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Politik Ausland
03/03/2021

Uiguren-Zwangsarbeit von chinesischen Forschern gelobt

Deutscher Forscher entdeckte im Internet ein Geheimpapier zur Ausbeutung und Assimilierung der muslimischen Minderheit in China.

von Ulrike Botzenhart

Der deursche Ethnologe und China-Experte Adrian Zenz stöbert seit Jahren immer wieder Belege fĂŒr den "kulturellen Genozid" auf, den er China an Uiguren vorwirft. Die muslimische Minderheit in der Provinz Xinjiang wird eingesperrt, umerzogen und zu Zwangsarbeit eingesetzt. Ihre Kinder werden ihnen weggenommen, Frauen zwangssterilisiert. 

Im Internet finden sich mitunter indirekte Belege, wie Verwaltungsdokumente fĂŒr Hunderttausende Kinder, die in staatlicher Obhut landeten. Zenz hat aber zum Beispiel auch als Erster die Bauausschreibungen fĂŒr die Umerziehungslager fĂŒr Uiguren aufgespĂŒrt - und Budgetsteigerung fĂŒr neue Haftanstalten der Regierung von teilweise fast 1.000 Prozent.

Zuletzt wurde Zenz ein interessanter Link direkt zugespielt. Er offenbarte einen Bericht der chinesischen Nankai-UniversitĂ€t ĂŒber Zwangsarbeitsmodelle, bei denen Hunderttausende internierte Uiguren in Betrieben oder als BaumwollpflĂŒcker in Xinjiang schuften. Viele davon seien in KĂŒstenprovinzen verfrachtet worden, wo sie in Fabriken zu Niedrigstlöhnen arbeiteten.

Sie wohnen, essen und arbeiten beispielsweise in einer Schuhfabrik in Dongguan in SĂŒdchina - strikt getrennt von "normalen" Arbeitern und stets unter Kontrolle von Wachpersonal oder Überwachungskameras.

Zenz speicherte das Dokument, das irrtĂŒmlich – und nur kurz – im Internet frei zugĂ€nglich war, und stellte den "Nankai-Report" internationalen Medien (BBC, SĂŒddeutsche Zeitung und die kanadische Tageszeitung The Globe und Mail) zur Auswertung zur VerfĂŒgung. Am Mittwoch erschienen ihre Berichte dazu.

Billige ArbeitskrÀfte

Im „Nankai-Report“, den Zenz „fast eine Gebrauchsanweisung fĂŒr Zwangsarbeit“ nennt, skizzierten die Forscher demnach nĂŒchtern, dass die Behörden mit der Zwangsarbeit gleich drei Vorgaben aus Peking erfĂŒllen, schreibt die SĂŒddeutsche Zeitung: „Erstens, billige ArbeitskrĂ€fte fĂŒr die wirtschaftsstarken Regionen im SĂŒden und Osten Chinas. Zweitens, Ruhe in Xinjiang. Und: Die Umsetzung eines der Lieblingsprojekte von Staats- und Parteichef Xi Jinping, der versprochen hatte, dass bis Ende 2020 niemand mehr arm sein werde in China.“

Ein Uigure muss nach Pekings Definition nur wenig mehr als umgerechnet 1,90 Euro pro Tag zur VerfĂŒgung haben, um nicht mehr als arm zu gelten. Die Forscher empfahlen jĂ€hrliche Uiguren-Quoten, „um den ArbeitskrĂ€ftemangel zu verringern und die Arbeitskosten zu senken“.

Dank der billigen uigurischen Zwangsarbeiter sind Fabriken in KĂŒstenregionen, die einst als Werkbank der Welt galten, wieder im Rennen um internationale AuftrĂ€ge. Zudem, erklĂ€ren die Wissenschafter der Uni, verringere sich die „hohe Dichte an ethnischen Uiguren“ in Xinjiang. Und: „Ihr Denken, ihre Werte und ihre Sicht aufs Leben können geĂ€ndert werden“.

"Zeichen der Verzweiflung"

"Diese Aussagen und die Feststellung, dass die Maßnahmen ,effektiv‘ seien, haben mich schockiert“, sagt Zenz gegenĂŒber dem KURIER. Dass er von chinesischer Seite fĂŒr seine Arbeit als „deutscher Rechtsextremer“ oder „SchlĂŒsselfigur eines vom US-Geheimdienst gegrĂŒndeten Anti-China-Instituts“ bezeichnet wird, seien Verleumdungen. "Peking versucht, meine wissenschaftliche Forschung als politisch motiviert darzustellen, oder mich als schlechte Person zu diffamieren. Das liegt daran, das die KP meine Erkenntnisse nicht widerlegen kann, da sie ja fast ausschließlich auf den eigenen Dokumenten der Regierung basieren", sagt Zenz. "Eigentlich ist das ein Zeichen ihrer Verzweiflung."

Zenz lebt in den USA und arbeitet seit Herbt 2019 als Forscher fĂŒr die "Victims of Communism Memorial Foundation". Die Stifung in Washington wurde 1993 gegrĂŒnde. Sie soll an die Verbrechen der kommunistischen Herrschaft erinnern und aktuelle Menschenrechtsvergehen aufdecken bzw. dokumentieren, erklĂ€rt Zenz. Sie sei ĂŒberparteilich, "sonst wĂŒrde ich nicht fĂŒr sie arbeiten".

"Persönliche Sicht"

Aber wie reagierte die chinesische Regierung auf den dank Zenz publik gewordenen „Nankai-Report“? Verhalten. „Wir haben ihn zur Kenntnis genommen“, heißt es in einer schriflichen Stellungnahme des Außenministeriums. „Er spiegelt nur die persönliche Sicht des Autors wider.“ Viele der Inhalte und Aussagen stimmten nicht mit den Fakten ĂŒberein.

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