Minenarbeiter mit Schaufel: Die nötige Infrastruktur ist (noch) nicht vorhanden

© APA/AFP/FARSHAD USYAN

Politik Ausland
08/20/2021

Afghanistan ist theoretisch ein steinreiches Land

Die Liste an mineralischen Bodenschätzen liest sich wie die Wunschliste einer Industrienation.

von Susanne Bobek

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Afghanistan reich an Bodenschätzen ist. Allerdings wurden bisher  großflächig keine systematischen und detaillierten geologischen Studien durchgeführt. Sie stammen aus der Besatzungszeit durch die damalige Sowjet Union und liegen somit 30-40 Jahre zurück. Und auch die nötige Infrastruktur fehlt.

Die Liste an mineralischen Bodenschätzen liest sich wie die Wunschliste einer Industrienation. Lithium, Beryllium, Edelsteine, Seltene Erden, Kupfer, Molybdän, Gold, Niob, Blei, Zink, Öl, Gas und Kohle sind in Afghanistan bereits nachgewiesen. Nach heutigen Berechnungen wäre Afghanistan ein superreiches Land mit Bodenschätzen im Wert von bis zu drei Billionen Dollar, das sind 2.559,07 Milliarden Euro.

Und das war eine Schätzung aus dem Jahr 2010. Seither sind die Preise stark gestiegen und wegen der Pandemie teils explodiert. Kupfer, Gold, Öl, Erdgas, Uran, Bauxit, Kohle, Eisenerz, Seltene Erden, Lithium, Chrom, Blei, Zink, Edelsteine, Talk, Schwefel, Travertin, Gips und Marmor. Das alles schlummert in den afghanischen Böden.

Die von den Taliban vertriebene  alte, höchst korrupte Regierung in Kabul vergab Lizenzen an ausländische Investoren und versprach, die Minen nicht zu verstaatlichen. Außerdem wurden Infrastrukturprojekte versprochen, wie der Bau von Straßen und Krankenhäusern.

Ein Konsortium um die chinesischen Unternehmen Metallurgical Corp of China (MCC) und Jiangxi Copper hat 2008 mit einem 30-jährigen Pachtvertrag Mes Aynak übernommen, das größte Kupferprojekt des Landes. Allein die gut elf Millionen Tonnen, die MCC hält, sind nach aktuellen Preisen der Börse London Metal Exchange mehr als 100 Milliarden Dollar wert.

In einem afghanischen Regierungsbericht von 2019 werden die Kupferressourcen mit fast 60 Millionen Tonnen beziffert, was nach derzeitigen Preisen Hunderte von Milliarden Dollar wert ist.  Dazu verfügt das Land über mehr als 2,2 Milliarden Tonnen Eisenerz-Vorkommen. Nicht so sehr ins Gewicht fallen mit 2.700 Kilogramm die Goldressourcen.

Saudi-Arabien des Lithiums

Ein internes Papier des US-Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 2010 beschrieb Afghanistan angeblich als „das Saudi-Arabien des Lithiums“. Mit anderen Worten: Afghanistan ist für die globale Versorgung mit diesem wichtigen Batteriemetall genauso wichtig wie das Land im Nahen Osten für Rohöl.

Der Vergleich wurde zu einer Zeit gezogen, als Lithium bereits weit verbreitet in Batterien für elektronische Geräte wie Handys verwendet wurde. Inzwischen ist noch eine wichtige Anwendung hinzugekommen: Lithium für Batterien von Elektrofahrzeugen, die weltweit auf dem Vormarsch sind und einen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels beitragen sollen.

Reich an Seltenen Erden

Im Bericht des Ministeriums wird zudem darauf verwiesen, dass in Afghanistan 1,4 Millionen Tonnen an Seltenen Erden vermutet werden. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von 17 Elementen, die beispielsweise für Computer, Handys, Windturbinen und Batterien unerlässlich sind, ebenso für viele Hightech-Waffen.


Auch Rohöl und Erdgas wären vorhanden: „Das meiste unentdeckte Rohöl befindet sich im afghanisch-tadschikischen Becken, das meiste noch nicht entdeckte Erdgas im Amu-Darya-Becken“, heißt es in dem Bericht.

Edelsteine wie Rubine und Lapislazuli

Afghanistan war in der Vergangenheit eine wichtige Quelle für Lapislazuli, einen tiefblauen Halbedelstein, der seit Tausenden von Jahren in der nördlichen Provinz Badakhshan abgebaut wird, sowie für andere Edelsteine wie Rubine und Smaragde. Die feinsten Sorten von Lapislazuli können dem Regierungsbericht von 2019 zufolge bis zu 150 Dollar pro Karat einbringen. Die Mehrheit der abgebauten Edelsteine verlässt das Land allerdings illegal, und zwar hauptsächlich nach Peshawar in Pakistan.

 

 

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