Totelae Überwachung durch Kameras, die immer mehr "sehen" in Xinjiang

© APA/AFP/GREG BAKER

Politik Ausland
05/27/2021

Chinas Menschenbild über Uiguren: "Laborratten Künstlicher Intelligenz"

China testet an der muslimischen Minderheit der Uiguren offenbar Gesichtserkennung, die auch Emotionen misst und beurteilt.

von Susanne Bobek

China hat das schärfste Überwachungssystem der Welt. Sogar die sozialen Kontakte seiner Bürger speichert das Regime in Peking, und wer nicht den hohen Anforderungen genügt, darf sich nicht einmal mehr eine Bahnkarte kaufen. Ohne Handy mit staatlicher App darf kein Bürger aus dem Haus gehen.

In Xinjiang, der 12-Millionen-Einwohner Provinz der Uiguren, einer unterdrückten, meist muslimischen Minderheit, wurde offenbar ein Kamerasystem getestet, das KI (Künstliche Intelligenz) und Gesichtserkennung verwendet, um die Gefühlszustände der Bewohner zu entschlüsseln.

Softwareentwickler packt aus

Peking hat immer argumentiert, dass eine Überwachung der Region notwendig ist, weil Separatisten einen eigenen Staat gründen wollen und deshalb auch Hunderte Menschen bei Terroranschlägen getötet haben. Doch für Softwareentwickler scheint sich hier das Land der unbegrenzten, menschenverachtenden Möglichkeiten aufzutun. Die BBC hat einen dieser Ingenieure ausfindig gemacht. Er lieferte erstaunliche Hinweise, allerdings nur unter der Bedingung, dass er und seine Firma anonym bleiben.

Verschiedene Experimente

Zunächst wurde das "Emotionserkennungssystem" an Häftlingen getestet und in Polizeistationen installiert. "Die chinesische Regierung verwendet Uiguren als Testpersonen für verschiedene Experimente, genau wie Ratten in Laboratorien verwendet werden", sagte er. Er habe die Kameras in drei Meter Entfernung platziert. Sie hat die Funktion eines Lügendetektors, "ist jedoch weitaus fortschrittlicher".

Der Mann lieferte offenbar Beweise, wie das KI-System selbst kleinste Veränderungen von Gesichtsausdrücken und Hautporen erkennen und analysieren kann. Er behauptete, die Software sei für ein "Vorurteil ohne glaubwürdige Beweise" gedacht. Daten aus dem System geben den Geisteszustand einer Person an, wobei Rot auf einen negativen oder ängstlichen Geisteszustand hinweist.

BBC zeigte die Beweise Sophie Richardson, China-Direktorin von Human Rights Watch. Sie sagte: "Es ist schockierendes Material. Es ist nicht nur so, dass Menschen auf ein Tortendiagramm reduziert werden, es sind Menschen, die unter enormem Druck stehen, verständlicherweise nervös sind und dies als Hinweis auf Schuld angesehen wird."

QR-Codes vor Türen

Laut Darren Byler von der University of Colorado müssen Uiguren routinemäßig DNA-Proben an lokale Beamte liefern, sich digitalen Scans unterziehen, ihre staatliche Handy-App zeichnet Gespräche auf und sammelt natürlich auch Adressen und Textnachrichten.

Wer in China ohne Handy auf die Straße geht, kann sofort verhaftet werden. Die meisten Daten werden in ein Computersystem namens "Integrated Joint Operations Platform" eingespeist, das laut Human Rights Watch mutmaßlich verdächtiges Verhalten anzeigt.

"Die Behörden platzieren jetzt QR-Codes vor den Türen der Wohnhäuser, damit sie leicht erkennen können, wer dort sein soll und wer nicht", sagt Sophie Richardson. Die chinesische Botschaft in London sagte der BBC, sie habe keine Kenntnis von den Programmen.

In den USA behauptet die Forschungsgruppe IPVM um Conor Healy, dass sie in Patenten von kleinen Softwareunternehmen Hinweise darauf gefunden hat, dass Gesichtserkennungsprodukte speziell zur Identifizierung uigurischer Personen entwickelt wurden. Das ließe sich dann vermutlich leicht auf Erkennungsprogramme für Aktivisten in Hongkong ummodeln.

Huawei im Hintergrund

Von jeder Person werden Profile erstellt. Künstliche Intelligenz schaut damit in die Zukunft und berechnet, wie sich eine Person verhalten wird und welche Art von Bedrohung sie darstellt. Im Hintergrund all dieser Entwicklungen vermuten die Amerikaner Huawei. In dem Konzern liefen alle Fäden zusammen.

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