Markteintritt, dann doch Rückzug: Was passiert mit Auto-Garantien?
Auto im Stofftier-Outfit bei der 21st Shanghai International Automobile Industry Exhibition.
BYD, MG, Polestar, Leapmotor, Nio, Xpeng, Jaecoo, Omoda - die Liste der chinesischen Marken, die sich in Österreich etablieren wollen, wird immer länger. Chinas Autoindustrie nimmt neben dem starken Heimmarkt auch immer stärker Exportmärkte ins Visier. Europa bietet ein großes Absatzpotenzial, Produkte werden immer besser an Vorlieben der hiesigen Kundschaft angepasst. Dazu zählen auch großzügige Neuwagengarantien.
Manche geben wieder auf
Österreich stellt nur einen kleinen Teil des Kuchens dar, dennoch sondieren Chinas Autokonzerne den Standort. Viele entscheiden sich für einen Markteintritt - wenngleich nicht immer in der ursprünglich geplanten Form. Manche lassen es gleich bleiben, andere probieren es, ziehen sich dann aber zurück. Ein solches gescheitertes Experiment verbuchte etwa Anhui Jianghuai Automobile mit seiner Marke JAC.
Aufgetaucht und verschwunden: JAC
Das kleine SUV JAC e-S2 wurde ab 2019 von einigen Lagerhäusern angeboten. Das Auto zählte zur ersten Welle chinesischer E-Autos in Europa. Der Markteintritt fiel zeitlich ungünstig auf den Beginn der Corona-Pandemie. China-Ressentiments und Lieferkettenprobleme gaben dem Projekt den Rest, wie der Autohändler Gregor Scheurecker (G-Electric) schildert. Nur wenige Modelle wurden verkauft. "Diese Autos findet man heute kaum mehr", sagt E-Mobilitäts-Spezialist Christian Klejna vom ÖAMTC.
Rückzug noch vor dem Start
Er rechnet damit, dass nicht jede Marke langfristig in Österreich bleibt. Schon vor dem eigentlichen Marktstart aufgegeben habe etwa der vietnamesische Hersteller Vinfast. Er wollte im steirischen Neuberg ein Zwischenlager errichten, von dem aus mehrere europäische Länder beliefert werden sollten. Das Projekt stieß lokal auf viel Widerstand und wurde 2025 abgebrochen.
Garantieansprüche bleiben aufrecht
In welche Lage würde es Autokäufer bringen, wenn sich ein Hersteller plötzlich aus Österreich zurückzieht? "Unabhängig davon, wo ein Auto hergestellt wird, habe ich gegenüber dem Händler zwei Jahre Gewährleistungsanspruch", erklärt Konsumentenschutzexpertin Anja Mayr von der Arbeiterkammer Wien. Die Garantie sei eine freiwillige Leistung des Herstellers, deren genaue Bedingungen frei gestaltet werden können. "Sollte sich ein Hersteller aus Österreich zurückziehen, bleiben die Garantieansprüche aufrecht, es wird nur schwieriger, sie durchzusetzen."
Konsumenten sind gut geschützt
In Österreich läuft der Vertrieb chinesischer Hersteller nicht direkt, sondern indirekt über Importeure. Diese wiederum beliefern Händler. Über diese Struktur seien Konsumenten eigentlich gut geschützt, verrät ein Brancheninsider. Garantiefälle laufen über zwischengeschaltete Profis, die sich auch die Ersatzteilversorgung vertraglich gesichert hätten.
Bei Garantiefällen wird kaum gezögert
Von Problemfällen ist den Experten bisher nichts bekannt. "Chinesische Hersteller geben stark Obacht, dass sie am europäischen Markt Fuß fassen", sagt Klejna. "Wenn nicht offensichtlich ist, dass der Kunde ein Bauteil beschädigt hat, wird die Garantieleistung durchgeführt." Dass ein Importeur aussteigt, kann zwar auch passieren. In den meisten Fällen gebe es dann aber Konkurrenten, die das Geschäft - und damit auch die Kundenbetreuung - übernehmen.
Laut Christian Pesau, Geschäftsführer des Arbeitskreises der Automobilimporteure, sind viele neue Marken aus China gerade erst dabei, ein Händlernetz in Europa aufzubauen. Wie gut sie im "After-Sales-Bereich", also im Service, sind, sei noch nicht klar. Hinter den Marken stünden aber große Konzerne, Versprechen an Kunden seien also ernst zu nehmen.
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