Boris Johnson in Siegerlaune

© REUTERS/POOL

Politik Ausland
01/01/2021

Brexit: „Liebe Roastbeef-Bande, wir lieben euch“

Der Brexit ist vollzogen, aber die Auswirkungen im Warenverkehr wird man erst ab Montag sehen. Die Fracht ist teuer.

von Susanne Bobek

„Alles, was wir an diesen lustigen Nachbarn lieben, wird auch nach diesem dunklen 31. Dezember weiter bestehen. Also ja, liebe Roastbeef-Bande, wir lieben euch. Wir trauern um euch und um Europa. Und wir sagen euch ,bye bye’ in der heimlichen Hoffnung, dass dieses historische ,the end’ vielleicht nicht das letzte Wort ist.“

Dieses eindrückliche Adieu schickte die französische Zeitung Libération über den Ärmelkanal.

Die Briten sind raus, haben ihren Brexit geschafft, und doch weiß niemand in diesem seltsamen Durcheinander der Gefühle, wie es wirklich weitergehen wird.

Neuer Anfang

Premier Boris Johnson hat sein Ziel erreicht und fand wie so oft pathetische Worte: „Es beginnt ein neuer Anfang in der Geschichte unseres Landes und eine neue Beziehung mit der EU als deren engster Verbündeter. Endlich ist dieser Moment gekommen, und jetzt ist die Zeit, ihn zu nutzen.“

Auch Labour-Oppositionsführer Keir Stamer glaubt, „dass dieses wieder das beste Land zum Aufwachsen und das beste Land zum Altwerden sein kann“. Die nächsten regulären Wahlen finden im Jahr 2024 statt.

Königin Elizabeth II. als britisches Staatsoberhaupt setzte das Ratifizierungsgesetz in der Nacht zum Donnerstag in Kraft.

Mit dem Handelsabkommen, das am Heiligen Abend ausgehandelt war, wird ein harter wirtschaftlicher Bruch vermieden, wenn Großbritannien aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion austritt. Die EU selbst hatte das Land bereits Ende Jänner 2020 verlassen.

Das knapp 1250 Seiten starke Handels- und Partnerschaftsabkommen regelt die wirtschaftlichen Beziehungen nach der Brexit-Übergangsphase vom 1. Januar 2021 an. Damit werden Zölle vermieden und Reibungsverluste im Handel möglichst gering gehalten. Zugleich werden viele andere Themen geregelt, darunter Fischfang und Zusammenarbeit bei Energie, Transport, Justiz, Polizei.

Dennoch gibt es große Änderungen. So werden an den Grenzen künftig Kontrollen nötig, weil Standards überprüft werden müssen, unter anderem bei Agrarprodukten. „Damit verbunden sind Zollanmeldungen für Export und Import, administrativer Aufwand für die Zollverwaltung, Stehzeiten für Transportmittel sowie Kosten für die Erstellung der Warenbegleitpapiere“, sagte Mariana Kühnel, die stv. Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich.

Für Bürger ist die Möglichkeit des einfachen Umzugs vorbei. Auch die Visafreiheit bei Reisen ist künftig zeitlich begrenzt.

Das Erasmusprogramm für Studierende wurde von Großbritannien gecancelt.

Wenige Container, teure Fracht

Weil jetzt ein langes Wochenende bevorsteht, wird man die Auswirkungen im Warenverkehr an den Grenzen erst ab Montag, 4. Jänner, beobachten können. Übers lange Wochenende sind fast keine Lastwagen unterwegs, und da vielen Frächtern noch der Schock von zu Weihnachten in den Knochen sitzt, als sich die Lkw-Kolonnen in und um Dover stauten, sind Fuhren nach Großbritannien derzeit schwer zu bekommen. Denn auf dem Weltmarkt sind derzeit auch coronabedingt Container Mangelware, so viele wie noch nie blieben nämlich in den USA hängen. Die Frachtpreise sind deshalb exorbitant gestiegen. Wer nicht muss, fährt also lieber derzeit nicht Richtung Großbritannien.

In der EU war die Silvesterstimmung vielen verdorben. Denn der Schock des Brexits sitzt tief. Das Europaparlament konnte den Vertrag noch nicht ratifizieren.

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