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ngen
11/19/2021

Hohe Impfraten – große Gelassenheit: Was Spanier und Italiener besser machen

In Süd- und Westeuropa produziert Corona derzeit keine Schlagzeilen – und keine Lockdowns. Konsequente Impfkampagnen zeigen Erfolge

„Ein Erfolg der Regierung und der spanischen Gesellschaft“: Mit solchen Parolen ist Pedro Sanchez in diesen Tagen im Land unterwegs, um sich von seinen – übrigens dicht versammelten – Anhängern bejubeln zu lassen. Spaniens sozialistischer Regierungschef ist an vielen politischen Fronten in der Defensive, die Entwicklung in der Pandemie dagegen scheint ihm recht zu geben. Denn während noch im Frühjahr, Rekord-Infektionszahlen und die Bilder von überfüllten Kliniken die Menschen in Angst versetzten, verbucht man derzeit 7-Tages-Inzidenzen rund um 50.

Beim Impfen einig

Ähnlich wie Österreich hat Spanien ständig mit der Eigenwilligkeit seiner Regionen zu kämpfen. Auch in der Corona-Bekämpfung meinte jeder, seinen eigenen Weg gehen zu müssen, sein eigenes Maßnahmen-Paket zu schnüren. Beim Impfen aber war man sich einig. Zuerst kamen die Gesundheitsberufe dran, dann Lehrer und Polizisten und dann die restliche Bevölkerung streng nach Altersgruppen in Zehnjahres-Schritten bis hinunter zu den Zwölfjährigen. Gestochen wurde nach strenger Terminvergabe per SMS in großen Impfzentren, die etwa in Sporthallen eingerichtet wurden. Wer zitiert wurde, ging auch fast ausnahmslos zur Impfung

Impfrekorde

Anders als im deutschsprachigen Raum gibt es in Spanien auch keine tief sitzende Impfskepsis bei größeren Bevölkerungsgruppen. In Spanien, wo oft mehrere Generationen einer Familie zusammenwohnen, oder zumindest ständig in Kontakt sind, ist die Gefahr, die eigenen Großeltern anzustecken, für die meisten sehr real.

Militärisch organisiert

Die Konsequenz: Fast 90 Prozent der über zwölfjährigen Spanier sind geimpft. Ein Rekordwert, der in Westeuropa nur noch von Portugal übertroffen wird. Dort erreicht man in dieser Gruppe fast 100 Prozent. Auch in Portugal gibt es ähnlichen Familiensinn wie in Spanien. Auch war die Impfkampagne noch straffer organisiert – von einem hochrangigen Militär.

Angst vor der Krise

In dem kleinen Land im äußersten Südwesten Europas waren es weniger die Bilder überfüllter Spitäler, die den Menschen Angst machten, sondern die dramatischen Wirtschaftszahlen. Das arme und stark vom Tourismus abhängige Land schlitterte in eine noch dramatischere Krise als der Rest Europas. Um die Sommersaison einigermaßen zu retten, verhängte die Regierung im Winter einen ultraharten Lockdown. Wochenlang durften die Portugiesen kaum vor die Tür gehen, bis die Infektionszahlen unten waren – und dort sind sie seither geblieben. In Portugal rangieren die Inzidenzen derzeit um die 100.

Südtirol profitiert

Auch in Italien hat man inzwischen Impfraten von 85 Prozent erreicht, auch dank einer Impfpflicht am Arbeitsplatz, die anfangs zu wütenden Protesten – etwa in der Hafenstadt Triest – gesorgt hatte. Zwar steigen die Infektionszahlen in den letzten Tagen deutlich an , doch die Regierung in Rom ist entschlossen, einen Lockdown zu vermeiden, auch um den Wirtschaftsaufschwung nicht zu gefährden. Davon etwa profitiert Südtirol, das im Gegensatz zu Österreichs Skigebieten einer guten Weihnachtssaison entgegenblickt – auch mit den deutschen Touristen, die um Österreich jetzt einen Bogen machen.

Impfskeptisch gingen die Franzosen anfangs in die Pandemie, gerade einmal 40 Prozent der Bevölkerung wollten sich überhaupt impfen lassen. Präsident Emmanuel Macron aber machte Druck: Alle, die im Gesundheitswesen, aber auch in Restaurants oder bei der Feuerwehr arbeiten, unterliegen der Impfpflicht. Außerdem braucht jeder einen „Gesundheitspass“, also den Nachweis einer vollständigen Impfung, einer Kombination aus Genesung und Impfung oder eines aktuellen Coronatests: Nur so darf man in Restaurants, Konzerte oder in den Zug. Die sonst gerne rebellischen Franzosen fügten sich und ließen sich impfen. Mehr als drei Viertel haben zwei Impfungen, die Kampagne für die dritte ist gerade angelaufen.

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