Wirtschaft
10.07.2018

Gold der Zukunft: Kärntner Lithium-Mine vor Start

In Lavanttal arbeitet man an einem Vorzeigeprojekt: 2021 soll hier europaweit die erste Lithium-Mine in Betrieb gehen.

In der Branche sagt man den Australiern nach, echte „Trüffelschweine“ zu sein. Nur dass im konkreten Business nicht nach der kulinarischen Versuchung gesucht wird, sondern nach dem neuen Rohstoff der Begierde für moderne Batterien – nämlich Lithium. Denn so viel ist sicher: Die flächendeckende Ausrollung einer Alternative zu den Verbrennungsmotoren kann nur mit Elektroautos passieren. Und dazu benötigt man Lithium-Ionen-Batterien.

Gemeinsam mit dem Lithium-Dreieck Bolivien, Chile und Argentinien hat Australien Beim Lithiumabbau weltweit die Nase vorn . Perth gilt als das Silicon Valley des Lithium-Abbaus. Angesichts des Know-how ist es nicht verwunderlich, dass gleich zwei Australier maßgeblich mit an Board sind, um ein hoch spannendes Lithium-Projekt in Österreich zu starten. In Wolfsberg soll spätestens 2021 die einzige europäische Lithium-Mine in Betrieb gehen.

424 Mio. Investment

Das Investitionsvolumen liegt bei 424 Millionen US-Dollar. Zumindest zehn Jahre sollen im Grenzland zwischen Kärnten und der Steiermark 10.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr aus dem Berg geholt werden.

Wie stieß man auf dieses Vorkommen? Eigentlich ist es der Atomkraftwerkruine Zwentendorf zu verdanken. „Damals, Mitte der 1970er-Jahre, fuhr die Republik mit enormem finanziellen Einsatz in Wolfsberg eine komplette Mine auf, weil man dachte, hier Uran zu finden. Das fand man zwar nicht, dafür aber Lithium. Der Rohstoff hatte damals keinen Marktwert, deswegen fiel die Mine wieder an den Besitzer zurück“, erzählt Stefan Müller, Aufsichtsratsmitglied von European Lithium.

40 Jahre nach Zwentendorf hat Lithium einen Marktwert – und gar keinen geringen. Das Betreiberunternehmen European Lithium, welches in Wien und Frankfurt börsennotiert ist und den Firmensitz zeitnah nach Wolfsberg verlegen wird, wodurch die Wiener Börse auch zur Heimatbörse wird, rechnet bereits in den ersten zehn Jahren mit einem Roh-Erlös von 1,9 Milliarden US-Dollar. Dabei liegt der aktuelle Börsewert gerade einmal bei 100 Millionen Euro.

Allein von Dezember 2016 bis April 2017 stieg der Preis für Lithium-Hydroxid um 60 Prozent. „In den ersten drei Jahren werden wir das Investitionsvolumen wieder eingenommen haben. Laut den Prognosen wird sich die Mine sogar bis zu 20 Jahren betreiben lassen“, gibt sich Müller optimistisch. Rund 22 Millionen Tonnen Rohmaterial sind nachweisbar.

Kein Abraumproblem

Ist es heute angesichts der strengen Umweltauflagen überhaupt noch möglich, eine Mine in Österreich in Betrieb zu nehmen? Das Image, dass das Bergbau-Business dreckig und korrupt ist, wird für Afrika oder Südamerika gelten, in Europa ist man aufgrund der strengen Auflagen weit davon entfernt. Im konkreten Fall steht auch die Kärntner Landesregierung hinter dem Projekt. Im strukturschwachen Lavanttal sollen durch den Abbau und vor allem durch die Weiterverarbeitung des Lithiums und mögliche Batteriehersteller 1400 neue Jobs entstehen.

Gegner des Projekts führen gerne das Argument ins Feld, dass es ein Problem mit dem Abraum (nutzlose Gestein, welches die Lagerstätten von Rohstoffen überdeckt) geben wird. Denn 800.000 Tonnen Gestein werden pro Jahr abgebaut, um 10.000 Tonnen Lithium-Hydroxid aus dem Berg zu holen. „Mit dem Abraum gibt es mit den modernen Techniken kein Problem mehr. Der Großteil des Abbaus passiert mit Robotern. Das Material, das wir nicht verwenden können verlässt den Berg nicht, sondern wird wieder zugeführt, um die Erzgänge zu verdichten“, erklärt Müller. „Als Vorbild lässt sich hier die extrem umweltfreundliche Wolfram Mine in Mittersill nennen.“

Sauberes Lithium

Vor allem die Autoindustrie achtet darauf, dass die Wertschöpfungskette der Batterie von der Mine bis zur Weiterverarbeitung sauber ist. In Südamerika etwa gibt es das Problem, dass die Lithium-Gewinnung aus den Seen das Trinkwasser verknappt. „Sauberer als aus Österreich kann man Lithium auf dem Weltmarkt kaum bekommen“, so Müller.

Gut, aber sauberes Lithium aus Österreich wird teurer sein als „schmutziges Lithium“ aus Südamerika. Wie will man da konkurrenzfähig sein? European Lithium wird der Abbau einer Tonne Lithium 6000 US-Dollar kosten. „In Südamerika liegen die Kosten für eine Tonne derzeit bei 4500 Dollar“, erklärt Müller. Am Weltmarkt zahlen die Batteriehersteller für eine Tonne rund 18.000 US-Dollar. „Das heißt, wir sind gar nicht so viel teurer. Dafür können wir garantieren, dass unser Abbau vollkommen sauber ist“, so Müller. Und Lithium wird immer mehr benötigt. So schätzt die Internationale Energie-Agentur, dass 2030 bereits 125 Millionen Elektro-Autos auf den Straßen unterwegs sein werden. Zum Vergleich: 2017 waren es erst drei Millionen. Angesichts dieser Steigerungsraten ist man in Wolfsberg in Goldgräber-Stimmung.