Turmöl-Chef: "Ich kann den Ärger über Preise nachvollziehen"
Turmöl Tankstelle in Wels.
Durch die Ölpreiskrise steigt der öffentliche Druck auf Tankstellenbetreiber, auch im Diskontsegment. Turmöl ist eine der bekanntesten Marken darin. Seit Anfang 2024 steht sie im Besitz des polnischen Mineralölkonzerns Orlen. Dessen Österreich-Chef Jürgen Stichenwirth sprach mit dem KURIER über die angespannte Lage.
KURIER: Zu Wochenbeginn hat der Ölpreis für die Sorte Brent im Handel fast 120 Dollar erreicht. Wie erklären Sie sich den zunehmenden Anstieg?
Jürgen Stichenwirth: Der Brent-Preis ist für uns interessant, aber nicht maßgeblich. Wir orientieren uns an der Börse Rotterdam, wo Benzin und Diesel gehandelt werden. Verschiedene Unternehmen preisen ihre Unsicherheiten ein. Mit der anhaltenden Krise steigt der Preis.
Wie hoch wird der Ölpreis noch steigen? Wie lange wird er noch auf hohem Niveau bleiben?
Wenn ich das wüsste... Ich mache mich auf einige Zeit gefasst, weil das nicht so schnell aufhören wird. Ich glaube, dass wir schon noch ein bisschen durchhalten müssen.
In welche Lage bringt Sie das als Tankstellenbetreiber?
Wir sind einer der größten Diskontanbieter in Österreich. Wir haben uns niedrige Preise verschrieben. Da ist es natürlich schwierig, wenn man die Preise hinaufsetzen muss. Viele sagen, der Anstieg ist ziemlich saftig, und das stimmt auch, aber es ist den Preisen am Markt geschuldet. Wir haben unsere Margen nicht verändert.
Wegen der Treibstoffpreise kommen bei vielen Autofahrern Ärger und Panik auf. Wie sehr können Sie das nachvollziehen?
Ich kann den Ärger schon nachvollziehen. Wer will schon mehr zahlen für etwas, was man eine Woche vorher noch billiger bekommen hat. Aber Panik braucht man nicht zu haben. Wir versorgen uns bei verschiedenen Lieferanten, hängen am größten Energiekonzern Osteuropas und haben keinerlei Engpässe. Im Ausland gibt es Panikkäufe, auch bei Orlen in Polen, aber in Österreich wäre mir noch keine Panik aufgefallen.
Jürgen Stichenwirth leitet die Österreich-Geschäfte des polnischen Mineralölkonzerns Orlen.
Wie unterschiedlich ist die Versorgungslage bei Benzin und Diesel?
Die ist ähnlich, beim Preisanstieg und bei der Versorgungssicherheit. Der einzige Unterschied ist, dass Lkws sehr viel öfter mit Diesel fahren. In einem Transitland wie Österreich lässt das die Nachfrage steigen.
Die Politik signalisiert Misstrauen gegenüber Tankstellenbetreibern und verspricht strenge Kontrollen. Wird das die Preise sinken lassen?
Die Kontrollen werden die Preise nicht sinken lassen. Wir fürchten uns auch nicht davor und sind gerne bereit, mit der Regierung zusammenzuarbeiten. Sollte es zu staatlichen Eingriffen kommen, werden wir das an Kunden weitergeben.
Es gibt Mutmaßungen, dass Tankstellenbetreiber genügend Vorräte haben und Großhandelspreise nicht so direkt weitergeben müssten. Ist das so?
Bei uns nicht. Wir haben keine Lager. Wir haben nichts in Österreich, wo wir Benzin und Diesel bunkern könnten und sind an Marktpreise gebunden. Es gibt zwar Tanks unter den Tankstellen, aber die sind schnell leer und werden zum tagesaktuellen Preis aufgefüllt.
Wann, wie oft und um wie viel dürfen Sie denn an Tankstellen die Preise anpassen?
Zu Mittag darf man die Preise erhöhen. Im Laufe des Nachmittags darf man sie auch wieder senken, aber kein zweites Mal erhöhen. Wenn Sie mich fragen, wann man am besten zur Tankstelle fährt: Am Montagvormittag. Am Wochenende werden die Preise gleich gelassen und erst am Montag zu Mittag ist ein Anstieg möglich. Damit ist Österreich ein Unikat. Das haben wir in der Orlen-Welt sonst nirgends.
Wie werden die Preise kontrolliert?
Die werden elektronisch in der Spritpreistransparenzdatenbank eingemeldet. Online am Spritpreisrechner kann man sie dann abfragen. Wir schauen uns das sehr genau an, weil wir die besten Preise am Markt haben wollen. Aber die Behörde fährt nicht von Tankstelle zu Tankstelle.
Wie läuft denn das Geschäft von Orlen Österreich?
Wir haben in Österreich einen rückläufigen Markt. Jedes zweite neu zugelassene Auto fährt mit Hybrid-Antrieb oder vollelektrisch. Dadurch sinkt der Treibstoffbedarf. Aber wir setzen auch auf Nahversorgung, Elektromobilität und verschiedene Dienstleistungen um Tankstellen. Daher läuft es positiv.
Was sind die Zukunftspläne im Land für Ihr Unternehmen?
Ich will nicht ausschließen, dass Orlen als Marke nach Österreich kommt. Sie ist anders als Turmöl und eher mit OMV vergleichbar. Das wird man sich noch gut überlegen, aber der Fortbestand von Turmöl ist sicher.
Kommentare