Öffi-Angebot ist für viele in Europa nicht gut genug
Viele Europäer fühlen sich von öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zufriedenstellend abgeholt.
Zusammenfassung
- Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der Europäer mangels Verfügbarkeit von Bus und Bahn von öffentlichem Verkehr abgeschnitten sind, besonders im ländlichen Raum.
- Greenpeace fordert einen massiven Ausbau des Öffi-Angebots, insbesondere in ländlichen Regionen, um Verkehrsarmut und das Stadt-Land-Gefälle zu verringern.
- Das Verkehrsministerium verweist auf Rekordfahrgastzahlen und laufende Initiativen, die finanziellen Herausforderungen beim Ausbau im ländlichen Raum sind aber groß.
Eine neue Untersuchung, die im Auftrag von Greenpeace durchgeführt worden ist, stellt Europas öffentlichem Verkehr ein schlechtes Zeugnis aus. Die Studie des Ökoinstituts besagt, dass sich mehr als die Hälfte der Menschen in Europa von Bus und Bahn abgeschnitten fühlen. Österreich hat vor allem im ländlichen Bereich deutlichen Aufholbedarf, zeigte sich. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert daher vor allem dort einen starken Ausbau.
Stadt-Land-Gefälle ist enorm
Dass mehr als 50 Prozent der Menschen öffentliche Verkehrsmittel nicht regelmäßig nutzen, liege vor allem an fehlenden Angeboten, so das Ergebnis. In geringerem Maße seien in Europa auch zu hohe Preise und fehlende Barrierefreiheit Gründe. In Österreich gebe es, wie in einigen anderen Ländern auch, ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Mängel zeigten sich besonders im ländlichen Raum.
Im Rahmen der Studie wurden Menschen über ihren Zugang zum öffentlichen Nahverkehr befragt. Dabei wurden Faktoren wie Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Erschwinglichkeit, Nutzungskomfort und Sicherheit der Verkehrsangebote bewertet. Verkehrsarmut wird dabei als Situation definiert, in der eine Person oder ein Haushalt nicht in der Lage ist, ein gesellschaftlich erforderliches Maß an Mobilität zu erreichen. 6 Prozent der Befragten gaben an, sich öffentliche Verkehrsmittel nicht leisten zu können. Die Verfügbarkeit ist allerdings das weitaus größere Problem.
Der Anteil der Bevölkerung, der Öffis max. einmal pro Monat nutzt, ist in der EU in Italien, Frankreich, Portugal und Zypern am höchsten.
Das Stadt-Land-Gefälle im öffentlichen Nahverkehr zeigt sich in Österreich besonders deutlich. Fast 28 Prozent bemängeln am Land zu seltene Verbindungen, unpassende Fahrpläne oder fehlende öffentliche Optionen. In Städten sind es hingegen nur 1,5 Prozent der Bevölkerung. Greenpeace fordert daher einen massiven Ausbau der öffentlichen Verkehrsangebote in ganz Österreich. Verkehrsminister Peter Hanke müsse sicherstellen, dass jede österreichische Gemeinde ein klimafreundliches, leistbares und regelmäßiges Öffi-Angebot hat.
Festhängen am Auto
„Mit dem weiteren Ausbau von Schnellstraßen bindet Verkehrsminister Hanke Hunderttausende Menschen ans Auto fest“, kritisiert Marc Dengler, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace in Österreich. „Dabei zeigt sich gerade jetzt bei den explodierenden Spritpreisen, wie wichtig es ist, problemlos auf Bus- und Bahnangebote umsteigen zu können“, sagte er weiter. Statt Milliarden in den Bau neuer Schnellstraßen zu versenken, müsse der Verkehrsminister den Menschen in Österreich bezahlbare, sichere und klimafreundliche Öffis anbieten, wünscht sich Dengler. „Dafür müssen auch bereits eingestellte Regionalbahnen von den Bundesländern reaktiviert und die Fahrpläne im ländlichen Raum verdichtet werden“, forderte er.
Minister Peter Hanke antwortet darauf, dass Österreich ein Spitzenreiter im öffentlichen Verkehr in der EU sei. Das zeigten zuletzt Rekordfahrgastzahlen bei den ÖBB. Im Vorjahr wurden 559 Millionen Fahrten mit Bus oder Bahn gezählt. Das Verkehrsministerium unterstütze die dafür zuständigen Bundesländer tatkräftig, Lücken der Öffi-Erschließung am Land zu schließen. Ein Beispiel sei das neue Format der Interregio-Buslinie zwischen Tirol und Bayern, die „eine neue Qualität der Konnektivität“ schaffe.
Große Summen schwierig aufzutreiben
In der Untersuchung wird angemerkt, dass gerade für den öffentlichen Verkehr am Land oft große Summen notwendig seien, die „schwierig erhältlich sein könnten“. Am sinnvollsten seien daher bedarfsgesteuerte Modelle wie etwa Rufbusse sowie die Förderung von Multimodalität (die Kombination unterschiedlicher Verkehrsmittel), etwa durch Park-and-Ride-Lösungen.
In dem Bericht gibt es auch lobende Worte für Österreich. In Wien sei es gelungen, „einen umfassenden barrierefreien Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zu gewährleisten“. Der gesamte Bus- und U-Bahn-Verkehr sei dank Rampen, Aufzügen und erhöhten Fahrbahnflächen barrierefrei.
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