Hohe Spritpreise: Wer intelligent fährt, kann sich viel ersparen

Der Verbrauch hat auf die Geldbörse mehr Effekt als Treibstoffpreise, mahnen Experten. Sie raten zu langsamem und vorausschauendem Fahren.
Mit entspannter, vorausschauender Fahrweise können Autofahrer viel Treibstoff einsparen.

45 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs entfallen auf den Verkehr. Wenn man Tempolimits auf der Straße reduzieren würde, könnte man die Nachfrage senken und somit den Anstieg der Spritpreise etwas dämpfen. Das hat die Internationale Energieagentur seinen Mitgliedsstaaten angesichts der aktuellen Ölkrise geraten. Wie während der Covid-Pandemie könnte man das Verkehrsaufkommen auch verringern, indem man "Home Office" wieder forciert.

Spritsparmaßnahmen werden oft ignoriert

Der Verbrauch hat auf die jährlichen Spritkosten einen höheren Einfluss als die Preise an den Tankstellen, warnt die Mobilitätsorganisation VCÖ. Sie kritisiert, dass die österreichische Bundesregierung an einer Spritpreisbremse arbeitet und das Spritsparen ignoriert. "Eine Steuersenkung mit der Gießkanne ist teuer, befreit uns nicht aus der Erdölfalle und ist auch aus sozialer Sicht nicht treffsicher, weil wohlhabende Haushalte deutlich mehr Sprit verbrauchen und deshalb stärker davon profitieren", stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Was 30 km/h weniger auf der Autobahn bringen

Die Regierung schreibt vorerst keine niedrigeren Tempolimits fest. Das heißt aber nicht, dass man als Autofahrer nicht selbst tätig werden könnte. Das persönliche Sparpotenzial kann klar beziffert werden. Wer auf der Autobahn etwa mit 100 statt 130 km/h unterwegs ist, verbraucht um 23 Prozent weniger Treibstoff und sorgt für eine ebenso große Reduktion an Kohlendioxid. Außerdem erzeugt er um 34 Prozent weniger Feinstaub.

Wie man Spritkosten um 15 Prozent senkt

Bei einem Praxistest des KURIER vor vier Jahren wurde eine 230 Kilometer lange Strecke einmal mit Tempo 130, einmal mit Tempo 100 auf der Autobahn zurückgelegt. Ein VW Polo verbrauchte einmal 15,26 Liter Benzin, einmal 12,94 Liter. Die Ersparnis betrug 2,3 Liter bzw. 15 Prozent. Im März 2022 stand der Benzinpreis bei 2 Euro pro Liter. Eine 15-prozentige Ersparnis hätte einen virtuellen Preis von 1,70 Euro bedeutet.

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Wirtschaftliche Fahrweise hat einen Sinn

Der ÖAMTC brachte zu der Zeit, in der Russlands Invasion der Ukraine für hohe Preise sorgte, das Argument vor, dass man durch reduzierte Tempolimits auf der Autobahn bloß 1 bis 3 Prozent beim gesamten Treibstoffverbrauch spare. Nur ein Drittel der Gesamtverkehrsleistung werde auf Autobahnen erbracht. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten auf Autobahnen seien wesentlich geringer als die erlaubte Höchstgeschwindigkeit.

Dennoch wendet der Automobilclub heute ein: Schonende Fahrweise entlastet die Geldbörse. "Eine wirtschaftliche Fahrweise bedeutet nicht, dass man länger braucht, sondern vorausschauend und möglichst konstant und flüssig unterwegs ist", erklärt Hermann Wirrer von der ÖAMTC Fahrtechnik. Seine Tipps: Rollphasen nutzen und flüssig fahren, einen hohen Gang wählen, Reifendruck kontrollieren.

Null Treibstoffverbrauch ist auch möglich

Andere Experten raten außerdem dazu, beim Heranrollen an Ampeln die Motorbremse zu nutzen, bei längerem Stillstand den Motor abzuschalten oder sogar auf Sitzheizung oder übermäßige Klimatisierung zu verzichten. Bei Automatikgetriebe sollte man - soweit vorhanden - den Eco-Modus wählen. Auf der Hand liegt natürlich auch, das Auto wenn möglich überhaupt stehen zu lassen und Wege mit Öffis, Rad oder zu Fuß zurückzulegen.

"Eine Lehre aus der aktuellen Ölpreis-Rallye muss sein, die Erdölabhängigkeit des Verkehrs rasch und deutlich zu reduzieren. Neben spritsparendem Fahren, mehr Bahn- und Busverbindungen und der Verbesserung der Radinfrastruktur spielen dabei auch Elektroautos eine wichtige Rolle", betont Schwendinger. Die aktuell rund 266.000 E-Autos auf heimischen Straßen reduzieren den Spritverbrauch pro Jahr laut VCÖ um etwa 200 Millionen Liter. Der jährliche Gesamtverbrauch Österreichs liegt bei rund 9 Milliarden Liter.

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