Blaulichtorganisationen kämpfen mit erhöhten Spritpreisen
Bei einem Hochhausbrand in Graz kam eine Person ums Leben (Symbolbild).
Wenn man sie braucht, sind sie da – schnell, zuverlässig und rund um die Uhr. Dass jeder Einsatz einer Blaulichtorganisation Kosten verursacht, rückt meist erst dann in den Fokus, wenn sie spürbar steigen. Genau das ist derzeit der Fall: Die hohen Spritpreise setzen Niederösterreichs Blaulichtorganisationen finanziell unter Druck.
Mehrkosten in Millionenhöhe
Besonders betroffen sind Organisationen mit hohem Fahrzeugaufkommen, allen voran die Feuerwehr und Rettungsdienste wie der Samariterbund, die Bergrettung oder das Rote Kreuz. Täglich sind die Organisationen im Einsatz, Hunderte Fahrzeuge sind unterwegs. Dass Niederösterreich mit rund 19.000 Quadratkilometern das größte Bundesland Österreichs ist, verschärft die Situation zusätzlich.
Die Feuerwehr legt allein für Einsätze rund eine Million Kilometer pro Jahr zurück. Je nach Einsatzaufkommen, Übungen und Katastrophenlagen ist der Kilometerstand deutlich höher. Auch das Rote Kreuz berichtet von budgetären Auswirkungen: Aktuellen Berechnungen zufolge muss allein im Bereich der Spritkosten mit Mehrkosten von rund zwei Millionen Euro im Jahr 2026 gerechnet werden.
Kaum Möglichkeiten
Der Präsident des Roten Kreuzes, Hans Ebner sagt dazu: „Als Rettungs- und Einsatzorganisation haben wir kaum Möglichkeiten, auf steigende Treibstoffpreise zu reagieren. Gerade Einsätze und Krankentransporte müssen rund um die Uhr gewährleistet werden. Es ist also insgesamt eine mehr als herausfordernde Situation, die es hier zu bewältigen gilt.“
Auch der Präsident des niederösterreichischen Samariterbundes, Hannes Sauer, spricht gegenüber dem KURIER von einem spürbaren Finanzierungsengpass durch die gestiegenen Spritpreise. „Der bestehende Rettungsvertrag mit der niederösterreichischen Landesregierung wurde auf Basis deutlich niedrigerer Treibstoffpreise kalkuliert. Eine Preissteigerung von rund 35 Prozent belastet uns daher finanziell erheblich“, so Sauer.
Entlastung von Mineralölsteuer gefordert
Die Sanitäterinnen und Sanitäter des Samariterbundes legen mit rund 70 Fahrzeugen in Niederösterreich jährlich mehr als fünf Millionen Kilometer zurück. Für kostensparende Maßnahmen bleibe keine Zeit, denn die Einsatzfahrzeuge befänden sich im Dauereinsatz.
„Wir können weder beeinflussen, wann wir tanken, noch wo“, erklärt Sauer. Daher unterstütze der Samariterbund Niederösterreich den Vorschlag der Bundesorganisation, alle Rettungsorganisationen von der Mineralölsteuer zu entlasten. Zudem arbeite man gemeinsam mit dem Roten Kreuz daran, Gespräche mit der Landesregierung zu führen, um Lösungen für die gestiegenen Treibstoffkosten zu erarbeiten. Derzeit gäbe es vom Land noch keine Unterstützungen, um die gestiegenen Kosten zu dämpfen.
Keine Förderungen
„Wir haben noch nicht wegen Förderungen angefragt. Aber wenn es in den nächsten Monaten so weitergeht, wird man was machen müssen“, so Oliver Himmel von der Bergrettung Niederösterreich.
Die Landesregierung bewertet die Lage als grundsätzlich stabilisiert. Aktuell wird gemeinsam mit den Organisationen ein neuer Vertrag erarbeitet, um eine langfristig tragfähige und transparente Finanzierungsbasis zu schaffen. Ob zusätzliche Fördermittel oder Soforthilfen notwendig werden, hänge von der weiteren Entwicklung der Rahmenbedingungen ab. Entlastungen von der Mineralölsteuer fallen in die Kompetenz des Bundes, der bisher nur auf budgetneutrale Maßnahmen verweist.
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