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10/29/2019

Johannas Fest: Was tun mit Spaßbremsen und Genusskiller?

Was tun, wenn von einem Paar, das immer im Doppel auftritt, nur die eine Hälfte Gewinn für eine kommunikative Runde verspricht?

von Johanna Zugmann

„Einige erzeugen Freude, wohin auch immer sie gehen; andere, wann immer sie gehen“, lautet ein Zitat des berühmten irischen Schriftstellers Oscar Wilde. Natürlich lädt man sich als Gastgeber nur Erstere ein. Aber was tun, wenn von einem Paar, das abends immer im Doppel auftritt, nur die eine Hälfte Gewinn für eine kommunikative Runde verspricht?

Die Asketin

Agate ist seit vier Jahren mit Hans zusammen. Hans ist ein Hedonist, trinkt gerne edle Rebsäfte und lässt sich auch opulentes Essen gut schmecken. Zwar hält er Sport nicht für Mord, aber ihre mehr als zehn Kilometer langen Joggingrunden lässt der Anwalt Agate gerne alleine laufen. Hans braucht während des Abendessens keine App, die ihm die verzehrten Kalorien vorrechnet. Das macht schon seine Lebensabschnittspartnerin, die jeden Bissen, den er sich zu Munde führt, mit vorwurfsvollem Blick und Hinweisen auf seinen erhöhten Cholesterinspiegel begleitet.

Ganz dem aktuellen Zeitgeist entsprechend, ist die gesundheitsbewusste Röntgenassistentin auch Vegetarierin. Diese kulinarische Selbstbeschränkung in Form von Fleischverzicht ist übrigens keine neue Usance: Schon im späten 19. Jahrhundert machte man neben dem Luxusgeschmack und dem Notwendigkeitsgeschmack eine dritte Richtung, nämlich den Vegetarismus, aus. Seine Anhänger erhoben Enthaltsamkeit und Mäßigung ins Zentrum ihres Lebensstils.

Der Schweiger

Eva zum Beispiel könnte man als Lottosechser für jede Dinnereinladung bezeichnen: Sie ist eine aparte Erscheinung, steht im Business ihren Mann, geht auf die übrigen Gäste ein und findet im Nu an jedem etwas Herausragendes. Und das Wichtigste: Ihr schallendes Lachen ist höchst ansteckend.

Evas Ehemann zählt zu den Wortkargen. Andreas, der bei meiner letzten Einladung neben Fritz zu sitzen kam, gab nach fünf Versuchen, eine Konversation ins Rollen zu bringen, entnervt auf. Evas Göttergatte ging weder auf die Frage nach seinem Lieblingssport, noch auf jene nach seiner Meinung zum Klimawandel, noch auf die, wohin ihn die nächste Urlaubsreise führen würde, mit mehr als einem Satz ein. Er konzentrierte sich aufs Zuhören. Dabei versprühte er aber nicht den Eindruck eines wohlwollend Interessierten, sondern vielmehr jenen eines Konversations-Kontrollors, der auf ein falsches Wort lauert. Eva und Fritz gibt es nur im Doppelpack. Die einzige Möglichkeit, den „Risikofaktor Spaßbremse“ auszuschließen, wäre wohl, Eva zu einem reinen Damenabend einzuladen.

Der Abwesende

Ebenfalls als Genusskiller hat sich jüngst Martin profiliert. Wir hatten seine Partnerin Charlotte und ihn mit weiteren Freunden zu Tafelspitz geladen. Das viergängige Menü nahm der Finanzchef eines internationalen Unternehmens hauptsächlich mittels Handy wahr. Er fotografierte jeden Gang, aber das war schon die einzige Form von Aufmerksamkeit, die er dem Essen entgegenbrachte. Ständig tippte der dreifache Vater WhatsApp- Nachrichten in sein Handheld und alle zehn Minuten sprang er auf, um im Garten zu telefonieren. Martins mit negativer Körpersprache verbundene Präsenz irritierte letztendlich alle Geladenen. In seinem Geschäft habe er gerade einen Mega-Crash zu verhindern gehabt, eröffnete er uns Tage später. Okay, nächstes Mal nehmen wir ihm sein Handy ab, bevor wir uns zu Tisch begeben, oder decken für ihn gleich im Nebenzimmer.

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