Begeistert Amerikas linke College-Jugend: Bernie Sanders

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US-Vorwahl
02/09/2016

Bernie Sanders: 74-Jähriger als Idol für Studenten

Um Sanders' Auftritte mitzuerleben, stehen College-Studenten stundenlang Schlange.

von Konrad Kramar

Sie tragen ihn auf weißen Schlabber-T-Shirts, als Schlüsselanhänger oder als Bildschirmschoner auf ihren iPhones: Kein anderer der Bewerber ums US-Präsidentenamt genießt solche Beliebtheit bei jungen Amerikanern wie Bernie Sanders.

Mit einem üblichen Popidol hat der 74-jährige weißhaarige Senator nichts gemeinsam. Seine Hippie-Vergangenheit aus den späten Sechzigerjahren haftet ihm bis heute an. In seinen Wahlkampf-Spots bekommt man Musik von längst pensionsreifen Sängern wie Simon&Garfunkel zu hören, seine Frau Jane trägt meist weite Kleidchen, die aussehen als hätte sie sie schon bei Demos gegen den Vietnamkrieg dabei gehabt.

Im Gegensatz zum ständig polierten Lächeln der anderen Kandidaten zeigt sich Bernie Sanders auch öffentlich oft schlecht gelaunt. Und auch sein politisches Vorbild hat seine beste Zeit lange hinter sich. Es ist Franklin D. Roosevelt, der US-Präsident, der mit seinem New Deal die USA aus der Wirtschaftskrise der 1920er-Jahre führte.

Es sind genau diese Eigenschaften, die Sanders authentisch wirken lassen. "Er wirkt, als hätte er einen Punkt in seinem Leben erreicht, an dem er wirklich sagen kann, was er denkt", erklärt eine Studentin gegenüber der New York Times ihre Begeisterung für ihn.

Tatsächlich ist es ein Netzwerk aus College-Studenten, das den Wahlkampf für Sanders gestaltet und vorantreibt. An fast 250 Colleges überall in den USA gibt es in inzwischen Wahlkampf-Komitees für ihn. Um einen seiner Auftritte mitzuerleben, stehen vor allem College-Studenten oft stundenlang Schlange.

"Feel the Bern"

Begeisterung, die sich auch in Zahlen niederschlägt. In Iowa, wo vor einer Woche die ersten Vorwahlen stattfanden, entschieden sich 80 Prozent der Teilnehmer zwischen 18 und 29 Jahren für Sanders. In New Hampshire kam er laut letzten Umfragen auf 87 Prozent. Selbst Barack Obama, der Hillary 2008 aus dem Rennen warf, erreichte bei Weitem nicht diese Mehrheiten.

Aus Obamas-Wahlkampfteam hat sich Sanders die Experten für soziale Medien geholt. Sie basteln an YouTube-Videos, Twitter-Postings und Facebook-Auftritten, das alles unter dem hippen Motto: "Feel the Bern".

Im Hintergrund zu diesen Spots läuft Hip-Hop, Elektropop oder Speed Metal; von Simon&Garfunkel keine Spur. Die Zielgruppe aber trifft man so punktgenau. Mehr als drei Millionen Amerikaner haben in den vergangenen Wochen für Sanders Wahlkampf gespendet, mehr als für jeden anderen Kandidaten. 90 Prozent davon online und weniger als 20 Dollar.

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