"Nichts Falsches getan": Bill Clinton weist Vorwürfe bei Epstein-Anhörung zurück

Er habe während seiner begrenzten Kontakte "keinerlei Anzeichen" für das tatsächliche Geschehen wahrgenommen, so Bill Clinton.
FILE PHOTO: 2025 Clinton Global Initiative (CGI) in New York

Zusammenfassung

  • Bill Clinton bestreitet vor dem Kontrollausschuss jegliche Kenntnis von Straftaten Jeffrey Epsteins und betont, seine Kontakte seien begrenzt gewesen.
  • Die Anhörung von Clinton ist ein seltener Vorgang; Republikaner und Demokraten streiten über die politische Motivation und fordern auch andere Befragungen, etwa von Donald Trump.
  • Fotos, Spenden und Reisen belegen Kontakte zwischen Clinton und Epstein, doch bisher gibt es keine Beweise für Fehlverhalten der Clintons.

Ex-US-Präsident Bill Clinton hat zu Beginn seiner Befragung vor dem Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses jede Kenntnis von Straftaten des 2019 gestorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zurückgewiesen. In einer in sozialen Medien verbreiteten Erklärung schrieb der 79-Jährige, er habe "nichts gesehen und nichts Falsches getan". Seine Bekanntschaft mit Epstein sei nur kurz gewesen und habe geendet, Jahre bevor dessen Verbrechen ans Licht gekommen seien.

Er habe während seiner begrenzten Kontakte "keinerlei Anzeichen" für das tatsächliche Geschehen wahrgenommen. "Sie werden mich oft sagen hören, dass ich mich nicht erinnere", erklärte Clinton. Das möge unbefriedigend wirken, doch er werde unter Eid nichts sagen, dessen er sich nicht sicher sei.

Spekulationen oder Mutmaßungen lehne er ab - er werde "nicht 24 Jahre später Detektiv spielen". Wäre ihm auch nur ein Verdacht gekommen, hätte er Epstein nach eigenen Angaben gemeldet. Zugleich verteidigte er seine Frau Hillary Clinton. Sie habe "nichts mit Jeffrey Epstein zu tun" gehabt, sei nie mit ihm gereist und habe keine seiner Immobilien besucht.

Befragung von Ex-Präsident äußerst seltener Vorgang

Die nicht öffentliche Anhörung findet in Chappaqua im US-Staat New York statt, wo die Clintons leben. Es ist ein äußerst seltener Vorgang: Erstmals seit Jahrzehnten sagt ein früherer US-Präsident vor einem Kongressausschuss aus. Der republikanische Vorsitzende des Kontrollausschusses, James Comer, hatte vor Beginn erklärt, man werde Clinton zu Fotos, E-Mails und Reisebewegungen im Zusammenhang mit Epstein befragen. Bekannt sei unter anderem, dass Epstein während Clintons Präsidentschaft 17 Mal im Weißen Haus war und der Ex-Präsident mindestens 27 Mal mit Epsteins Flugzeug reiste.

Nach Angaben der Republikaner hatte Hillary Clinton bei ihrer rund sechsstündigen Befragung am Vortag bei mindestens einem Dutzend Fragen auf ihren Mann verwiesen. Dabei sei es um Fotos und Korrespondenzen gegangen, die einen engen Kontakt zwischen Bill Clinton und Epstein nahelegten. Auch Fragen zu Epsteins angeblicher Rolle im Umfeld der Clinton Foundation - einer von den Clintons gegründeten gemeinnützigen Stiftung - sowie der "Clinton Global Initiative" seien offen geblieben. Nach der Befragung betonte sie aber, sie sei sich sicher, dass ihr Mann nichts über Epsteins Verbrechen wisse.

Republikaner werfen Hillary Clinton merkwürdiges Verhalten vor

Republikanische Ausschussmitglieder warfen Hillary Clinton zudem vor, bei Fragen zu bestimmten Fotos "geschrien" zu haben. Eine Abgeordnete bezeichnete ihr Auftreten als "unhinged" (etwa: außer Kontrolle oder hysterisch) und äußerte die Hoffnung, Bill Clinton werde bei seiner Befragung "weniger unhinged" reagieren. Belege für diese Darstellung wurden nicht vorgelegt - die Republikaner kündigten an, die Videoaufzeichnungen der Anhörungen "so schnell wie möglich" vollständig zu veröffentlichen.

Demokraten werfen Comer ein politisch motiviertes Vorgehen vor und fordern, stärker mögliche Verbindungen anderer Akteure - darunter Handelsminister Howard Lutnick oder US-Präsident Donald Trump - in den Fokus zu rücken. Comer betonte, derzeit werde den Clintons kein Fehlverhalten vorgeworfen.

Ziel der Untersuchung sei es, zu klären, wie Epstein zu Einfluss und Reichtum gelangte und welche Netzwerke ihn möglicherweise schützten. Hillary Clinton sei auch ausführlich zu möglichen Kontakten von Lutnick zu Epstein befragt worden, so Comer. Ihre Antworten darauf werde die Öffentlichkeit "interessant" finden.

Was über die Verbindung Bill Clintons zu Epstein bekannt ist

Bill Clintons Name wird in den USA schon länger mit Epstein in Verbindung gebracht. Laut einer BBC-Recherche gibt es bereits Fotos von Clinton und Epstein aus den frühen 1990er-Jahren. Öffentliche Aufzeichnungen sollen demnach beispielsweise zeigen, dass Epstein im Jahr 1992 für Clintons damaligen Präsidentschaftswahlkampf spendete.

Damals war von Epsteins Verbrechen noch nichts öffentlich bekannt. Der Finanzier hatte beste Kontakte zur High Society. Der Kontakt zwischen Clinton und Epstein hielt zumindest in den früheren 2000er-Jahren an. In den bisher veröffentlichten Epstein-Akten taucht Clinton mehrmals auf: Auf einem Bild ist der Demokrat etwa beim Schwimmen in einem Pool mit Epsteins Gehilfin Ghislaine Maxwell zu sehen. Auf anderen Fotos sieht man ihn ohne Bezug zu den beiden.

Trump: Gefällt mir nicht, Clinton aussagen zu sehen

US-Präsident Donald Trump drückte unterdessen sein Bedauern über die Epstein-Befragung von Ex-US-Präsident Clinton vor dem Ausschuss des US-Parlaments aus. "Ich mag ihn und es gefällt mir nicht, ihn unter Eid aussagen zu sehen", sagte Trump vor Journalisten in Washington. Gleichzeitig behauptete er, dass er selbst deutlich stärker unter Druck gesetzt worden sei.

Während einer Pause der Befragung Clintons forderten Demokraten eine Aussage von Trump. Clinton beantworte "jede einzelne Frage" ausführlich, nehme nicht das Aussageverweigerungsrecht in Anspruch und fühle sich dabei recht wohl, sagte der demokratische Abgeordnete Suhas Subramanian. Nun müsse auch Trump unter Eid vor dem Ausschuss erscheinen, statt nur Stellungnahmen in sozialen Medien zu verbreiten.

Die Demokraten warfen dem Weißen Haus eine "anhaltende Vertuschung" vor. Trump wiederhole fortlaufend die "Lüge", er sei entlastet worden. Den demokratischen Abgeordneten zufolge hält das Justizministerium Unterlagen illegal zurück und hat sogar Fotos und Videos - unter anderem von Handelsminister Howard Lutnick - gelöscht. Belege legten sie zunächst nicht vor.

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