© APA/AFP/OLI SCARFF

Großbritannien
04/04/2020

Britischer Corona-Regierungsberater fordert Ende der Ausgangssperre

„Ausgangssperren gefährlicher als der Virus“ meint Graham Medley und stellt sich gegen Premier Johnson

von Konrad Kramar

Zuerst setzte man auf die sogenannte „Herdenimmunität“, dann machte man kehrt, verhängte Ausgangssperren, verschärfte sie und ist nun dabei, diese weiter und weiter zu verlängern. Dazu verspricht man umfangreiche Testungen in der Bevölkerung, nur um dann festzustellen, dass die dabei eingesetzten Schnelltests keine stichhältigen Ergebnisse liefern. Die britische Regierung des selbst an Corona erkrankten Premierministers Boris Johnson fährt seit Beginn der Krise einen chaotischen Zick-zack-Kurs.

Und den stellt nun einer der wichtigsten Berater der Regierung in Sachen Corona offen in Frage. In einem Interview mit dem renommierten Traditionsblatt The Times warnt der Pandemie-Experte Graham Medley, Mitglied von Johnsons Corona-Beraterstab, vor einer Verlängerung der Ausgangssperren über Ostern hinaus. Mit einer solchen Verlängerung riskiere man, mehr Leid anzurichten als der Virus selbst.

Ansteckung zulassen

Medley plädiert daher dafür, die flächendeckenden Sperren zu beenden. Man müsse zulassen, dass sich die Menschen auf eine möglichst wenig riskanten Weise ansteckten, anstatt weiterhin wachsende Arbeitslosigkeit, häusliche Gewalt und psychische Leiden zu akzeptieren. Medley wörtlich: „Die Krankheit ist so bösartig, dass wir sie vollständig unterdrücken mussten. aber danach haben wir uns selbst in eine Sackgasse begeben. Denn die Frage wird sein: ’Was tun wir jetzt?’ Es kommt also am 13. April eine entscheidende Frage auf uns zu: Allgemein formuliert: Werden wir weiterhin Kindern schaden, um anfällige Menschen zu schützen, oder nicht?“

Ein massiver politischer Querschuss für den Premierminister, der gerade jetzt von zu Hause aus versucht, die Leute zum Durchhalten zu bewegen. Die Versuchung, so Johnson, werde immer größer, sich nicht mehr an die Vorschriften zu halten: „Ich bitte sie, das nicht zu tun.“ Auch die Queen wird sich heute, Sonntag, mit einer seltenen Ansprache an ihre Landsleute wenden.

Die Briten, sind den Ausgangssperren anfangs mit großer Skepsis begegnetet. Selbst Boris Johnsons Vater Stanley erklärte öffentlich, sich den Besuch im Pub nicht verbieten zu lassen. Inzwischen aber herrscht landesweit bemerkenswerte Disziplin. Ob die allerdings Kommentare wie jene Medleys unbeschadet übersteht, bleibt abzuwarten. Meint der doch: „Die Ausgangssperre bringt uns Zeit, aber sie löst nichts.“

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