Außenminister Alexander Schallenberg und der saudische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan Al Saud (re.)in der Ruinenstadt Al-Ula

© APA/BMEIA/MICHAEL GRUBER

Reportage
09/13/2021

Außenminister Schallenberg in der saudischen Wüste

Saudischer Außenminister führte seinen Amtskollegen durch Hegra und die Ruinenstadt Al-Ula. Wie sich die Machtverhältnisse im Nahen Osten verschieben

von Johannes Arends

Inmitten der arabischen Wüste, zwischen meterhohen Felsformationen, bietet sich an diesem Sonntagabend ein spektakuläres Bild: Sieben Männer sitzen in einem offenen Geländewagen, der aufgewirbelte Staub lässt ihre weißen Gewänder in der Abendsonne golden wirken. Sie alle lachen, doch nur einer von ihnen trägt schwarz und hält sich am Haltegriff des Wagens fest.

Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) war am Sonntag zu Besuch in Saudi-Arabien. Gemeinsam mit seinem saudischen Amtskollegen Faisal bin Farhan al-Saud besuchte er die Ruinen der knapp 2.500 Jahre alten Stadt Hegra und die Ruinenstadt Al-Ula.

Machtverschiebung

Der Staatsbesuch hat nicht nur wirtschaftliche Gründe. Zwar ist das Königreich ein wichtiger Handelspartner, vor allem natürlich im Hinblick auf die Öl- und Petrochemie-Industrie. Doch die beiden Außenminister sprachen auch über die sich verschiebenden Machtverhältnisse im Nahen Osten. Übrigens auch auf Deutsch, denn bin Farhan wurde als Sohn einer deutschen Mutter zweisprachig erzogen.

Schon seit Jahrzehnten schwelt der Konflikt um die alleinige Vormachtstellung in der arabischen Welt. Auch in den letzten Jahrzehnten hat sich einiges getan: Der Irak ist infolge der US-Invasion vor etwa 20 Jahren zur kleinen Nummer verkommen, Ägypten hat dagegen aufgrund seiner rasant wachsenden Bevölkerung (offiziell bereits 100 Mio. Einwohner) mit innenpolitischen Problemen wie dem Bau einer neuen Hauptstadt zu kämpfen.

Somit kommt der reichen Ölnation Saudi-Arabien eine Schlüsselrolle zu. Das stolze Königreich steht im Konflikt mit dem ebenfalls mächtigen Iran, der zwar nicht über vergleichbare Ölvorkommen, dafür aber über das stärkere Militär und einen eigenen, ebenso großen Führungsanspruch verfügt.

Die beiden Nationen liefern sich einen blutigen Stellvertreterkrieg im Jemen. Der Iran unterstützt die extremistischen Huthi-Rebellen, die vor mehr als sechs Jahren die Macht im Land übernommen haben. Saudi-Arabien erkennt dagegen nach wie vor den abgesetzten jemenitischen Präsidenten Hadi an – und gewährt ihm im eigenen Staatsgebiet Asyl.

Doch die Bevölkerung vor Ort leidet unter dem Konflikt massiv, Armut und Hunger sind allgegenwärtig.

„Was wir im Jemen erleben, ist eine humanitäre Katastrophe“, äußerte Schallenberg nach dem Treffen mit bin Farhan in Riad sein Bedauern. „Wir begrüßen deshalb den Vorstoß der saudischen Regierung, eine politische Lösung finden zu wollen.“

Auch wenn die saudische Regierung fieberhaft nach einem Weg sucht, sich gesichtswahrend aus dem Konflikt zurückzuziehen, ist kein Ende in Sicht. Erst Anfang September feuerten die Rebellen Raketen auf saudische Grenzsiedlungen.

„Sie greifen weiter an, sie scheinen weiterhin eine kriegerische Lösung zu suchen“, erklärte bin Farhan al-Saud. „Die Huthis handeln weiterhin nicht im Interesse der jemenitischen Bevölkerung, sondern nur in ihrem eigenen sowie dem ihres politischen Sponsors Iran.“

Wegen der frisch gebildeten neuen Regierung im Iran sei noch nicht ganz klar, ob der Konfrontationskurs ungehindert fortgeführt werde, so Schallenberg. Zumindest im Hinblick auf das höchstumstrittene Atomprogramm habe er aber den Eindruck, „dass sie sich in die völlig falsche Richtung bewegen.“

„Wollen kein Wettrüsten“

Hinsichtlich eines neuen Atomabkommens oder zumindest einer Einigung zwischen den USA und dem Iran sei er somit „weniger optimistisch als noch im Frühjahr“

Man werde aber in Wien weiterhin alles versuchen, um als Sitz der internationalen Atombehörde (IAEA) weiter zu vermitteln, denn: „Wir wollen keine atomaren Sprengköpfe im Iran. Wir wollen kein nukleares Wettrüsten in der Golfregion.“

Immerhin soll die Atombehörde wieder Zugang zu ihren Aufzeichnungsgeräten zur Überwachung der iranischen Atomprojekte erhalten. Ein erster Schritt.

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