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Politik Ausland
01/14/2022

Rechtsextremem drohen nach Sturm aufs Kapitol 20 Jahre Haft

Der Mann mit der Augenklappe steht als Kopf der "Oath Keepers" im Fokus des FBI und wurde nun verhaftet.

von Dirk Hautkapp

Es gab Zeiten, da wäre Stewart Rhodes für Donald Trump durchs Feuer gegangen. Und Trump hätte den untersetzten Mann mit Fusselbart und Augenklappe bei öffentlichen Auftritten als vorbildliches Exemplar eines "Make Amerika Great Again"-Patrioten gelobt.

Perdu.

Wenn der Ex-Präsident am Samstagabend in Florence in Arizona seinen diesjährigen Kundgebungsreigen eröffnet, wird der Name Rhodes aller Voraussicht nach nicht fallen. Trump möchte nicht mit dem vom FBI frisch verhafteten Mastermind der "Oath Keepers" assoziiert werden. Ihm drohen wegen "aufrührerischer Verschwörung", vulgo Inlandsterrorismus, durch den Sturm aufs Kapitol bis zu 20 Jahre Haft.

Umgekehrt hält Rhodes seinen einstigen Hoffnungsträger mittlerweile für einen Verräter. Weil Trump sich scheute, die Präsidentschaftswahl 2020 per Kriegsrechtsverhängung zu korrigieren. Und weil er für Hunderte inhaftierte "Patrioten", die am 6. Jänner 2021 Amerikas Demokratie aus dem Scharnier drücken wollten, keinen Finger krumm gemacht habe.

Schwer bewaffnete Miliz

Rhodes, der an der Elite-Uni Yale Jus studierte und sich später als Helfer des libertär-republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul verdingte, ist die treibende Kraft hinter einer hauptsächlich weißen, bewaffneten, 25.000 Mann starken Bewegung. Das Heimatschutzministerium hält die "Oath Keepers" (auf Deutsch "Eidbewahrer", Anm.) für die gefährlichste Truppe im rechtsextremen, militanten Spektrum.

Wenn der Ex-Soldat (drei Jahre Army, Fallschirmspringer, ein Auge verloren, dann entlassen) die Grundrechte bedroht sieht, vorzugsweise durch Demokraten, Linke und Antifa, marschieren Rhodes und seine martialisch gekleideten Hobby-Paramilitärs schwer bewaffnet auf und verbreiten ihre Sicht von Patriotismus und Verfassungstreue.

Schon vor seiner Verhaftung hatte sich Rhodes, juristisch beschlagen, in die Märtyrer-Rolle geflüchtet. Der böse Staat wolle ihn mit fabrizierten Fakten hinter Gitter bringen. Dabei habe sein Aufenthalt in Washington am 6. Jänner nur dem Zweck gedient, "seine Leute vor Ärger zu bewahren".

Der 48-seitigen Anklageschrift zufolge hat das FBI andere Tatsachen ermittelt. Danach war Rhodes das Paradebeispiel für jemanden, der die "Regierung stürzen wollte". Unmittelbar nach dem Wahlgang am 3. November 2020 textete Rhodes seinen Komplizen: "Wir kommen nicht ohne einen Bürgerkrieg da durch." Im Dezember schrieb er, dass ein "blutiger und verzweifelter Kampf nicht zu vermeiden ist", wenn Joe Biden die Präsidentschaft übernähme. Der Kongress werde Trump "bescheißen". Es sei denn, "wir erschrecken sie zu Tode".

Dafür hatte sich Rhodes persönlich gerüstet. Waffenkäufe im Wert von 17.000 Dollar weist ihm das FBI nach. In einem Hotel in Arlington vor den Toren Washingtons hatten "Eidbewahrer" vor der Erstürmung des Kapitols Waffen gehortet und die Zentrale einer "Schnellen Eingreiftruppe" eingerichtet. Während etliche "Oath Keeper" ins Kapitol eindrangen, blieb Rhodes draußen und dirigierte mit dem Mobiltelefon seine Leute.

Warum er am Ende ohne den prophezeiten Showdown sang- und klanglos abzog, ist bis heute unklar.

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