Rangos größtes Spiel nach der Lawine: Minuten retten Leben
Im Notfall müssen die Hunde nicht nur Sessellift fahren, sondern auch Helikopter fliegen.
Es ist dunkel und eng, Schneemassen drücken auf den Körper und machen das Atmen nach dem Lawinenabgang schwer. Rango, Rettungshund von Hundestaffel-Leiter Franz Eggl, beginnt aufgeregt zu bellen und zu graben. Die Uhr beginnt zu ticken: nach 15 Minuten sinken die Überlebenschancen für Verschüttete drastisch.
Um auf solche Szenarien vorbereitet zu sein, trainieren die vierbeinigen Einsatzkräfte der Bergrettung Niederösterreich/Wien regelmäßig in realistischen Übungen, letzte Woche stand in Göstling (Bezirk Scheibbs) wieder eine intensive Winterübung auf dem Programm.
Warten auf das Kommando
„Rango!“, zischt Franz Eggl, Leiter der Hundestaffel, kaum hörbar. Der fast zehn Jahre alte Schäferhund sitzt sofort an seiner Seite, den Blick fest auf ihn gerichtet und wartet auf das nächste Kommando. Rango ist einer von 13 Hunden, die im Ernstfall erstaunliche Arbeit leisten.
3 Jahre Ausbildung
Ebenso erstaunlich ist auch ihre Ausbildung. Rund drei Jahre Geduld, Feingefühl und harte Arbeit brauche es dafür, sagt Eggl. Voraussetzung: die abgeschlossene Bergrettungsausbildung. Erst dann beginnt das Training mit dem Hund.
In einem ersten Schritt wird geprüft, ob ein Tier überhaupt geeignet ist. Gehorsam, Wesen und Motivation sind entscheidend. Es folgen die A- und B-Prüfungen, in denen die Fähigkeiten für reale Einsätze aufgebaut und vertieft werden. Doch auch danach wird regelmäßig trainiert: Kurse und Übungen sind nötig, um die Einsatzfähigkeit zu erhalten. Die Arbeit ist intensiv – und vor allem freiwillig.
„Im Jahr 2025 hat unsere Hundestaffel rund 500 ehrenamtliche Einsatz-, Trainings- sowie Vor- und Nachbereitungsstunden geleistet“, sagt Eggl.
Warum man sich das antut? Lucas Panzenböck, ebenfalls Hundeführer, muss nicht lange überlegen. „So eine Bindung mit dem Hund hast du sonst nirgends“, sagt er mit einem Lächeln auf seine Hündin Lanie. „Das ist wunderschön.“
Suche nach Lawinenverschütteten mit dem Suchhund
„Wo sind Sie?“
Doch so sehr Hunde und Hundeführer trainiert sind, damit sie ausrücken können, bedarf es zuerst eines Notrufs. Sobald jemand in Not gerät und 140 wählt, nimmt Notruf Niederösterreich den Anruf entgegen. Dann erfolgt das Telefongespräch einem von Spezialisten ausgeklügelten Leitfaden, wobei die erste zugleich auch die schwierigste Frage ist: Wo sind Sie?
Grundsätzlich übermittelt jedes Handy beim Absetzen eines Notrufs den Standort. Im alpinen Gelände ist die Ortung von in Not geratenen Personen nicht einfach – das Gerät wählt sich in ein anderes Netz ein, eine Ortung des Mobiltelefons ist oft nicht möglich. Ist der Notfallort so genau wie möglich verortet, wird die anrufende Person durchs Gespräch geleitet: „Sagen sie mir genau, was passiert ist“.
Je nach Szenario werden die Einsatzkräfte werden alarmiert – bei Personensuchen, Lawinen- oder Murenabgänge auch die Hundestaffel. Mit ihrer außergewöhnlichen Spürnase können die Hunde große Flächen in kurzer Zeit absuchen, oft schneller und effektiver als technische Hilfsmittel allein.
Einsätze fordernder
Und weil die Einsätze immer fordernder werden, ist die vierbeinige Unterstützung besonders willkommen. Rund jeder vierte Einsatz findet wochentags, nachts oder bei schlechtem Wetter statt. Sobald die Alarmierung erfolgt, geht alles Schlag auf Schlag: Einsatzbereite Kräfte werden per Hubschrauber in den Lawinenkegel geflogen. Deshalb ist das Training so wichtig, die Hunde müssen an das Fliegen am Seil gewöhnt sein, um im Ernstfall sofort einsatzbereit zu sein.
Dann beginnt für die Hunde das „Spiel“: Im Zick-Zack suchen sie den Lawinenkegel ab, bellen bei einem Fund und beginnen zu graben. In der Übung wird das Szenario so realistisch wie möglich nachgestellt, die Hunde haben den „größten Spaß ihres Lebens“, schmunzelt Eggl, „und das nützen wir, um Menschenleben zu retten.“
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