Mercedes: Mit diesen Neuerungen soll die S-Klasse wieder zum Technik-Vorreiter werden
Die S‑Klasse gilt seit über sieben Jahrzehnten als zentrales Luxusmodell von Mercedes‑Benz. Sie steht als teuerstes Basis-Fahrzeug der Stuttgarter (exklusive G-Klasse, Maybach- oder AMG-Modelle) nicht nur für Prestige, sondern dient dem Hersteller auch als Plattform für die Erprobung neuer Technologien, die später in anderen Fahrzeugen der Oberklasse und auch bei Wettbewerbern eingesetzt werden. Mit dem nun angeteaserten Facelift für das Modelljahr 2026 plant die Marke erneut, die Rolle als Innovationsmotor einzunehmen.
Technik und Sicherheit im Fokus
Das Facelift der S‑Klasse soll laut dem Hersteller über 2.700 einzelne Komponenten verfügen, die vom Vorgängermodell ausgetauscht oder modernisiert wurden, was etwa die Hälfte des Fahrzeugs umfasst; darunter befindet sich auch erstmals ein beleuchtetes Kühlerornament. Zu den wichtigsten Neuerungen gehören aber wohl die beheizten Sicherheitsgurte, deren Zweck darin besteht, das Anlegen des Gurts bei kalten Bedingungen komfortabler zu machen und das Risiko von Gurtspiel zu reduzieren, etwa wenn Insassen zu dicke Kleidung tragen.
Diese Technologie geht auf frühere Sicherheitsexperimente der Marke zurück, bei denen Sicherheitskonzepte im Experimental Safety Vehicle (ESF) erprobt wurden. Dazu zählen überarbeitete Assistenzsysteme, ein Superscreen‑Infotainment auf Basis der aktuellen MBUX‑Plattform sowie neue elektronische Funktionen. Unter anderem soll die Hinterachslenkung serienmäßig eingeführt werden, die das Fahrverhalten in engen Situationen verbessert. Dazu kommen neue intelligente Dämpfersysteme, die Straßenschäden erkennen und die Federung entsprechend anpassen sollen. Alle Motoren der überarbeiteten S‑Klasse sind mit Mildhybrid‑Technik ausgestattet; bei den Plug‑in‑Hybriden soll die rein elektrische Reichweite bei über 100 Kilometer liegen.
Die Präsentation der Neuauflage ist für das Frühjahr geplant; der Produktionsstart wird ebenfalls für diesen Zeitraum Jahr erwartet. Neben der Standardlimousine sollen auch die deutlich teureren Maybach‑Varianten des Flaggschiffs die überarbeiteten Merkmale erhalten.
S‑Klasse: Die Geschichte eines Vorreiters
Die Mercedes S‑Klasse steht seit ihrer frühesten Generation im Jahr 1951 für technische Weiterentwicklung und Innovation im Automobilbau. Bereits frühe Vorgängermodelle führten Sicherheitsfeatures und Konstruktionen ein, die später auch bei Mitbewerbern zum Standard wurden: frühe Sicherheitszellen, verstärkte Karosserien und passive Sicherheitszonen wurden in den 1950er‑ und 1960er‑Jahren entwickelt und trugen dazu bei, den Schutz von Insassen bei Unfällen zu verbessern.
In der W116‑Generation ab 1972 wurde die S‑Klasse erstmals offiziell so benannt und führte unter anderem das antiblockierende Bremssystem (ABS) ein, das die Kontrolle in Notsituationen verbessern sollte. Bereits Ende der 1970er‑Jahre war ABS in nahezu allen Mercedes‑Modellen verfügbar.
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte setzte das Modell weitere Standards: Der Nachfolger W126 brachte Sicherheitsgurte mit Gurtstraffern und Airbags in die frühen 1980er. In den 90er‑Jahren führte die S‑Klasse (Baureihe 140) Systeme wie das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) und Seitenairbags ein, die später auch bei anderen Herstellern verwendet wurden.
In den späten 90er- und 2000er-Jahren setzte Mercedes-Benz mit mehreren Generationen der S-Klasse entscheidende technologische Impulse. Mit der Baureihe W220 (1998–2005) hielten adaptive Tempomaten wie "Distronic", elektronische Stabilitäts- und Traktionssysteme sowie erweiterte Parkhilfen Einzug. Erstmals wurde auch das präventive Sicherheitssystem PRE-SAFE eingeführt, das Insassen bei erkannter Kollisionsgefahr vorbereitend schützte.
Die Nachfolgegeneration W221 (2005–2013) baute diese Ansätze weiter aus und brachte zusätzliche Assistenzsysteme wie aktive Spur- und Totwinkelassistenten sowie weiterentwickelte Nacht- und Kamerasysteme. Mit der Baureihe W222 (2013–2020) erreichte die Digitalisierung der S-Klasse schließlich eine neue Stufe. Mercedes führte teilautomatisierte Fahrfunktionen ein, darunter Spurführungs- und Stauassistenten, sowie umfassende Fahrerassistenzpakete, die mehrere Sensoren und Kameras kombinierten. Parallel dazu wurden großflächige Displays, vernetzte Online-Dienste und softwarebasierte Fahrzeugfunktionen zu zentralen Bestandteilen des Konzepts.
Die aktuelle Generation W223 (seit 2020) erweiterte das Modell um hochauflösende Displays, weiterentwickelte Assistenzsysteme bis hin zu automatisierten Fahrfunktionen in definierten Einsatzbereichen sowie ein stärker softwarezentriertes Fahrzeugkonzept.
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