Tödliche "Vollkaskomentalität" in den Bergen – jetzt sollen härtere Strafen helfen

Wer leichtfertig Sucheinsatz auslöse, der müsse das finanziell spüren, fordern Tiroler Politiker. Bergretter auch an psychischer Belastungsgrenze.
Ein Hubschrauber fliegt über eine verschneite Berglandschaft, während Bergretter zu sehen sind.

Zusammenfassung

  • Tirols Sicherheitslandesrätin Mair fordert Regressforderungen bei Lawineneinsätzen infolge grober Fahrlässigkeit und ein Ende der "Vollkaskomentalität".
  • Landeshauptmann Mattle betont die Eigenverantwortung der Wintersportler und verweist auf die Belastung der Einsatzkräfte sowie die Notwendigkeit effizienterer Lawinenwarnungen.
  • In der aktuellen Wintersaison gab es österreichweit bereits 26 Lawinentote, deutlich mehr als im zehnjährigen Mittel.

Sieben Tage lang kämpfte er ums Überleben. Am gestrigen Mittwoch war es dann traurige Gewissheit: Der 20-Jährige Freerider, der vergangene Woche im Tiroler Kirchberg von Schneemaßen begraben worden war, ist tot. 

Er ist damit bereits das 26. Lawinenopfer in diesem schneereichen Winter. Auch er war abseits der Piste, in ungesichertem Gelände gefahren. 

Von Seiten der Politik mehren sich deshalb Rufe nach strengeren Strafen. Tiroler Sicherheitslandesrätin Astrid Mair (ÖVP) forderte ein Aus für eine geortete "Vollkaskomentalität". Wer leichtfertig und trotz Warnungen - etwa bei Lawinenwarnstufe vier - ins Gelände fahre und einen Sucheinsatz auslöse, der müsse das finanziell spüren, meinte sie. Denkbar sei, dass Versicherungen in solchen Fällen aussteigen, so Mair.

Außerdem sprach sich die Landesrätin dafür aus, die Einsatzkosten nach den Lawinenwarnstufen zu staffeln. So solle ein Such- und Bergungseinsatz bei Lawinenstufe vier deutlich mehr kosten als bei Stufe drei.

Bereits aktuell würden alle alpinen Rettungsorganisationen ihre Einsätze verrechnen, erläuterte Vorstandsmitglied Martin Gurdet vom Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) dem ORF. Die Versicherungen vieler Wintersportlerinnen und Wintersportler würden diese Bergekosten allerdings aktuell abdecken und infolge übernehmen.

Mattle mahnt Eigenverantwortung ein

Auch Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) mahnte indes im Zuge einer Bilanz zum vergangenen Wochenende mit über 250 Lawinenabgängen und 40 damit verbundenen Einsätzen Eigenverantwortung ein. "Jeder und jede trägt Verantwortung für sich selbst, aber eben auch für jene Einsatzkräfte, die bei einem Lawinenabgang ausrücken", wurde Mattle in einer Aussendung am Donnerstag zitiert. 

Für fahrlässiges Verhalten habe er kein Verständnis. 

Im Tiroler Landhaus wurde indes debattiert, wie Lawinenwarnungen effizienter verbreitet werden können. Zuletzt war auch mittels AT-Alert vor der hohen Lawinengefahr gewarnt worden. Der Lawinenreport sei daraufhin 130.000 Mal aufgerufen worden.

26 Lawinentote in Wintersaison

In den vergangenen Tagen und Wochen war es bei teils hoher Lawinenwarnstufe - Stufe vier auf der fünfstufigen Skala - zu zahlreichen Lawinenabgängen und Sucheinsätzen sowie zahlreichen Todesfällen gekommen. In der bisherigen Wintersaison wurden österreichweit bereits 26 Lawinentote verzeichnet, teilte das ÖKAS am Donnerstag in einer Aussendung mit. 

Alleine zwischen 15. und 24. Februar verunglückten 14 Menschen bei Lawinen tödlich. Damit lag die Zahl der Lawinenopfer deutlich über dem zehnjährigen Mittel von 16 Lawinentoten pro Winter. 13 der Lawinenopfer im heurigen Winter waren in Tirol zu beklagen. Die Lawinenwarnstufe wurde indes am Donnerstag gesenkt, in Tirol galt nunmehr Stufe drei, also erhebliche Lawinengefahr.

Auch die Bergretter selbst meldeten sich angesichts der Vielzahl der Einsätze in den kommenden Tagen zu Wort. "Es fehlt nicht nur der Respekt vorm Berg möglicherweise", sagte Ekkehard Wimmer von der Bergrettung Tirol gegenüber dem ORF. "Sondern auch der Respekt vor den Rettern, den ganzen Einsatzorganisationen und Einsatzmannschaften."

Auch Wimmer sieht es "unfair, dass man diese Vollkaskomentalität ausnützt". Es sei durchaus fordernd, mit der aktuellen Situation umzugehen – auch wegen der tragischen Todesfälle. "Wir versuchen unsere Ortsstellen da bestmöglich zu unterstützen. Für viele ist die psychische Belastung momentan sehr groß", erklärte Wimmer im ORF. 

Kommentare