Politik | Ausland
20.08.2017

Barcelona: Terrorzelle hortete 120 Gasflaschen für Anschläge

Angehörige distanzieren von Hauptverdächtigen sich von der Tat: "Nicht in unserem Namen". Spanische Terrorermittler haben inzwischen auch einen Imam im Visier.

Die Terrorzelle von Barcelona hat nach Angaben der Polizei mindestens 120 Gasflaschen für "einen oder mehrere Anschläge" in der katalanischen Hauptstadt gehortet. Die Gasflaschen hätten sich in einem Haus in Alcanar befunden, wo durch eine Explosion die ursprünglichen Anschlagspläne durchkreuzt worden seien, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Die Attentäter hatten daraufhin mit Fahrzeugen zwei Anschläge in Barcelona und Cambrils am Donnerstag und in der Nacht zu Freitag verübt, bei denen insgesamt 14 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden waren.

Großdemonstration gegen Terrorismus geplant

Die Bürger von Barcelona wollen am kommenden Samstag mit einer Großdemonstration gegen Terrorismus und extremistische Gewalt protestieren. Zu der Kundgebung haben Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau und der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont aufgerufen. Sie steht unter dem Motto "No tinc por" - Katalanisch für: "Ich habe keine Angst."

Der Satz war bereits kurz nach dem Attentat auf dem beliebten Boulevard Las Ramblas erstmals aufgetaucht. Er gilt seither als Symbol für den Widerstand der Bevölkerung und ihren Willen, sich vom Terror nicht einschüchtern zu lassen. Die Demonstration soll um 18.00 beginnen und an der Placa de Catalunya enden, von der aus ein Terrorist einen Lieferwagen in die Fußgängerzone gesteuert hatte.

Mutter fordert Verdächtigen auf, sich zu stellen

Indes hat die Mutter des Hauptverdächtigen des Terroranschlags von Barcelona hat ihren Sohn nach einem Medienbericht zur Aufgabe aufgefordert. Younes Abouyaaquoub solle sich der Polizei stellen, zitierte das Nachrichtenportal des katalanischen Rundfunksenders Televisio de Catalunya i Catalunya Radio über Twitter die Frau am Samstagabend.

Der 22-Jährige Marokkaner soll sich auf der Flucht befinden und möglicherweise nach Frankreich abgesetzt haben. Während einer Versammlung vor dem Rathaus der Kleinstadt Ripoll rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona distanzierten sich die etwa 40 Familienangehörige sowie Bekannte der am Terroranschlag in Barcelona und der vereitelten Attacke in dem Küstenort Cambrils beteiligten mutmaßlichen Terroristen von den Taten. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift "Nicht in unserem Namen".

In Ripoll hatten einige der Verdächtige gewohnt. Zudem gedachten die Angehörigen in einer Schweigeminute der 13 Opfer des Anschlags in Barcelona vom Donnerstag sowie des Opfers der mutmaßlich vereitelten Attacke in Cambrils. Fünf Verdächtige waren bei dem Zwischenfall in Cambrils von der Polizei erschossen worden.

Imam im Visier

Die katalanische Polizei untersucht derzeit nach Berichten verschiedener Medien, ob der Imam der Kopf der Terrorzelle ist. Eine Cousine des Verdächtigen sagte laut dem katalanischen Rundfunksender, sie vermute genauso wie viele Bewohner von Ripoll, dass der Imam etwas mit der zunehmenden Radikalisierung der jungen Männer zu tun gehabt hatte.

Am Samstag in der Früh durchsuchten Beamte seine Wohnung in Ripoll nach DNA-Spuren. Er selbst kam möglicherweise bei der Explosion am Mittwoch in einem Haus in Alcanar etwa 200 Kilometer südlich von Barcelona ums Leben. Laut der Zeitung El Mundo war der Imam bis 2012 wegen Drogenhandels in Haft.

In dem Haus lagerte die Gruppe von etwa zwölf Männern nach Vermutungen der Polizei Sprengstoff und bereitete ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vor. Wie die Zeitung El Pais (Online) am Samstagabend berichtete, wurden in dem Haus südlich von Barcelona Überreste von drei Personen gefunden.


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