Rax: Tourenführerin mit 12-köpfiger Gruppe musste gerettet werden

Bergrettung musste am Abend zum Einsatz ausrücken, Gruppe war geschwächt und überfordert.
Zwei Bergretter auf Tourenski

Mit fast 900 Einsätzen war 2025 das absolute Rekordjahr für die Bergrettung NÖ/Wien. In dieser Tonart geht es auch 2026 weiter. Die Serie aufwändiger Rettungseinsätze von unvorbereiteten oder überforderten Wanderern bzw. Bergsteigern reißt nicht ab.

Sonntagabend musste auf der Rax eine 13-köpfige Gruppe an Schneeschuh-Wanderern gerettet werden, weil sich die Personen im Gelände verirrt hatten und die Nacht hereinbrach.

Eine Tourenführerin war am Sonntag mit den 12 Teilnehmern um 10 Uhr auf die Rax aufgebrochen. Mit Schneeschuhen ging es vom Höllental auf die Wolfgang Dirnbacher-Hütte, wo man eine Mittagspause einlegte. Gegen 13 Uhr marschierte die Gruppe weiter. Aus derzeit noch unbekannten Gründen bog die Tourenführerin auf dem Weg zur Seehütte bzw. zum Ottohaus auf den Ho-Chi-Minh-Pfad ab. „Der Weg ist nicht beschildert und verlängert die Tour. Er ist wegen der Beschaffenheit und der Latschen sehr anspruchsvoll“, erklärt ein Beamter der Alpinpolizei NÖ.

Überfordert und entkräftet

Am späten Nachmittag verschlechterte sich das Wetter und dichter Nebel brach herein. Drei Tourenmitglieder setzten sich von der Gruppe ab und versuchten auf eigene Faust zurückzugehen. Als ein Teil der Mitglieder überfordert und entkräftet war, setzte eine Person aus der übrigen Gruppe einen Notruf ab. In der Dunkelheit gab es kein Vor und Zurück mehr.

Bergrettung unterwegs

Auch Hunde waren beim Rettungseinsatz dabei.

Die Wetterbedingungen – besonders der extrem dichte Nebel – ließen keinen Suchflug durch das Innenministerium zu, weshalb bereits 30 Minuten nach der Alarmierung 17 Bergretterinnen und Bergretter zur Suchaktion ausrückten.

Dank einer außerplanmäßigen Fahrt der Rax-Seilbahn gelangte das Team auf das Plateau und von dort mit bereitgestellten Fahrzeugen in Richtung Ottohaus. „Hier begann der Zustieg mit Tourenski und Schneeschuhen, aufgeteilt in drei Suchteams, zu den ermittelten Koordinaten“, heißt es vonseiten der Bergrettung Reichenau an der Rax.

Aufgrund des unklaren Gesundheitszustands der vermissten Personen wurde ein viertes Bergeteam samt Akja auf der Rax zusammengezogen. Dieses Team konnte schließlich die Dreiergruppe, die sich vom Rest getrennt hatte, zwischen Höllentalaussicht und Ottohaus aufgreifen. Sie waren unverletzt, aber erschöpft und wurden zur Bergstation gebracht.

80-jähriger Mann mit Hüft-OP

Um etwa 18.00 Uhr kam die erfreuliche Nachricht: Eines der Suchteams fand die zehnköpfige Gruppe im Bereich des Ho-Chi-Minh-Pfads. „Die Mitglieder waren erschöpft und leicht unterkühlt, befanden sich aber insgesamt in relativ stabilem Zustand. Lediglich ein über 80-jähriger Mann, der vor wenigen Wochen eine Hüftoperation hatte, zeigte deutliche Ermüdungserscheinungen“, so die Bergrettung.

Nach kurzer Erstversorgung führte der Suchtrupp die Gruppe langsam aus dem Latschenwald zur Dirnbacherhütte.

Gefährdung der körperlichen Sicherheit?

Um 20.15 Uhr waren alle Teilnehmer wohlbehalten bei der Bergstation der Seilbahn. Mit einer Sonderfahrt ging es zurück ins Tal.

Für die Tourenführerin könnte der missglückte Ausflug auch ein rechtliches Nachspiel haben. Die Alpinpolizei wird den Fall wegen einer möglichen Gefährdung der körperlichen Sicherheit bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige bringen. Verletzt wurde bei dem Zwischenfall niemand. 

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