Trauriger Rekord: So oft musste die Bergrettung NÖ/Wien noch nie ausrücken
Der "alte" Rekord der Bergrettung NÖ/Wien datiert aus dem Jahr 2021, damals gab es 841 Einsätze. 2025 liegen die Bergretter bei 886 Einsätzen - das sei zwar noch zu bewältigen, wie Landesleiter Karl Weber sagt.
Aber man müsse langsam über Konsequenzen nachdenken. "Wenn uns als Gesellschaft die Eigenverantwortung abhanden kommt, dann droht ein Kollaps." Weber spielt damit auf die oft von freiwilligen Rettern und Retterinnen kritisierte Vollkaskomentalität an. "Die Leute steigen auf den Berg und wenn sie nicht mehr weiterkommen, rufen sie eben die Bergrettung."
Härtere Konsequenzen nötig?
Politisch wolle man sich nicht einmischen, etwa, was immer lauter werdende Rufe nach härteren Konsequenzen für verantwortungslose Personen und auch höhere Einsatzkosten oder gar Strafen betrifft. Aber man sei nicht unglücklich über die politischen Debatten dazu. Besonders das Großglockner-Urteil habe ein grelles Licht auf die Problematik mit der Leichtsinnigkeit am Berg geworfen.
Warum die Bergrettung aktuell so gefordert wird, hat laut Weber fünf Gründe: Erstens würden Gefahren oft unterschätzt. "Die Leute sehen tolle Bilder in den sozialen Medien und denken sich: Das will ich auch." Zweitens würden Touren oft schlecht geplant: Zu später Aufbruch, schlampige Planung, die Verwendung falscher oder ungeeigneter Apps zur Tourenplanung und mangelhafte Ausrüstung können schnell zu gefährlichen Situationen führen.
Drittens ziehe es - spätestens seit der Corona-Pandemie - immer mehr Menschen in die Berge, was automatisch zu mehr Einsätzen führe. Viertens werde häufig unterschätzt, wie schnell sich in alpinen Lagen das Wetter ändern könne. Und fünftens: "Viele gehen mit großer Achtlosigkeit und dem Irrglauben an die bedingungslose Rettung in die Berge."
"Es gibt kein Recht auf Rettung"
Dieser Irrglaube kann fatale Konsequenzen haben: Zwar sind die Bergretter und -retterinnen immer bereit zum Aufbruch, allerdings geht auch bei ihnen Eigenschutz vor Fremdschutz. "Es gibt kein Recht auf Rettung", sagt Weber. Ist etwa die Lawinengefahr zu groß, kann ein Einsatz möglicherweise nicht in Gang gesetzt werden.
Großes Glück hatte am 20. Februar 2026 beispielsweise jene Familie aus Tschechien, die mit Langlaufski vom Dürrenstein gerettet wurde. Unglaublich 20 Stunden war die Familie unterwegs, um 2.30 Uhr morgens konnte sie gerettet werden. "Die vier waren körperlich sehr gut in Form", weiß Weber. Sonst hätte die Geschichte ganz anders enden können.
Um die hohen Einsatzzahlen zu verdeutlichen: Seit 2015 ist das Einsatzaufkommen der Bergrettung NÖ/Wien um 30 Prozent gestiegen - damals zählte man 685 Einsätze.
"Hinter jeder Zahl in der Statistik steht ein Schicksal"
Landesleiter Bergrettung NÖ/Wien
2025 rückte die Bergrettug NÖ/Wien im Schnitt 2,5 Mal pro Tag aus; mit 928 Personen mussten um zehn Prozent mehr gerettet werden als noch 2024. Tödliche Unfälle gab es elf und damit drei weniger als 2024. 684 Personen mussten medizinisch versorgt werden, das waren um 19 Prozent mehr als 2024.
Ein Plus, das sowohl auf Verletzungen im freien Gelände als auch auf Skipisten und Rodelbahnen zurückzuführen ist. "Ein Zeichen, dass die Bergrettung auch für den Tourismus unschätzbare Leistungen erbringt", resümiert Weber.
- 2025: 886 Einsätze
- 1.340 freiwillige Bergretter und -Retterinnen in NÖ
- 63 Mitglieder beim Nachwuchs
- 29 Ortsstellen in NÖ
- Bergrettung-Notruf: 140
- Ausbildungsdauer: 2 bis 3 Jahre
- Einsätze werden von der Bergrettung grundsätzlich verrechnet, die Kosten variieren je nach Art und Dauer des Einsatzes
Zwei relativ junge Phänomene sind für die Retter und Retterinnen problematisch: Erstens, dass immer mehr Unfälle unter der Woche passieren. Das stellt die knapp 1.340 Bergretter und -retterinnen, die alle freiwillig tätig sind, vor enorme logistische Probleme. Und zweitens steigen die Unverletzten-Bergungen: Also jene Einsätze, bei denen Personen zum Beispiel einfach erschöpft sind und nicht mehr weiterkönnen. Auch dies ein Ergebnis schlechter Tourenplanung und Selbstüberschätzung, denn derlei Einsätze wären vermeidbar.
63 Junge-Retter und Retterinnen in NÖ
Was Weber positiv in die Zukunft blicken lässt, ist der Nachwuchs: 63 Jung-Bergretter und -retterinnen zwischen 8 und 16 Jahren gibt es in Niederösterreich. "Derzeit sieht es gut aus und wir hoffen, dass der Zustrom zur Bergrettung anhält", sagt Weber.
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