© APA/AFP/PAUL ELLIS

Politik Ausland
11/13/2021

Abgeschwächte Klimaziele: "Uns läuft die Zeit davon"

Bis in die Abendstunden feilschten die Delegierten um jedes Wort der Gipfel-Schlusserklärung. Noch sei diese „nicht ambitioniert genug“, findet Österreichs Klimaministerin.

von Bernhard Gaul

Aus Glasgow.

Sollen die 197 Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenrechtskonvention „aufgefordert“ („requests“) werden, ihre Klimapläne für 2030 nachzuschärfen, oder „dringend gebeten“ („urged to“) werden? Und welches Verb wäre eigentlich schärfer und verbindlicher?

In Glasgow, bei der 26. Klimakonferenz der UNO, gehören die letzten Stunden vor dem finalen Plenum nur noch den politischen Verhandlern, und die streiten im Grunde über jedes einzelne Wort in den Abschlusstexten. Im konkreten Fall steht jetzt das vermeintlich schwächere Verb „requests“ im Entwurf, bis zur nächsten Klimakonferenz 2022 im ägyptischen Sharm El-Sheikh am Südzipfel des Sinai werden die Staaten also „aufgefordert“, ihre Klimaziele nachzubessern, damit das 1,5°C-Ziel (maximale Erderwärmung im Vergleich zu 1750) am Leben bleiben kann.

Das ist ohnehin das eigentliche Motto dieser Klimakonferenz, und geht es nach dem britischen Gipfel-Präsidenten Alok Sharma, einem konservativen Politiker, der im indischen Uttar Pradesh geboren wurde, sei das Ziel weiterhin „in Reichweite“. Klimaministerin Leonore Gewessler ist da pesemistischer: „Die Abschlusserklärung und das 1,5°C-Ziel sind aus unserer Sicht nicht ambitioniert genug, die ganze EU ist nicht zufrieden“, sagte sie am Nachmittag. Zudem seien die Ziele zum Kohleausstieg abgeschwächt worden, und die Versprechen der größten Emittenten schwach: „Uns läuft die Zeit davon.“

Fixiert wurde, dass die Staaten ihre Klimafinanzierung bis 2025 verdoppeln. Mit dem Geld sollen ärmere Staaten „mitigation and adaption“ finanzieren, also Maßnahmen zum Schutz vor Klimawandelfolgen, und grüne Technologie, um Treibhausgas-Emissionen einsparen oder verhindern zu können.

Offen ist zur Stunde, ob diese Initiativen, die von Regierungschefs präsentiert wurden, es ebenfalls in die Gipfeldokumente schaffen: Methan Das besonders aggressive Treibhaus-Gas entsteht bei der Rinderhaltung, beim Reisanbau, auf Mülldeponien oder bei der Öl- und Gas-Raffinierung. Bis 2030 soll es um 30 Prozent reduziert werden, damit könnte die Erwärmung um bis zu 0,2°C reduziert werden. Mehr als hundert Staaten haben unterschrieben.

Abholzung muss gestoppt werden

17 Milliarden Euro haben mehr als 100 Staaten bereitgestellt, um bis 2030 die Abholzung der Wälder, auch der Regenwälder, zu stoppen. Wälder sind wichtig fürs Senken der Treibhausgase, derzeit emittieren viele durch Abholzung aber mehr, als sie schlucken. Auch Brasilien und Indonesien wollen mitmachen, leider wird erst die Zeit zeigen, ob sie das ernst meinen.

Verbrenner-Verbot Am schwächsten ist das Ende der Verbrenner-Motoren im Fahrzeugbereich unterstützt. Ziel ist, ab spätestens 2035 keine neuen Verbrennerautos mehr zuzulassen. 

Die Clean Green Initiative soll ärmeren Staaten eine raschere Dekarbonisierung ihrer Wirtschaft und Energieproduktion ermöglichen, indem etwa Photovoltaik massiv billiger wird. Das Projekt ist derzeit noch massiv unterfinanziert.Kohle Insgesamt mehr als 40 Staaten, darunter große Kohle-Nationen wie Kanada, Polen, Vietnam, Südkorea, die Ukraine und Indonesien, versprechen bis Mitte der 2030er Jahre (Industriestaaten) bzw. Mitte der 2040er Jahre (Schwellenländer) einen Ausstieg aus der Kohlekraft.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.