1.156 PS: Wie der Porsche Cayenne Electric entsteht

Fabrikarbeiter begutachtet ein Bauteil für den Porsche Cayenne Elektrik in der VW-Fabrik bei Bratislava.
Das bislang stärkste Serienmodell von Porsche wird nur 50 Kilometer von Wien entfernt gebaut. Der KURIER war dabei.

90.000 Quadratmeter klingt nach viel Platz, aber in der gigantischen Halle, in der die Endmontage der großen Porsche-SUVs stattfindet, muss man als Besucher aufpassen, wo man steht. Von einem der vielen fast lautlos herumfahrenden Roboter wird man angehupt, damit man aus dem Weg geht. Ein anderer ist gut hörbar, weil er klassische Musik abspielt. Er gehört einer älteren Generation an, mit der Mitarbeiter an ihre automatisierten Kollegen gewöhnt werden sollten. Heute sind sie allgegenwärtig.

Im VW-Werk bei Bratislava arbeiten statische Roboter hinter Schutzglas, die mobilen Roboter flitzen durch die Hallen.

Im VW-Werk bei Bratislava arbeiten statische Roboter hinter Schutzglas, die mobilen Roboter flitzen durch die Hallen.

Der stärkste Serien-Porsche aller Zeiten

Knapp 500 Porsche Cayenne werden täglich im Werk von Volkswagen Slovakia nahe Bratislava fertiggestellt. Die Produktion des Porsche Cayenne Electric wird gerade erst hochgefahren. Das 2025 vorgestellte neueste Modell der Sportwagenmarke nicht nur eine vollelektrische Premiere für den seit 2002 produzierten Cayenne, es ist der stärkste in Serie gefertigte Porsche aller Zeiten.

1.156 PS und 1.500 Newtonmeter Drehmoment (in der Turbo-Version) können auch ein 2,7 Tonnen schweres Fahrzeug so beschleunigen, dass der Kopf von Passagieren unfreiwillig gegen den Sitz knallt. 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h fühlen sich bei einer Testfahrt am Beifahrersitz brutal an. Mit dem Taycan und dem elektrischen Macan trägt Porsche seine DNA schon seit einiger Zeit in eine elektrische Zukunft. Der elektrische Cayenne soll die Modelllinie auf ein völlig neues Leistungsniveau heben, es wird sie aber auch in Zukunft mit Verbrennungs- und Hybridantrieb geben.

Der Porsche Cayenne Electric wird nur in Bratislava gefertigt und von hier in die ganze Welt exportiert.

Der Porsche Cayenne Electric wird nur in Bratislava gefertigt und von hier in die ganze Welt exportiert.

Die Batteriemodule fertig Porsche selbst

Herzstück des Cayenne Electric ist seine 113 Kilowattstunden fassende Batterie. In sie ist besonders viel Entwicklungsarbeit geflossen, Sie soll konstant hohe Fahrleistungen ermöglichen, so effizient arbeiten, dass man damit mehr als 600 Kilometer weit kommt und sie soll mit bis zu 400 kW geladen werden können. Durch Erfahrungen aus der Formel E erreicht Porsche angeblich auch besonders effiziente Energierückgewinnung beim Bremsen. Die Batteriezellen werden nach genauen Vorgaben von Porsche von LG in Polen gefertigt. In Horna Streda, eine Stunde nordöstlich von Bratislava, werden die Zellen zu „Stacks“ gestapelt und in Module verpackt.

Von der „Smart Battery Factory“ der Porsche Werkzeugbau Gruppe werden die fertigen Module zu einem Zulieferer geschickt, der aus jeweils sechs Modulen eine komplette Fahrzeugbatterie in 800-Volt-Architektur macht. Anschließend kommen die Batterien in das Multi-Marken-Werk von Volkswagen Slovakia nach Bratislava. Es ist das größte Unternehmen des Landes, das auch für einige andere Fahrzeughersteller attraktive Rahmenbedingungen bietet.

