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Meinung
02/23/2020

Über Besserwisser und Inkonsequenz

Wir empören uns über so viele Dinge, sind aber nicht bereit, unser Verhalten zu ändern. Und das seit Jahren.

von Gert Korentschnig

Eigentlich wüssten wir ja alle, wie es geht. Wie wir gesünder leben. Wie wir uns besser ernähren. Wie wir Emissionen verringern. Wir wir in humanitären Angelegenheiten zu handeln haben. Wie wir die Welt, uns selbst und unsere Mitmenschen retten.

Wir leben im Zeitalter des Wissens, das sich mit jenem der Klugscheißerei (verzeihen Sie den rüden Ausdruck, aber es gibt keinen besseren dafür) vereint.

Wissende allerorts, schauen Sie nur in diverse Foren – oder lieber nicht. Und was machen wir, Tag für Tag, um das Wissen sinnvoll zu nützen? So gut wie nichts. Wir (zumindest viele von uns, der Autor dieser Zeilen nicht ausgenommen) sind furchtbar inkonsequent. Wider besseres Wissen handeln wir profitorientiert und/oder mit Fokus auf die eigene Bequemlichkeit. Was der kategorische Imperativ ist, haben wir längst vergessen.

Aktuelle Beispiele gefällig? Wir empören uns über Tiertransporte, über Kälber, die wochenlang zur Tötung fahren, über nicht artgerechte Hühnerhaltung und arme Schweine. Aber sind wir wirklich bereit, im Supermarkt dauerhaft mehr für Fleisch von vormals glücklichen Tieren zu bezahlen? Fehlanzeige. Ein Kilo Faschiertes sollte bittschön weniger als fünf Euro kosten.

Alles eine Frage des Preises

Oder schauen wir zu Amazon: Wir sind entsetzt über die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Zusteller. Aber hören wir deshalb auf, im Internet Dinge zu ordern, die im Geschäft ein paar Euro mehr kosten?

Oder zum zentralen Thema der Verkehrspolitik: Wir fahren viel zu große Autos und wissen um deren -Ausstoß bescheid. Doch steigen wir deshalb dort, wo es möglich wäre, auf den öffentlichen Verkehr um?

Diese Haltung des (Besser)-Wissens bei gleichzeitiger Ablehnung persönlicher Konsequenzen lässt sich auch in der Politik beobachten: Wir wählen Parteien, die Reformen versprechen, wollen aber von keiner einzigen selbst betroffen sein. Oder auf nationaler Ebene: Wir verlangen, dass sich die EU um mühsame Bereiche kümmert, sind aber nicht bereit, mehr einzubezahlen.

Das allergrößte Problem an eben diesem: Es existiert seit vielen Jahren, ohne dass sich Wesentliches ändert. So hätte man diesen Leitartikel schon vor langer Zeit schreiben können – und wird ihn vermutlich noch in einiger Zeit schreiben können.

Dazu passt: In dieser Woche ist Larry Tesler, der Erfinder von „Copy and Paste“, 74-jährig gestorben.

In dieser Woche ist Larry Tesler, der Erfinder von „Copy and Paste“, 74-jährig gestorben.

In dieser Woche ist Larry Tesler, der Erfinder von „Copy and Paste“, 74-jährig gestorben.

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