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Politik Ausland
12/10/2020

Äthiopien-Flüchtlinge: Katastrophale Zustände in den Camps im Sudan

Der Bürgerkrieg machte viele zu Vertriebenen. Internationale Hilfe läuft nur mühsam an, auch ein Österreicher ist dabei.

von Walter Friedl

Die allermeisten haben nichts, außer die Kleidung, die sie am Leibe hatten, als die Bomben in der westäthiopischen Provinz Tigray fielen.  Um dem Bürgerkrieg zu entfliehen, schlugen sich die Familien 50, 60, 70 Kilometer zu Fuß durch, bis sie im sicheren Sudan ankamen. Dort füllen sich die improvisierten Lager  – die Zuständen dort sind katastrophal.

„Bis zu 50.000 Flüchtlingen sind bereits in der Region, und jeden Tag kommen im Schnitt an die 2.000 weitere hinzu“, saht Tesfaye Hussein, der sich für die Hilfsorganisation CARE vor Ort um die Gestrandeten kümmert, im Telefonat mit dem KURIER.  Der 35-Jährige, selbst Äthiopier, weiß von dramatischen Erzählungen seiner Landsleute zu berichten: „Ein Mutter sagte, dass die Straßen mit Leichen übersät waren. Um ihre Kinder zu beruhigen, sagte sie ihnen, dass diese Menschen nur schliefen. Drei Ärzte, die ich im größten Lager Um Raquba traf, hatten noch ihre Spitalskleidung an, Hals über Kopf mussten sie fliehen – und ihre Patienten zurücklassen. Traumatisiert ist fast jeder.“

In den Camps seien die Menschen nun zwar sicher, die Zustände seien aber miserabel. „Es fehlt an Zelten und Decken, die meisten schlafen auf dem Boden unter Bäumen und Sträuchern. Essen gibt es derzeit nur ein Mal täglich“, sagt Hussein. Die Unzulänglichkeiten hingen auch damit zusammen, dass die Infrastruktur im Sudan äußerst dürftig sei, „oft ist es sogar schwierig, Benzin zu bekommen“.

Kampf ums "nackte Überleben"

Der Helfer uns sein Team bemüht sich vor allem darum, eine Basis-Hygiene aufzubauen. „Latrinen sind vorrangig, damit keine Seuchen ausbrechen, viele leiden jetzt schon an Durchfall. Und natürlich brauchen die Menschen Seifen – auch um Covid-19-Erkrankungen hintanzuhalten.“  Zumal Abstandsregeln in den überfüllten Camps ohnehin bloß Wunschvorstellungen seien: „Die Leute kämpfen ums nackte Überleben und sind hungrig, Corona hat da keine Priorität.“

Um das Leid der Flüchtlinge zu lindern, machte sich dieser Tage auch der Österreicher Georg Geyer im Auftrag der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ in das Krisengebiet auf. „Wir haben bereits ein Team vor Ort, das macht die Sache leichter, jetzt werden zehn bis fünfzehn internationale Helfer eingeflogen“, sagt der 46-Jährige, der für die Logistik zuständig ist, vor seinem Sudan-Trip zum KURIER.

Für die Einreise brauchte er einen negativen Covid-19-Test. „Und dann sollte ich eigentlich in Quarantäne, aber die Zeit drängt. Wir müssen gleich anpacken. Allerdings hatte ich im Lockdown in Österreich ja ohnehin kaum Kontakte mit anderen Menschen.“

Lange Afrika-Erfahrung

Afrika-Erfahrung hat Geyer, der schon seit elf Jahren für „Ärzte ohne Grenzen“ tätig ist, jede Menge –  sei es im Kongo, in der Zentralafrikanischen Republik oder in Sierra Leone, wo er es schon einmal mit einer tödlichen Pandemie zu tun hatte. „2014 und 2015 wütete dort Ebola“, so der frühere IT-Manager.

Das Corona-Handling in einer Gegend, wo es an sich gar nichts gibt, werde „sehr interessant“ werden, sagt der Mittvierziger augenzwinkernd, „ich werde halt das Standard-Programm durchziehen – Händewaschen, Abstandhalten, Maskentragen“. Sollte er selbst an Covid-19 erkranken, sähe das Sicherheitsprozedere seiner Organisation vor, ausgeflogen zu werden, „aber Garantie dafür gibt es keine“.

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