Stand by your man: Hillary Clinton und Bills Fehltritte
„Ich sitze hier, weil ich ihn liebe, ihn respektiere“, sagt Hillary Clinton, sie lächelt Bill zu. „Ich achte das, was er durchgemacht hat und was wir gemeinsam durchgemacht haben.“
Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1992, Clinton war damals hauptberuflich seine Frau, ihr Mann auf dem besten Weg, der nächste US-Präsident zu werden. Seit Wochen prasselten damals Vorwürfe auf ihn ein, deshalb saßen sie bei 60 Minutes: Clinton habe in seiner Zeit als Gouverneur von Arkansas Affären am laufenden Band gehabt, der Boulevard war voll davon. Hillary wie Bill wischten das weg: Alles erstunken und erlogen, die Frauen seien von der Presse bezahlt, sagten sie immer wieder.
Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Hillary Clinton ihren Mann verteidigt. Am Donnerstag stellte sie sich der Befragung von Kongressabgeordneten, diesmal hieß der Grund Jeffrey Epstein. Der Ex-Präsident selbst wurde am Freitag zu Hause in Chappaqua bei New York befragt, ebenso wie Hillary unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Irritierende Bilder
Seit der Öffnung der Epstein-Akten vor ein paar Wochen war der Druck auf das Ehepaar immer größer geworden, Stellung zu ihrer Beziehung zu dem Milliardär und Ghislaine Maxwell zu nehmen. Die Fotos in den Archiven sind irritierend: Sie zeigen den Ex-Präsidenten nächtens mit Maxwell im Pool, mit Frauen im Arm, grinsend im Whirlpool.
Hillary betonte in der Causa stets, Epstein nie persönlich getroffen zu haben, Bill verteidigte sich damit, über dessen Machenschaften nichts gewusst zu haben. Er habe lediglich dessen Jet genutzt. Was die beiden im Zeugenstand aussagten, wird der Kongress erst in einiger Zeit veröffentlichen.
Allein, das Verteidigungsmuster des Ehepaars ist seltsam bekannt. Die beiden haben schließlich Erfahrung im Umgang mit Vorwürfen sexueller Natur. Nach Clintons Amtsantritt 1993 wurden gegen ihn Vergewaltigungsvorwürfe einer Kampagnenhelferin laut, später klagte eine Angestellte, weil Clinton sie als Gouverneur zum Oralsex gezwungen haben soll. In diesem Rechtsstreit fiel auch eine der berühmtesten Aussagen des damaligen Präsidenten. Gefragt nach seiner Mitarbeiterin Monica Lewinksy schwor er unter Eid, „nie eine sexuelle Beziehung mit dieser Frau“ gehabt zu haben. Diese Lüge sollte ihm ein Amtsenthebungsverfahren einbringen.
Hillary, damals schon am Weg zur New Yorker Senatorin, stand in jedem Fall felsenfest an Bills Seite. Und nicht nur das; sie griff in seinem Namen immer die Klägerinnen an. Lewinsky, zum Zeitpunkt des Skandals erst 22 Jahre alt, nannte sie eine „narzisstische Spinnerin“, eine andere Klägerin „Trailerpark-Abschaum“. Auch juristisch setzte das Paar immer alles daran, die Opfer zu diskreditieren. Schon in der ersten Causa 1992 heuerten sie einen Privatdetektiv an, um „Charakter und Glaubwürdigkeit“ der Frau zu diskreditieren, wie der Ermittler später eingestand.
Ist das frauenfeindlich?
Für die feministische Szene, für die Hillary Clinton sich im Laufe ihrer Karriere immer stark gemacht hatte, war das Verrat. Dass sie Frauen abqualifizierte, wurde ihr im besten Fall als Machtstreben, im schlechtesten als Misogynie ausgelegt. Vorgehalten wurde ihr auch, dass sie einmal gesagt hatte, sie sei „nicht die kleine Frau wie Tammy Wynette, die an der Seite ihres Mannes stehe“ – eine Anspielung auf den Country-Klassiker „Stand by your man“ und dessen Sängerin. Verhalten würde sie sich nämlich genau so.
Auch Donald Trump versuchte das zu nutzen, als er 2016 gegen sie ins Rennen ging. Er brachte vier Frauen auf die Bühne, die Bill Clinton sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen hatten – ein Tiefschlag von jemandem, der den Satz „Grab ’em by the pussy“ für angemessen hält.
Tatsächlich lesen sich viele Aussagen Clintons heute befremdlich. Sie verteidigte ihre Aussagen dennoch lange, erst nach der MeToo-Debatte änderte sie ihre Rhetorik. „Jede Überlebende von sexueller Gewalt hat es verdient, gehört, geglaubt und unterstützt zu werden“, sagte sie da. Auch den Epstein-Opfern sprach jetzt sie öffentlich ihr Mitgefühl aus – ihre Befragung und die ihres Mannes qualifizierte sie aber zeitgleich als „Polit-Theater“ ab.
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