Im März 2020 war Innsbruck in Lockdown und ganz Tirol unter Quarantäne

© APA/MARKUS STEGMAYR

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02/04/2021

Südafrika-Virus in Österreich: Blindflug im Mutationsdschungel

Die Forderungen nach Isolation Tirols werden lauter. Fraglich ist, wie genau bisher in anderen Bundesländern gesucht wurde

von Christian Willim

"Es ist schon wieder was passiert“: Der berühmte Satz aus der Krimi-Reihe von Wolf Haas könnte auch in einer Chronologie über die Corona-Pandemie in Tirol stehen.

Vom ersten Covid-Fall in ganz Österreich vor einem Jahr, über den ersten großen Virus-Hotspot namens Ischgl bis nun zum Aufschlagen der südafrikanischen Virusmutation ist das Bundesland immer wieder vorne weg.

„Je mehr man testet, desto mehr Auffälligkeiten findet man“, erklärte Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Mittwochabend gegenüber dem KURIER.

Kein anderes Bundesland würde derartige Anstrengungen bei der Suche nach Mutationen unternehmen. Jetzt das ganze Bundesland unter Quarantäne zu stellen, wie es die Virologin Dorothee von Laer von der Med-Uni Innsbruck gefordert hatte, „gibt die Datenlage nicht her“, so Platter, der das am Donnerstag im Landtag bekräftigte.

Für Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) ist der Sonntag „der Tag der Bilanz“. Auch wenn Tirol sich gegen eine Abschottung sträubt, der Gesundheitsminister könnte sie verordnen.

Unerwartete Unterstützung bekommt Platter in der aktuellen Debatte aus dem Osten. „Da wird im Augenblick schon wieder so ein merkwürdiges Politspiel draus gemacht“, sagt Wiens SPÖ-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker.

Die Frage der Isolation Tirols sei „eine Entscheidung, die getroffen werden muss auf der Basis von Zahlen, Daten, Fakten. Wenn Tirol solche Ausbrüche gut kontrolliert, die Menschen sofort in Quarantäne schicken kann, die von diesen Mutationen betroffen sind, dann sehe ich keinen Grund, ganz Tirol mit einer Sperre zu versehen.“

In Tirol ist man der Ansicht, ein besseres Lagebild zu haben als viele andere Bundesländer. Das sieht auch Ralf Herwig von der HG Lab Truck, dem zentralen Labor, das für das Land die behördlichen PCR-Tests auswertet, so.

Varianten auf der Spur

Gemeinsam habe man nach dem Auftreten der britischen Virusmutation in Jochberg im Jänner beschlossen, „der Sache noch tiefer nachzugehen.“ Einerseits wurden 1.000 positive PCR-Tests zur Analyse an die AGES nach Wien geschickt.

Gleichzeitig seien PCR-Proben, für die ein Mutationsverdacht – allerdings nicht auf die britische Variante – bestand, an von Laer geleitet worden. So wollte man schneller Ergebnisse, als über den Weg der AGES, wo Auswertungen bis zu 14 Tage dauern würden. In der Zusammenarbeit seines Labors und der Virologie sei schließlich erst die südafrikanische Variante entdeckt worden, betont Herwig.

Zu den an von Laer geschickten Proben sagte er: „Das war kein repräsentativer Querschnitt. Tirol abzuriegeln, hielte ich für einen wissenschaftlichen Unsinn“, so Herwig. Inzwischen könne man in eigenen PCR-Analysen nicht nur Verdachtsmomente auf die britische, sondern auch die südafrikanische Variante erkennen.

„Die Kurve der Südafrika-Mutation zeigt in Tirol keinen exponentiellen Anstieg“, schließt der Laborbetreiber aus seinen Daten. In Tirol wurden bislang 75 Fälle offiziell bestätigt – aktuell positiv sind aber nur noch fünf.

Ob das Lagebild in anderen Bundesländern ähnlich gut ist, ist fraglich. Wie viele Verdachtsfälle oder positive PCR-Tests an sich für die weitere Überprüfung bislang von den einzelnen Ländern an die AGES geschickt wurden, konnte die am Donnerstag noch nicht beantworten. Somit lassen sich die Anstrengungen bei der Mutanten-Suche kaum vergleichen.

Nur eine Frage der Zeit

Ein Rundruf zeichnet folgendes Bild:

„Natürlich suchen wir bei allen Proben schon spezifisch nach der afrikanischen Mutation“, sagt Tilmann Königswieser, Ärztlicher Direktor des Salzkammergut Klinikums in Oberösterreich. „Derzeit haben wir noch keinen Fall der afrikanischen Mutation in Oberösterreich. Es ist aber nur mehr eine Frage der Zeit, bis wir einen finden. Weil wenn es schon im Land ist, lässt es sich nicht mehr eindämmen“, sagt der Arzt im OÖ-Krisenstab.

In Tirol heißt es, dass seit dem Fall Jochberg jeder positive Fall auf die britische und inzwischen auch auf die südafrikanische Variante voruntersucht wird. In Kärnten hingegen werden nicht automatisch alle positiven PCR-Tests auf Virusmutanten im Labor detektiert. „Nur jene, die einen CT-Wert von unter 30 haben“, erklärt Gerd Kurath, Sprecher des Landespressedienstes. Auch eine Vollsequenzierung sei im Moment in Kärnten nicht angedacht.

In Niederösterreich hieß es am Donnerstag auf Anfrage: „Seit gestern werden alle positiven PCR-Tests in NÖ vom Vertragslabor in Salzburg einem Vortest auf die Mutationen unterzogen. Schlägt dieser an, geht’s weiter zur Sequenzierung zur AGES nach Wien.“

In Salzburg versichert man, dass derzeit alle positiven PCR-Tests auf Mutationen voruntersucht werden. Die Südafrika-Variante wurde bislang noch nicht entdeckt.

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