E-Autofahrer werden noch länger keine Folgen des Iran-Kriegs spüren

Aufgrund des Iran-Kriegs steigende Strompreise kommen an Ladepunkten noch nicht an. Bestandskunden mit Ladekarten haben wenig zu befürchten.
Zwei Elektroautos an einer Wien Energie Ladestation.

Während die Folgen des Krieges am Persischen Golf an Tankstellen seit Wochen spürbar sind, können sich E-Autofahrer vorerst noch genüsslich die Hände reiben. Doch die Strompreise sind bereits am Steigen. Neukunden in Österreich müssen bereits mit 8 Prozent höheren Jahreskosten rechnen, weil Anbieter ihre Arbeitspreise erhöht haben. In Deutschland sind es sogar 16 Prozent. 

Der Hauptgrund dafür sind gestiegene Gaspreise wegen der Sperre der Straße von Hormus. Sie schlagen durch Gaskraftwerke, die beim Stromhandel nach dem Merit-Order-Prinzip oft den Preis bestimmen, auch auf den Strompreis durch. Wird E-Autofahren dadurch auch teurer?

Nachgefragt bei Ladestellenbetreibern

Rund 37.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte gibt es in Österreich derzeit. Der KURIER hat bei einigen der größten Ladestellenbetreiber nachgefragt, ob Preiserhöhungen geplant sind. Vom überregionalen Anbieter Smatrics kommt dazu ein klares Nein. Die OMV verrät zu Preisentwicklungen nichts. 

Beim ÖAMTC sind keine Preisanpassungen geplant. „Wir beobachten kontinuierlich die Entwicklungen am Energie- und Mobilitätsmarkt. Unser klares Ziel ist es, den ÖAMTC ePower Kunden in jedem Marktumfeld faire und transparente Tarife anzubieten.“ Ähnliches kommt von der EVN: „Trotz der anhaltenden Energiekrise halten wir unsere Ladepreise stabil und schaffen damit Sicherheit für alle E-Mobilisten.“ Auch Burgenland Energie plant keine Preiserhöhungen.

Erhöhung bei Wien Energie hat mit Iran nichts zu tun

Bei Ladestationen von Wien Energie gibt es eine Erhöhung um 1 Cent pro Kilowattstunde für Neukunden. Anfang April wurde das Tarifportfolio für Elektromobilität erstmals nach mehreren Jahren angepasst. Der Schritt sei schon länger geplant gewesen, es habe keinen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg gegeben. Der Anbieter betont, auch nach der Anpassung zu den günstigsten Anbietern am Markt zu zählen. Für Bestandskunden ändere sich außerdem nichts.

Lidl senkt Schnellladepreis um 10 Cent

Der Lebensmitteldiskonter Lidl hat am Freitag eine Senkung seiner Ladestellenpreise angekündigt. Für das Laden mit Gleichstrom (DC) zahlt man nun 29 statt 39 Cent pro Kilowattstunde. Für Wechselstrom zahlt man unverändert 19 Cent/kWh. „Wir senken die Preise, wann immer es geht. Diesen Schritt gehen wir jetzt auch bei unseren Ladesäulen“, sagt Michael Kunz, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Lidl Österreich.

Beschaffung ist von Börsenhandel entkoppelt

Wie ist es möglich, gleich bleibende oder sogar günstigere Ladepreise trotz Energiekrise anzubieten? „In Österreich ist die Beschaffung von Ladestrom meist vom Börsenhandel entkoppelt“, so Andreas Reinhardt, Vorsitzender des Bundesverbands Elektromobilität Österreich. „Mit einer langfristigen Beschaffungsstrategie werden Spitzenpreise entschärft.“ 

84 Prozent aller E-Autofahrer hätten zudem Ladeverträge abgeschlossen, die - ähnlich wie ein Handyvertrag - keine Preisanpassungen während der Laufzeit vorsehen. „Es gibt viele Ladeanbieter mit vielen Angeboten. Oftmals wird kritisiert, dass es einen Tarifdschungel gibt. Aber dafür bekommt man hohe Preisstabilität.“

Irgendwann werden Preise steigen müssen

Wie es langfristig weitergeht, hängt maßgeblich vom Verlauf des Iran-Krieges ab. Wenn die Krise über einen längeren Zeitraum andauert, werden Anbieter nicht umhin kommen, ihre Preise zu erhöhen, meint Reinhardt. „Weil irgendwann müssen sie sich am Energiemarkt orientieren oder sie gehen pleite.“ Derzeit sei die Hoffnung bei allen Anbietern groß, dass man die Turbulenzen schlucken kann.

Der BEÖ versteht die aktuelle Krise auch als Warnsignal. Die Abhängigkeit von fossiler Energie bringe weltweite Auswirkungen mit sich, die es mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien und Elektromobilität nicht gäbe. Der weitere Ausbau der E-Mobilität und der Ladeinfrastruktur sei daher maßgeblich für eine stabile, planbare Energieversorgung.

Kommentare