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KTM-Skandal: PS-Trickserei könnte Käufern teuer kommen

Der Motorradbauer aus Mattighofen bringt Tausende Zweiräder auf den Markt, die von 15 auf 50 PS aufgemotzt werden können. Werden die Zulassungsbesitzer dabei erwischt, drohen hohe Strafen.
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Es ist ein offenes Geheimnis in der Motorrad-Szene, das nun internationale Wellen schlägt: Der österreichische Motorradhersteller KTM sieht sich massiven Vorwürfen wegen dubioser Zulassungspraktiken bei Enduro-Motorrädern ausgesetzt. Eine koordinierte Recherche von Medien wie dem ORF und dem Standard und anderen in zehn Ländern wirft dem Konzern vor, durch sogenannte „Alibi-Zulassungen“ ein System zu ermöglichen, bei dem Tausende Motorräder illegal auf Europas Straßen unterwegs sind. KTM reagiert mit einer klaren Zurückweisung der Vorwürfe – und verweist auf die Verantwortung der Kunden.

Doch der Schaden war da bereits angerichtet. Die Aktie der KTM-Mutterfirma Bajaj Mobility verlor am Mittwoch im Frühhandel der Wiener Börse rund elf Prozent und erholte sich leicht am frühen Nachmittag. Der Verlust betrug aber noch immer vier Prozent.

Fachhändler verantwortlich?

Fakt ist: KTM liefert Motorräder gedrosselt aus – 15 PS statt der möglichen 50 PS. Was dann folgt, liegt laut KTM außerhalb der eigenen Verantwortung: „Auf Wunsch des Kunden können diese Maschinen nach dem Erwerb vom Fachhändler für den Wettbewerbs- und Geländeeinsatz konfiguriert werden.“

Das heißt, sie werden entdrosselt, haben dann 50 PS und halten die Abgas- und Lärmvorschriften nicht mehr ein. „Käufer unserer Enduro-Maschinen werden ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Straßenzulassung mit dem Umbau für den Wettbewerb erlischt und das Fahrzeug nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr verwendet werden darf“, so KTM.

Systematische Umgehung?

Allein in Österreich waren 2025 rund 11.000 Enduros von KTM und den Schwestermarken Gasgas und Husqvarna zugelassen. Wie viele davon nicht gedrosselt unterwegs sind, lässt sich zwar nicht exakt beziffern. „Die KTM AG weist die in aktuellen Medienberichten erhobenen Vorwürfe, KTM würde illegale Motorräder in Verkehr bringen, entschieden zurück“, teilte der Konzern mit. „Die KTM-Gruppe verkauft ihre Motorräder ausschließlich im Einklang mit den geltenden europäischen Vorschriften.“

Der Kern der KTM-Argumentation: Was Kritiker als systematische Umgehung von Zulassungsbestimmungen brandmarken, sei in Wahrheit ein „fundamentales Missverständnis“ der Produktkategorie. Enduro-Modelle seien „in ihrem Kern Sportgeräte“, die jedoch im amtlich zugelassenen Auslieferungszustand auch auf öffentlichen Straßen gefahren werden dürfen. Die Zulassung wird benötigt, um an offiziellen Wettbewerben teilnehmen zu können.

Branche distanziert sich

Ferdinand Fischer, der Sprecher des Zweiradhandels in der WKO, wollte „zu dieser Thematik keine Stellungnahme abgeben“. Nur so viel: „Aus unserer Sicht handelt es sich hierbei nicht um ein Thema, das den Motorradmarkt oder die Branche insgesamt betrifft, sondern um eine unternehmensspezifische Angelegenheit“, so Fischer.

Was zunächst wie ein technisches Problem aussah, entpuppt sich zunehmend als rechtliches Minenfeld für Käufer. „Die Geschichte scheint sich so weit herauszukristallisieren, dass diese Fahrzeuge offenkundig nur mit einer Drosselung auf 15 PS in der Lage sind, die Abgas- und Lärmvorschriften zu erfüllen, die man braucht, um eine Betriebserlaubnis zu kriegen“, erklärt Martin Hofer, Chefjurist des ÖAMTC zum KURIER. „Man kann jedem Motorradkäufer nur abraten, sich eine KTM oder andere betroffene Marken entdrosseln zu lassen.“

Wer mit einem manipulierten Motorrad erwischt wird, dem drohen erhebliche Strafen: Man begeht eine Verletzung des Kraftfahrgesetzes mit einer theoretischen Höchststrafe von 10.000 Euro“, warnt Hofer.

Keine Versicherung

Noch gravierender sind die versicherungsrechtlichen Folgen. „Man hat für dieses Fahrzeug keine passende Kfz-Haftpflichtversicherung mehr“, erklärt der ÖAMTC-Jurist. Zwar seien unfallgeschädigte Gegner über den Garantiefonds abgesichert, „aber der hat dann einen Regressanspruch gegen den Zulassungsbesitzer“. Wer nur eine Lenkberechtigung für Motorräder bis 15 PS besitzt, das Bike aber entdrosselt fährt, lenkt es ohne entsprechende Berechtigung. „Dann habe ich mit einer erheblichen Mindeststrafe zu rechnen und mit einer Sperre des Erwerbs dieser Lenkberechtigung oder mit der Entziehung der aktuellen“, sagt Hoffer.

Die Behörden können rigoros durchgreifen: „Die Kennzeichen können abgenommen werden, wenn bei der Kontrolle schon Anhaltspunkte sichtbar werden, dass eine entsprechende Manipulation vorliegt“, so Hofer. Verdächtige Fahrzeuge würden zur Landesbehörde vorgeladen, wo Bremsenprüfstand, Lärm- und Abgasmessungen durchgeführt werden. Die bittere Folge: „Aufhebung der Zulassung per Bescheid.“

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