Die Frage der Batterie: Wie gut sind gebrauchte E-Autos wirklich?

Ein Elektroauto wird an einer öffentlichen Ladestation mit einem blauen Kabel aufgeladen.
Der Anteil gebrauchter Elektroautos steigt jedes Jahr deutlich. Kann man E-Autos bedenkenlos kaufen und wie gut geht es den Batterien, wenn die Stromer in die Jahre kommen?

Elektroautos sind in Österreich auch zunehmend auf dem Gebrauchtwagenmarkt ein Thema. Und Österreich liegt hier sogar in einer Statistik voran: Laut aktuellem Europa-Report von AutoScout24 liegt der Anteil gebrauchter Stromer hierzulande bei 7,7 Prozent aller Inserate – und damit höher als in allen anderen der fünf untersuchten EU-Länder.

Der starke Anstieg in Österreich ist erklärbar: 2020 lag der Anteil gebrauchter E-Autos noch bei 1,2 Prozent. Inzwischen wechseln immer mehr Fahrzeuge nach dem ersten Leasingzyklus oder einigen Jahren Privatnutzung in den Gebrauchtwagenhandel. Der Markt wird breiter, transparenter und zugleich auch älter. Und was vor wenigen Jahren aufgrund mangelnder Langzeit-Tests noch als "Restwert-Risiko" galt, wird heute zunehmend zur Alltagsfrage: Wie haltbar sind Batterien wirklich, wenn Elektroautos in den Zweitmarkt kommen?

Zehn Jahre Praxis

Erste belastbare Erfahrungen stammen inzwischen von elektrischen Modellen, die seit rund einem Jahrzehnt auf den Straßen unterwegs sind. Frühe Generationen des BMW i3, Nissan Leaf, Renault Zoe oder des Tesla Model S werden laut der Plattform vielfach mit Laufleistungen von 150.000 Kilometern und mehr gehandelt. Auswertungen von Werkstätten, Flottenbetreibern und Leasinggesellschaften, auf die sich ÖAMTC und ADAC beziehen, zeigen ein relativ einheitliches Bild: Lithium-Ionen-Batterien verlieren über die Jahre zwar an Kapazität, aber deutlich langsamer als ursprünglich angenommen.

Nach Angaben des ÖAMTC liegen viele Fahrzeuge selbst nach acht bis zehn Jahren noch bei 80 bis 90 Prozent ihrer ursprünglichen Speicherkapazität. Ähnliche Ergebnisse nennt auch der ADAC in Langzeitauswertungen von Flottenfahrzeugen. Der stärkste Kapazitätsverlust tritt meist in den ersten Jahren auf, danach verlangsamt sich die Alterung deutlich. Als entscheidend gelten laut beiden Automobilclubs das Ladeverhalten, die Temperaturführung der Batterie und insbesondere der Anteil an Schnellladungen. Fahrzeuge mit aktivem Flüssigkeits-Thermomanagement schneiden langfristig meist besser ab als frühe Modelle ohne entsprechende Kühlung.

E-Auto an einer Ladestelle.

Auto-Akkus: Die Geschwindigkeit der Aufladung entscheidet über Lebensdauer und Speicherkapazität der Batterien.

Neue Vergleichbarkeit

Für Käufer gebrauchter Elektroautos spielt auch die Absicherung durch Garantien eine zentrale Rolle. Nahezu alle in Österreich vertretenen Elektroauto-Hersteller gewähren laut eigenen Angaben Batteriegarantien von durchschnittlich acht Jahren oder 160.000 Kilometern, meist mit einer zugesicherten Mindestkapazität von rund 70 Prozent. Diese Garantien gelten vielfach auch für Zweit- und Dritthalter, solange die Zeit- oder Kilometergrenzen nicht überschritten werden.

Zusätzlich gewinnt die standardisierte Batterieprüfung an Bedeutung. Laut ÖAMTC bieten immer mehr Händler Batterie-Stresstests an, bei denen Ladezyklen, Zellspannungen und die nutzbare Kapazität ausgelesen werden. Auch das Fraunhofer-Institut nutzt vergleichbare Verfahren zur Bewertung von Batteriealterung. Die Tests liefern zwar keine exakte Prognose über die Restlebensdauer, schaffen aber erstmals Vergleichbarkeit am Gebrauchtmarkt.

Mit dem steigenden Angebot sinken auch die Preise. Gebrauchte Elektroautos kosten in Österreich laut AutoScout24 im Schnitt 41.200 Euro und damit 15 Prozent weniger als noch vor drei Jahren. Der Abstand zu Verbrennern bleibt zwar bestehen, wird aber kleiner. "Der Preisrückgang ist auf die wachsende Zahl an Rückläufern aus Firmenflotten und Leasingverträgen zurückzuführen", erklärt Nikolaus Menches, Leiter von AutoScout24 Österreich. Gleichzeitig sei der Elektro-Gebrauchtmarkt noch jung: "Während der Verbrenner-Markt überwiegend aus älteren Fahrzeugen besteht und ein niedrigeres Preisniveau hat, kommen bei Elektroautos erst jetzt große Stückzahlen moderner Gebrauchtwagen auf den Markt."

Besonders gefragt seien aktuell Fahrzeuge aus dem mittleren Alterssegment. An der Spitze der Nachfrage stehen das Tesla Model 3 und Model Y, gefolgt vom Audi e-tron und dem Renault Zoe. Viele dieser Fahrzeuge stammen aus den ersten großen E-Auto-Zulassungswellen von 2019 und 2020.

Markt mit Signalwirkung

Österreich entwickelt sich somit zum Testfeld für die zweite Lebensphase von E-Autos. Viele Fahrzeuge gelangen durch Förderungen und hohe Leasingquoten rasch auf den Gebrauchtmarkt. "Die Entwicklung macht Österreich zu einem der führenden Länder, wenn es um gebrauchte Stromer geht. Für Konsumenten bedeutet das: größere Auswahl, mehr Vergleichsmöglichkeiten und eine wachsende Markttransparenz", so Menches.

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