Impfungen im Stich. Abgesehen von Albanien ist Serbien das einzige Land der Region, das schon mit der Immunisierung begonnen hat.

Schon zu Beginn der Pandemie hatte China geholfen, als das Balkanland dringend Masken und andere Schutzausr├╝stung brauchte. Mehr als die EU lieferte China nicht. Aber schneller und medienwirksamer. "Danke, Bruder Xi", stand danach auf riesigen Plakaten in Serbien. Vucics Kuss f├╝r die chinesische Flagge im M├Ąrz ging als Symbol f├╝r die Entwicklungen um die Welt.

Die Beziehungen der beiden L├Ąnder sind in den vergangenen Jahren ohnehin immer enger geworden. F├╝r Peking ist das Balkanland ein interessanter Partner, um seinen wirtschaftlichen Einfluss in Europa zu vergr├Â├čern. Auch andere Staaten der Region boten der Wirtschaftsmacht ein Einfallstor nach Europa.

Innerhalb der EU ist Ungarn das einzige Land, das auch Corona-Impfstoffe aus China und Russland zugelassen hat. Von dem Sinopharm-Vakzin orderte das Land nach eigenen Angaben f├╝nf Millionen Dosen. Regierungschef Viktor Orb├ín lobte k├╝rzlich Serbiens "inspirierendes Beispiel" bei der Impfstoff-Beschaffung. Das Nachbarland sei ein "Labor" um zu testen, wie es mit dem Sinopharm-Vakzin l├Ąuft.

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