Bei hoch oben durch die Halle gleitenden Cayenne-Electric-Exemplaren ist die Batterie im Boden gut sichtbar.

Bei hoch oben durch die Halle gleitenden Cayenne-Electric-Exemplaren ist die Batterie im Boden gut sichtbar.

Menschen- und Roboter-Gewusel im Werk bei Bratislava

In dem riesigen Gebäudekomplex arbeiten mehr als 10.000 Mitarbeiter an derzeit 9 verschiedenen Automodellen des VW-Konzerns. Im „Bodyshop“, wo die Karosserien des neuen Cayenne entstehen, sieht man nur wenige davon. Eine Vielzahl von gelben (Hersteller: Fanuc) und roten Roboterarmen (Kuka) wuchten Motorhauben wie überdimensionale Äxte durch die Luft und verbinden Bauteile aus Aluminium und Stahl mit höchster Präzision. Blickt man nach oben sieht man durch Gitterböden, wie Teile auf bis zu drei weiteren Ebenen quer durch die Halle transportiert werden.

In der Montagehalle für den Cayenne ist das Gewusel noch größer, hier arbeiten neben Robotern auch 400 Mitarbeiter pro Schicht. Es riecht nach neuem Auto. Zunächst nackte Karosserien werden auf breiten Förderbändern mit Elektrik, Innenverkleidungen, Lichtern, Scheiben und vielem mehr ausgestattet. Mittendrin in der Halle passiert ein entscheidender Schritt: Die „Hochzeit“. Die bis dahin ledige Karosserie wird mit dem Fahrwerk vereint. Dann kommt die Batterie dazu, die von unten in das Auto eingesetzt wird.

Im Innenraum des Porsche Cayenne Electric dominieren große Displays.

Im Innenraum des Porsche Cayenne Electric dominieren große Displays.

Videos schauen am Beifahrersitz

In den Autos, denen immer noch Sitze und jede Menge Abdeckungen fehlen, leuchten die Displays erstmals auf. Der Cayenne Electric hat viele davon, u.a. das „Flow Display“, einen gebogenen OLED-Bildschirm für die Mittelkonsole oder optional auch ein Display vor dem Beifahrersitz, auf dem man während der Fahrt YouTube-Videos schauen kann. Für Passagiere am Rücksitz gibt es so etwas übrigens nicht. Kinder hätten ohnehin alle Tablets, wird den Werksbesuchern erklärt. Die Vordersitze haben noch ein besonderes Komfort-Feature: Die Armlehnen an den Türen und in der Mittelkonsole sind beheizbar.

In der Fabrikshalle wird an farblich unterschiedlichen Autoexemplaren gewerkt. Der Cayenne Electric soll hochgradig individualisierbar sein. Mit fertigem Innenleben, montierten Reifen und geladener Batterie werden die fertigen Autos erstmals gestartet und gleich einer ganzen Reihe von Tests unterzogen. Es gibt einen rumpeligen Rollenprüfstand, einen Lichttunnel – wo der Lack penibel auf Kratzer abgesucht wird -, Türen, Lichter und Lenkung werden feinjustiert, in einer Wasserkammer wird die Dichtheit überprüft.

Induktives Laden ohne Aufpreis möglich

Das Endprodukt muss perfekt sein, schließlich muss die Kundschaft ja bereit sein, 108.000 Euro für den elektrischen Cayenne hinzulegen. Die Turbo-Version kommt auf169.000 Euro. Das ist weniger als die Hybrid-Versionen des Cayenne kosten. In Österreich bekommt man die Vorbereitung für das induktive Laden ohne Aufpreis dazu. Über eine Ladeplatte am Boden kann das Auto kabellos mit bis zu 11 kW geladen werden. Bestellbar ist das Fahrzeug bereits, ausgeliefert wird ab dem zweiten Quartal 2026.

Hinweis: Der Werksbesuch erfolgte auf Einladung von Porsche

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