Politik | Ausland
28.01.2018

Alexej Nawalnys großer Auftritt

Prominenter Putin-Kritiker organisiert landesweit Demos und wird verhaftet und wenige Stunden später wieder freigelassen.

Er hatte wohl geahnt, dass es passieren würde. Alexej Nawalny hatte am Sonntag zu einer Großdemonstration gegen seinen Ausschluss von den Wahlen im März aufgerufen. Als er mit anderen Demonstranten durch die Straßen Moskaus in Richtung Zentrum zog, fuhr ein Polizeibus vor. Die Beamten mit dicken Jacken und Schlagstöcken näherten sich dem prominenten Oppositionellen und nahmen ihn ohne viel Aufhebens fest. Widerstand leistete der 41-Jährige kaum.

Wenige Stunden nach seiner Festnahme ist Nawalny am Sonntagabend wieder freigelassen worden. Dies teilte seine Anwältin Olga Michailowa der Nachrichtenagentur Reuters mit. Die Sicherheitsbehörden hätten keine konkreten Vorwürfe gegen Nawalny erhoben. Er werde aber vor Gericht erscheinen müssen

Nicht das erste Mal

Er kennt das Prozedere, es war schließlich nicht das erste Mal, dass Alexej Nawalny bei einer Demonstration festgenommen wurde. "Das bedeutet nichts", twitterte Nawalny (oder ein Kollege, der seinen Twitteraccount übernommen hat) und postete das Video von seiner Verhaftung mit den Worten: "Es hat keinen Sinn, eine Person zu verhaften, wenn es doch so viele von uns gibt. Wenn ich weg bin, wird mich jemand ersetzen."

Alexej Nawalny ist Anti-Korruptionskämpfer, Blogger und der wichtigste Gegner Wladimir Putins. Auch er hat viele Feinde. Nicht nur in den Reihen der Regierungstreuen, auch Oppositionelle sehen ihn als Gefahr: "Nawalny ist ein chauvinistischer Nationalist, kaum besser als der Kleptokrat Putin", stößt eine junge Twitter-Userin ins gleiche Horn wie viele andere Russen an diesem Sonntag.

Doch Nawalny versteht es, medienwirksam aufzutreten. Zudem hat er in den vergangenen Monaten offenbar eine Wahlkampfmaschinerie im ganzen Land aufgebaut, bei der es zwar nicht in erster Linie darum geht, Wahlen zu gewinnen, die Putin aber über Jahre hinweg wehtun könnte.

Die Demos, die Festnahme, die Bilder, die Tweets – alles PR-Maßnahmen, um seine Nachricht in die Welt zu bringen. Und es funktioniert. Am Sonntag berichteten etliche internationale Medien von den rund 100 kleineren Demonstrationen, deren Teilnehmerzahlen unklar – oder zumindest nebensächlich – waren. Von wenigen Tausend war die Rede. Vor allem junge Gebildete folgten Nawalnys Aufruf.

Putin siegessicher

Doch die Message erreichte Hunderttausende: Alexej Nawalny wurde im Dezember wenig überraschend von den Wahlen ausgeschlossen, die am 18. März stattfinden sollen. Der Grund: eine Bewährungsstrafe wegen Betrugs. Nun, so Nawalny, nähmen nur noch Putin "und die von ihm handverlesenen Kandidaten" an der Wahl teil.

Am Ergebnis der Präsidentenwahlen wird die Aktion Nawalnys an diesem Sonntag wenig ändern. Möglicherweise schafft er es, die Wahlbeteiligung niedrig zu halten. Ein Sieg und damit eine vierte Amtszeit für Putin, der seit 2000 – mit vier Jahren Unterbrechung – Staatschef ist, gilt aber als sicher.