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Politik Ausland
10/28/2020

Belgien: Infizierte Ärzte arbeiten in Spitälern

Virus-Katastrophe: Nächste Woche könnte das Gesundheitssystem kollabieren.

von Ingrid Steiner-Gashi

Es sind Statistiken des Grauens, die derzeit jeden Morgen aufs Neue die Belgier schockieren: 139 Menschen starben allein gestern an Covid-Folgen. 689 Menschen wurden an einem einzigen Tag in die Spitäler eingeliefert. Und mit 1.379 Infektionen auf 100.000 Menschen ist Belgien jenes Land in Europa, wo das Virus derzeit am heftigsten wütet. Mit diesem traurigen Rekord hat das kleine Belgien mittlerweile Tschechien abgelöst.

Schon vor zehn Tagen hat die Regierung in Brüssel die Notbremse gezogen: Alle Gaststätten, Bars und Kulturevents wurden geschlossen, eine Ausgangssperre von 22 bis 6 Uhr früh verhängt. Doch dieser Lockdown-light zeigte bisher keine Wirkung: Die Infektionszahlen sinken nicht in dem Maß, das eine Trendwende bringen würde: Knapp 13.000 Neu-Infizierte wurden am Mittwoch im 11,5 Mio. Einwohner zählenden Land registriert. 17.000 waren es vergangenen Freitag. Ein strenger Lockdown könnte nun landesweit am Freitag verordnet werden. Die Wallonie wollte dies bereits gestern durchsetzen.

Was weiterhin steigt, ist die Zahl jener Erkrankten, die im Spital behandelt werden müssen. 1.200 Personen liegen derzeit in Intensivbetten – Belgien hat insgesamt 2.000 davon.

Belegte Intensivbetten

„Wenn der Trend anhält“, warnt Regierungssprecher Yves Van Laethem, „haben wir Ende nächster Woche ein sehr großes Problem.“ Dann werden alle Intensivbetten des Landes belegt sein. Dabei steht Belgien schon längst mitten in der Katastrophe: Weil bereits so viele Ärzte und Pflegepersonal Corona-infiziert und in Quarantäne sind, haben die am schlimmsten betroffenen Spitäler zu einem drastischen Schritt gegriffen. Sie baten infizierte, aber symptomlose Ärzte, Schwestern und Pfleger zurück an die Arbeit. Mindestens hundert von ihnen sind allein in der Region Lüttich im Einsatz.

„Wir müssen wählen zwischen einer schlechten und einer sehr schlechten Lösung“, schildert Philippe Devos vom belgischen Verband der medizinischen Gewerkschaften. Die sehr schlechte Lösung sei, Patienten gar nicht zu behandeln. Devos betont, dass die infizierten Pfleger und Ärzte ausschließlich die infizierten Patienten betreuen.

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