Berlin stimmt Deutschland auf den nächsten Lockdown ein

Bundeskanzlerin Angela Merkel
Regierung und Experten finden deutliche Worte und bauen Druck auf die Länder auf. Sorgenvoll blickt man Ostern entgegen.

Deutschland steht ein harter Frühling bevor. Zwar waren die deutschen Politiker in den vergangenen Monaten ohnehin oft vorsichtiger bei Öffnungsschritten als viele ihrer EU-Kollegen, doch auch die rot-schwarze Koalition in Berlin lockerte Anfang März sanft.

Nachdem Treffen von Personen aus zwei verschiedenen Haushalten wieder möglich waren, wähnten sich die Deutschen langsam auf dem Weg zurück zur Normalität. Erst recht, als die Reisewarnung für die Lieblingsinsel Mallorca aufgehoben wurde. Der Sturm auf Flugtickets zu Ostern war enorm. Noch am Freitag kündigte die spanische Billigfluglinie Vueling an, ihr Streckennetz zwischen Deutschland und der Balearen-Insel für die Feiertage auszubauen. 44 Flieger für fast 8.000 Kurzurlauber stehen bereit.

Doch die Vorfreude auf Sonne, Strand und Meer könnte schon bald zunichte gemacht werden. Als Stichtag gilt der 22. März. Da berät die Regierung mit den mächtigen Länderchefs über die weitere Vorgehensweise.

Geht es nach den Verantwortlichen in Berlin, soll es schon bald wieder ein paar Schritte zurück gehen. Zumindest zeichneten Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), SPD-Gesundheitssprecher Karl Lauterbach und Vertreter des maßgebenden Robert-Koch-Instituts (RKI) ein eher düsteres Bild zur aktuellen Lage. 17.482 Neuinfektionen, und damit etwa 5.000 mehr als vor einer Woche, verzeichnete die Bundesrepublik.

Hamburg zieht Notbremse

„Das Infektionsgeschehen gewinnt an Dynamik“, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Freitag in Berlin. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Freitag bundesweit bei 95,6. Am Donnerstag hatte sie noch bei 90 gelegen. Einen mindestens ebenso rasanten Tagesanstieg hatte es zuletzt im Januar im Zuge der zweiten Welle gegeben. Als erste Großstadt zog Hamburg die Notbremse. Nach drei Tagen mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 100 ließen die Verantwortlichen der norddeutschen Metropole die Öffnungsschritte regional wieder rückgängig machen.

Dass die Deutschen nach dem kurzen Stopp seit Freitag auch wieder auf den Impfstoff Astra Zeneca setzen, ändere nur wenig an der Gesamtsituation, betonte Gesundheitsminister Spahn. „Zur ehrlichen Lageanalyse gehört: Es gibt in Europa noch nicht genügend Impfstoff, um die dritte Welle allein durch Impfen zu stoppen.“

Verbringen Sie die Ostertage nur im engsten Kreis. Ich bitte Sie auch, verzichten sie auf Reisen im In- und Ausland."

von Lars Schaade

vom Robert-Koch-Institut

RKI-Vize Schaade warnt vor schwierigen Wochen. "Es ist sehr gut möglich, dass wir um Ostern eine ähnliche Lage haben wie vor Weihnachten mit sehr hohen Fallzahlen, sehr vielen schweren Verläufen mit Todesfällen und Krankenhäuser, die stark belastet sind." Er appelliert an die Menschen: "Verbringen Sie die Ostertage nur im engsten Kreis. Ich bitte Sie auch, verzichten sie auf Reisen im In- und Ausland."

Die bevorstehenden Feiertage bereiten den Politkern und Experten besondere Sorgen. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach forderte mit Blick auf die Reiserückkehrer eine verpflichtende Testung. Obendrein schloss er mit dem wenig erfreulichen Satz: "Wir müssen zurück in den Lockdown."

 

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