© EPA/DUMITRU DORU

Faktencheck
03/22/2020

Coronavirus: Warum die Maske im Alltag kaum schützt

Nur wer Corona hat oder im Spital arbeitet, der sollte sie tragen. Für alle anderen gilt: Abstand halten.

von Christian Böhmer, Julia Schrenk

Als die slowakische Präsidentin Zuzana Caputova am Wochenende die neue Regierung zur Vereidigung im Präsidentenpalast empfing, ließ sie es sich nicht nehmen, die Sache mit dem Mundschutz bis ins Detail abzustimmen: Caputova trug nicht nur Handschuhe und Mundschutz: Ihr Mundschutz war farblich exakt auf das dunkelrote Kleid abgestimmt.

Wer die Szene beobachtet hat, muss davon ausgehen: Der Mundschutz ist ein hygienisches Muss – warum sonst trägt ihn die gesamte Staatsspitze?

Aber ist dem so? Helfen Masken tatsächlich? Wer soll sie tragen? Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen:

Kann ich mich mit einer Schutzmaske wirksam vor dem Coronavirus schützen?

Nicht wirklich. „Die klassische OP-Maske ist kein wirksamer passiver Schutz vor einer Infektion“, sagt die frühere Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit, Pamela Rendi-Wagner (SPÖ). Das Virus wird via Tröpfchen übertragen. Und zwar dann, wenn diese auf die Schleimhäute (Mund, Nase, Augen) gelangt. Auch der Sonderbeauftragte im Gesundheitsministerium, Clemens Martin Auer, sagt: „Im Alltag ist es weitgehend sinnlos, eine Maske zu tragen.“ Nur, wenn ein Corona-Kranker einem Gesunden direkt ins Gesicht huste oder niese, schütze die Maske möglicherweise vor dem Gröbsten. Vorausgesetzt, man hat auch die Augen geschützt und die Maske ist nicht längst durch das Atmen durchnässt. Dann nämlich könnte sie durchlässig sein. Eine Maske schützt also weniger vor Ansteckung als davor, andere Menschen anzustecken.

„Einen wirksamen Schutz bietet der Sicherheitsabstand von einem Meter“, sagt Auer. „Und wenn man sich mit den Händen nicht regelmäßig ins Gesicht fährt und die Hände regelmäßig und intensiv wäscht.“

Warum tragen Ärzte und das Pflegepersonal Schutzmasken und -kleidung?

Ärzte und medizinische Helfer können bei der Untersuchung und Behandlung von potenziellen Corona-Patienten den Sicherheitsabstand nicht einhalten. Zudem ist die Ansteckungsgefahr in Spitälern bisweilen höher. Ein Beispiel: Auf Intensivstationen müssen die Lungen von Schwerstkranken mitunter abgesaugt werden. Therapeutische Maßnahmen wie diese sorgen dafür, dass im Raum ein Aerosol (Schwebeteilchen in der Luft) entsteht – die Virenkonzentration ist höher als außerhalb des Zimmers.

Kann es schaden, eine Maske zu kaufen beziehungsweise diese zu tragen?

Ja – und zwar medizinisch und gesamtgesellschaftlich. In den USA raten die Gesundheitsbehörden den Bürgern bereits davon ab, Masken zu tragen. Der Grund: Wenn jeder Bürger ohne Not eine Maske trägt und diese zusätzlich regelmäßig wechselt, gibt es viel zu wenige Masken für die, die sie wirklich brauchen, also: das Hilfspersonal in Spitälern und Pflegeeinrichtungen. Die Schutzkleidung kann zudem eine vermeintliche Sicherheit schaffen. „Seit der SARS-Epidemie wissen wir aus Studien, dass das größte Infektionsrisiko in Spitälern beim An- und Ablegen der Schutzkleidung bestand“, sagt Rendi-Wagner. Anders gesagt: Der richtige Umgang mit Schutzkleidung will gelernt sein – andernfalls kann das Infektionsrisiko steigen.

Stehen Masken und Schutzkleidung im ausreichenden Maß zur Verfügung?

"Im niedergelassenen Bereich ist die Lage angespannt, aber die Situation wird sich kommende Woche entspannen“, sagt Clemens Martin Auer. Die Bundesregierung sei mit dem Roten Kreuz mitten in der Beschaffung von Nachschub. „Es kommen permanent Lieferungen herein, China hat vor kurzem 300.000 Masken und Schutzanzüge bilateral übergeben.“  Zur Entspannung könnte auch beitragen, dass in Wien ein Prozedere entwickelt wurde, mit dem gebrauchte Schutzmasken wirksam desinfiziert werden können, sprich: Die Masken werden nicht weggeworfen, sondern wiederverwendet.

Sind Patienten im Spital ausreichend geschützt?

Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz drückt es so aus: „Sorge ist angemessen.“ Dem KURIER ist ein Fall aus einem Wiener Spital bekannt, wonach ein Krebspatient bei der Chemotherapie von ungeschütztem Personal betreut wurde. „Es muss klar sein, dass Spitäler das Notwendigste tun, damit Krankenhauspersonal geschützt ist und Patientinnen und Patienten nicht angesteckt werden können“, sagt Pilz. Spitäler müssten entscheiden, welche Stationen mit besonderen Schutzausrüstungen ausgestattet werden und welche nicht.